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Erkrankung während der Arbeitszeit, Fürsorgepflicht?

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  • Erkrankung während der Arbeitszeit, Fürsorgepflicht?

    Hallo liebe Forengemeinde,

    wir hatten bis zum Jahreswechsel in unserem Betrieb einen 24h/7d besetzten Betriebsärztlichen Dienst, der leider zum Jahreswechsel auf 7h/5d reduziert worden ist.
    Nun haben uns (den BR) die Vorarbeiter gefragt, was muß ich alles im Rahmen der Fürsorgepfilicht beachten, wenn ein Mitarbeiter auf nachtschicht oder am Wochenende kurzfristig erkrankt. Gerade jetzt wo in den Medien EHEG so diskutiert wird, sind die Vorgesetzten da verunsichert.
    Reicht es aus die MA nach hause zu schicken
    Muß ein Taxi gerufen werden und die MA zum KH geschickt werden
    Obliegt es in der Auswahl den AN den richtigen Weg zu wählen (Arzt, schlafen legen, KH etc), und reicht ein nach Hause schicken aus, um auf der sicheren Seite zu sein, und alles erforderliche getan zuu haben.
    Wie gesagt, im letzten Jahr was das alles einfacher bei uns, wer während der AZ erkrankte wurde zum Betriebsärztlichen Dienst geschickt und dieser hat dann entschieden
    auf Weiter arbeiten, nach hause gehen, Krankenwagen anrufen oder Taxi für Übersendung zum KH.

    Ich halte diese Frage für spannend,
    sicher ist, dass auf Grund der Fürsorgepflicht der Vorgesetzte verpflichtet ist, den erkrankten MA von der Arbeit zu befreien und "nach Hause" gehen zu lassen.

    Aber reicht das aus?
    MA hat "Herzrassen, Durchfall, ist übel und einen hohen Puls", muß dann der Vorgesetzte aktiver werden als bei Kopfschmerzen?

    Gibt es hierzu Urteile, und hat einer welche?
    Ich bin scheinbar mit google zu blöd Antworten auf diese Fragen zu finden und bitte euch hiermit um Unterstützung.

    Herzlichen Dank

  • #2
    AW: Erkrankung während der Arbeitszeit, Fürsorgepflicht?

    Hallo Meistermacher,

    ich glaube du wirst kein verb. Urteil finden. Laut Gesetz sind wir alle zur ersten Hilfe verpflichtet (Im Rahmen unserer Möglichkeiten). Betriebliche Ersthelfer sollten in der Lage sein die Symptome ernsthafter Erkrankungen zu erkennen. Im Zweifelsfall 110 und der Leitstelle die Symptome schildern. Die Rettungssanitäter sollten dan schon entscheiden können was zu tun ist. (Hausarzt, Arztlicher Notdienst, Krankentransport oder Rettungsdienst mit Notarzt).
    Ich selbst habe schon öffters den Rettungsdienst kommen lassen. Lieber einmalzu oft als zu spät.

    Grüße apfelfreund

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    • #3
      AW: Erkrankung während der Arbeitszeit, Fürsorgepflicht?

      Danke, guter Hinweis

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      • #4
        AW: Erkrankung während der Arbeitszeit, Fürsorgepflicht?

        MA hat "Herzrassen, Durchfall, ist übel und einen hohen Puls", muß dann der Vorgesetzte aktiver werden als bei Kopsfschmerzen?
        Schwierig.

        Das ist zwar alles ein pathologischer Zustand, andererseits reicht das natürlich nicht aus, um einen erwachsenen, zurechnungsfähigen Menschen zu entmündigen. Da müssten schon Umstände vorliegen, die darauf hindeuten, dass der AN vorübergehend unzurechnungsfähig und eine Gefahr für sich und andere ist.

        Ich würde (je nach Situation) alle Hilfe anbieten. In den Krankenwagen/ Auto/ Taxi zwingen, kann man den AN aber m. E. nicht. Da macht man sich eher noch dadurch strafbar. In den meisten Fällen dürfte die Fähigkeit zur Eigenverantwortung des AN ja noch gegeben sein.


        Gruß
        AZ


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        • #5
          AW: Erkrankung während der Arbeitszeit, Fürsorgepflicht?

          In den Krankenwagen/ Auto/ Taxi zwingen, kann man den AN aber m. E. nicht.

          Angenommen ich lasse als Vorgesetzter zu, dass der Kol. wegen z.B. Übelkeit und Durchfall selber nach Hause fährt. Unterwegs kolabiert er und baut einen Unfall. Dann Frage ich mich, hätte ich ihn nicht doch zwingen sollen nicht selber zu Fahren, oder mache mich sogar Mitschuldig.
          Moin, Moin,
          BIG

          "Wege entstehen dadurch, dass man sie geht."
          Franz Kafka

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          • #6
            AW: Erkrankung während der Arbeitszeit, Fürsorgepflicht?

            man kann niemanden zu seinem glück zwingen

            wer gehen will , soll gehen
            wenn hilfe angeboten wurde, und der hilfsbedürftige noch so klar bei verstand war, daß seine ablehnung ernst genommen werden konnte, ist das seine entscheidung
            wenn er sich in der lage fühlt, heimzugehen, soll er es machen
            stellt sich diese einschätzung später als falsch heraus, ist der AG oder der zuständige vorgesetzte trotzdem aus dem schneider

            wir haben im krassen zweifelsfall den betroffenen in ein gespräch verwickelt, während die polizei verständigt wurde
            die haben dann die möglichkeit, auch maßnahmen gegen den willen des betroffenen durchzusetzen

            "Büro ist wie Achterbahn fahren, ein ständiges Auf und Ab. Wenn man das dann auch noch täglich 8 Stunden machen muß, dann kotzt man halt irgendwann" STROMBERG

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            • #7
              AW: Erkrankung während der Arbeitszeit, Fürsorgepflicht?

              Angenommen ich lasse als Vorgesetzter zu, dass der Kol. wegen z.B. Übelkeit und Durchfall selber nach Hause fährt. Unterwegs kolabiert er und baut einen Unfall. Dann Frage ich mich, hätte ich ihn nicht doch zwingen sollen nicht selber zu Fahren, oder mache mich sogar Mitschuldig.
              In der Tat ist das nicht ganz unproblematisch. Ich lerne ja derzeit vor allem Strafrecht. Das man sich, sollte es zu einem Unfall kommen, als AG wegen Unterlassung strafbar macht, wenn man einen AN dem übel ist, nicht am Wegfahren hindert, dürfte nur in ganz seltenen Ausnahmefällen der Fall sein. Für eine Strafbarkeit, muss der Unfall dem Handeln (bzw. hier nicht Handeln) des AG objektiv zurechenbar sein.
              In der herrschenden Lehre löst man diese Problematik aber wohl über die Eigenverantwortlichkeit des AN. Wenn einem schlecht ist, wird man dadurch nicht schuldunfähig. Man kann immernoch selbst entscheiden was geht und was nicht.

              Wenn man als AG jetzt trotzdem "gewaltsam" eingreift, macht man sich evtl selbst strafbar. Denn das man für ein Eingreifen wegen Übelkeit mit einem rechtfertigenden Notstand durchkommt, halte ich doch für fraglich.

              Es kommt immer auf den Einzelfall an.

              Gruß
              AZ


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              • #8
                AW: Erkrankung während der Arbeitszeit, Fürsorgepflicht?

                Zitat von Arbeits-Zorro Beitrag anzeigen
                In der Tat ist das nicht ganz unproblematisch. Ich lerne ja derzeit vor allem Strafrecht. Das man sich, sollte es zu einem Unfall kommen, als AG wegen Unterlassung strafbar macht, wenn man einen AN dem übel ist, nicht am Wegfahren hindert, dürfte nur in ganz seltenen Ausnahmefällen der Fall sein.
                Gruß
                AZ
                rechtsgrundlage wäre der 323c StGB

                solange der mann aber fahren will, und ersichtlich auch kann,
                kein problem

                sondern eher freiheitsberaubung oder evtl. nötigung
                falls ich ihn daran hindern wollte

                "Büro ist wie Achterbahn fahren, ein ständiges Auf und Ab. Wenn man das dann auch noch täglich 8 Stunden machen muß, dann kotzt man halt irgendwann" STROMBERG

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                • #9
                  AW: Erkrankung während der Arbeitszeit, Fürsorgepflicht?

                  solange der mann aber fahren will, und ersichtlich auch kann,
                  kein problem
                  Denke ich auch.
                  Als Arbeitgeber hat man sicherlich erhöhte Fürsorgepflichten am Arbeitsplatz für seine AN (vor allem bezogen auf die Einhaltung von Arbeitsschutzvorschriften ), jedoch wird man als AG aufgrund des Arbeitsvertrages nicht zum Vormund des AN in jeglicher Hinsicht.
                  Auch Arbeitnehmer tragen Verantwortung.

                  Ein Fall, wo der AG m.E. handeln müsste, wäre, wenn ein volltrunkener AN im Auto wegfahren wöllte. Aber das müsste schließlich auch jeder andere in der Situation und hat nichts mit dem Verhältnis AG-AN zu tun.


                  Gruß
                  AZ


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                  • #10
                    AW: Erkrankung während der Arbeitszeit, Fürsorgepflicht?

                    Zitat von meistermacher Beitrag anzeigen
                    Wie gesagt, im letzten Jahr was das alles einfacher bei uns, wer während der AZ erkrankte wurde zum Betriebsärztlichen Dienst geschickt und dieser hat dann entschieden
                    auf Weiter arbeiten, nach hause gehen, Krankenwagen anrufen oder Taxi für Übersendung zum KH.
                    Dafür ist ein Betriebsarzt nicht zuständig. Er muß natürlich wie jeder Arzt im Notfall Erste Hilfe leisten, aber die Entscheidung über die weitere Behandlung und über die Arbeitsfähigkeit trifft alleine der vom Arbeitnehmer für die Behandlung ausgewählte Arzt.

                    Jemanden ohne seine Zustimmung ins Krankenhaus zu senden geht nur, wenn er nicht mehr zustimmen kann (z.B. Bewußtlosigkeit).

                    Da überall in Deutschland relativ kurzfristig Notärzte erreichbar sind, dürfte eine Anwesenheit von Ärzten rund um die Uhr in kaum einem Betrieb notwendig sein.

                    E.D.

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