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Überstunden + Arbeitszeit so rechtens?

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  • Überstunden + Arbeitszeit so rechtens?

    Hallo alle zusammen,

    ich habe derzeit folgendes Problem und würde gerne wissen ob mir jemand sagen kann, ob ich oder mein AG im Recht ist:

    Ich arbeite als Filialleitung in einer kleinen Einzelhandelskette, die weder einen Betriebsrat noch eine Gewerkschaft hat, bzw. einer angehört.
    Meine Arbeitszeiten lt. Vertrag sind 140 Stunden monatlich im Jahresdurchschnitt. Das wären im Monat ungefähr 32 Stunden pro Woche oder 6 - 7 Stunden (im Normalfall)/pro Tag bei einer 5 Tage-Woche.

    Aktuell ist es jedoch so, dass ich durch personelle Probleme mehrere Tage alleine 10 Stunden im Laden stehe, z.T. ohne Pause, da niemand sonst kommen kann. Den Laden für länger als 5 Minuten (Toilettengang) zu schließen kommt laut meiner Bezirksleitung nicht in Frage, denn das wäre umsatzschädigend und würde (das vermute ich mal) auch Ärger mit dem Shoppingcenter geben in dem wir unsere Filiale haben.

    Von meiner Bezirksleitung bekomme ich ebenfalls durch die Blume gesagt, dass Springer in anderen Filialen gebraucht werden, die mehr Umsatz abwerfen als meine und größere Personalprobleme haben. Das kann ich natürlich in einem gewissen Rahmen verstehen. Kann sie mich trotzdem dazu zwingen die 10 Stunden zu arbeiten? Oder wäre es mein gutes Recht den Laden zwischenzeitlich für 45 Minuten zu schließen um Pause zu machen. Gegen die Ganztagsschicht werde ich wohl nicht viel tun können. Allerdings stehe ich diesen Monat mit 160 Stunden im Plan und eine große Besserung ist auch im Dezember nicht in Sicht.

    Zu den Überstunden steht im Vertrag dass ich 10% mit dem Gehalt abgegolten bekomme, alle anderen sind, unter Berücksichtigung betrieblicher Erfordernisse, durch
    Freizeit auszugleichen. Da ich allerdings zum Ende des Jahres voraussichtlich kündigen werde, habe ich nach Dezember keine Möglichkeit diese Überstunden die über die 10% hinausgehen mit Freizeit auszugleichen. Auszahlen ist für meine Firma keine Option (Wurde mir gesagt). Überstunden sind in meiner Position leider auch nur anhand des Arbeitsplans und den Kassenan- und abmeldungen zu erkennen.

    Muss ich also im Dezember Notfalls wieder 160 Stunden arbeiten um den Laden offen zu halten oder kann ich darauf bestehen meine 140 Stunden (mit den 10% 154) zu arbeiten, egal ob der Laden dann besetzt ist? Denn rein rechnerisch hätte ich doch dann Anspruch darauf, die 5 unbezahlten Überstunden im Dezember weniger zu arbeiten, sodass ich im Dezember maximal 149 Stunden arbeiten dürfte.

    Das Ganze mit meiner Bezirksleitung zu besprechen kommt für mich leider nicht in Frage, da sie, meiner Meinung nach, nicht kritikfähig ist, alle Fragen dieser Art persönlich nimmt und mir dann noch Vorhaltungen ala "Ich habe auch eine 50 Stundenwoche, da fragt auch niemand" macht. Da stoße ich auch nur bei der kleinsten Frage in diese Richtung auf Unverständnis und Empörung.

    Mit geht es in erster Linie nicht darum diese Überstunden zu leisten. Sondern eher darum, wie mit diesen unbezahlten Überstunden umgegangen wird und ob ich mir das so gefallen lassen muss.
    Ich hoffe mir kann der Ein oder Andere etwas Licht ins Dunkle bringen

    Danke schonmal im Voraus
    Maora

  • #2
    1. Du musst nach 6h eine Pause machen, das steht so im Gesetz.

    2. Wenn Überzeiten vor oder nach der Kündigung noch übrig sind, muss der AG natürlich die geleistete Arbeit bezahlen.
    Notfalls musst du das vor Gericht einklagen.

    2a dazu solltest du alle Möglichkeiten nutzen diese Zeiten zu dokumentieren um sie nachweisen zu können. Kopie Arbeitsplan usw..

    Kommentar


    • #3
      Zitat von Maora Beitrag anzeigen
      Ich arbeite als Filialleitung in einer kleinen Einzelhandelskette, die weder einen Betriebsrat noch eine Gewerkschaft hat, bzw. einer angehört.
      Hallo,

      hier liegt ein grundsätzlich falsches Verständnis vor: Betriebe gehören keiner Gewerkschaft an. Die Arbeitnehmer*innen sind Gewerkschaftsmitglieder kraft eigenem Eintritt, ob es dem Arbeitgeber gefällt oder nicht. In deinem Fall wäre die zuständige DGB-Gewerkschaft vermutlich ver.di.

      Von meiner Bezirksleitung bekomme ich ebenfalls durch die Blume gesagt, dass Springer in anderen Filialen gebraucht werden, die mehr Umsatz abwerfen als meine
      Wenn sich dein Arbeitgeber den gesetzeskonformen Betrieb des Ladens nicht leisten kann, muss er diesen eben schließen. Das ist eine wirtschaftliche Entscheidung. Falls die Filiale jedoch erhalten werden soll (neben rein wirtschaftlichen Fakten gibt es ja auch andere Gesichtspunkte), müssen die Vorschriften eingehalten werden.

      Oder wäre es mein gutes Recht den Laden zwischenzeitlich für 45 Minuten zu schließen um Pause zu machen.
      Ich würde das nun nicht gerade ohne Vorankündigung machen. Aber durchaus schriftlich/per Mail (zur Dokumentation) darauf hinweisen, dass die Pausenzeiten laut Arbeitszeitgesetz zwingend sind, ein Verstoß Bußgelder (für den Arbeitgeber) nach sich ziehen kann und du deshalb um Mitteilung bittest, auf welche Weise die Einhaltung der gesetzlichen Vorschriften gewährleistet werden kann. Sofern du dazu Vorschläge hast (z.B. Schließungszeiten zu umsatzschwachen Uhrzeiten), fügst du die bei.

      Da ich allerdings zum Ende des Jahres voraussichtlich kündigen werde,
      Das weiß dein AG ja noch nicht. Daher kann dort im Moment noch die Hoffnung vorherrschen, dass die Überzeiten zu einem späteren Zeitpunkt ausgeglichen werden können.

      Auszahlen ist für meine Firma keine Option (Wurde mir gesagt).
      Wenn du kündigst, dann wohl doch. Oder das abfeiern innerhalb der Kündigungsfrist.

      Überstunden sind in meiner Position leider auch nur anhand des Arbeitsplans und den Kassenan- und abmeldungen zu erkennen.
      Wenn du später vor dem Arbeitsgericht die Stunden einklagen willst, wirst du einen Beweis dafür antreten müssen, dass dein AG zum einen die Stunden kannte oder zumindest kennen konnte und sie entweder angeordnet oder zumindest billigend in Kauf genommen hatte.

      Muss ich also im Dezember Notfalls wieder 160 Stunden arbeiten um den Laden offen zu halten oder kann ich darauf bestehen meine 140 Stunden (mit den 10% 154) zu arbeiten, egal ob der Laden dann besetzt ist? Denn rein rechnerisch hätte ich doch dann Anspruch darauf, die 5 unbezahlten Überstunden im Dezember weniger zu arbeiten, sodass ich im Dezember maximal 149 Stunden arbeiten dürfte.
      Die vertraglich vereinbarten Stunden beziehen sich auf den Jahresschnitt. Jetzt weiß hier natürlich niemand, was du in den anderen Monaten des Jahres an Stunden geleistet hast. Den Laden ohne vorherige Absprache zuzumachen, würde ich auf keinen Fall tun.

      Das Ganze mit meiner Bezirksleitung zu besprechen kommt für mich leider nicht in Frage,
      Wie gesagt, würde ich das nicht mündlich besprechen. Schreibe eine Mail an die Bezirksleitung mit Kopie an den Personalbereich (sofern vorhanden) oder eine andere firmeninterne kompetente Instanz.

      Wenn du willst, kannst du deine Situation auch dem zuständigen Gewerbeaufsichtsamt schildern. Die sind für die Überwachung des Arbeitszeitgesetzes zuständig (also nicht die Überstunden, sondern die Pausenzeiten) und werden das dann kontrollieren. Das wird deinen AG natürlich nicht wirklich freuen, und du musst mir unliebsamen Reaktionen rechnen. Aber wenn du sowieso bereits auf dem Absprung bist, könnte dir das möglicherweise egal sein.

      Gruß,
      werner

      Spare in der Zeit, dann hast du in der Not: Hast du keine Rechtsschutzversicherung und bist kein Gewerkschaftsmitglied? Dann kannst du jetzt mit den gesparten Beiträgen den Anwalt selbst bezahlen ...
      Sicherheitshalber der Hinweis: Ich bin kein Jurist und gebe hier nur meine persönliche Meinung wieder, basierend auf einem mehr oder weniger großen Erfahrungsschatz.

      Kommentar


      • #4
        ... und die Regelung "nach 6 Stunden muss eine Pause sein" ist eben eine zwingende Regelung, da gibt es gar nichts zu diskutieren. Die Pause ist dann gesetzlich vorgeschrieben. Ausnahmen wären vielleicht beim Chirurgen im OP oder bei Feuerwehrleuten im Einsatz oder beim Piloten wenn der Zielflughafen gesperrt ist denkbar, aber im Einzelhandel sicherlich nicht. Da kann ich mir keine Notstandssituation vorstellen.

        E.D.


        Kommentar


        • #5
          Vielen Dank allen für die Hilfe und Informationen

          Kommentar


          • #6
            Zitat von Maora Beitrag anzeigen
            Vielen Dank allen für die Hilfe und Informationen
            Halte uns doch über die weitere Entwicklung auf dem laufenden ...
            Spare in der Zeit, dann hast du in der Not: Hast du keine Rechtsschutzversicherung und bist kein Gewerkschaftsmitglied? Dann kannst du jetzt mit den gesparten Beiträgen den Anwalt selbst bezahlen ...
            Sicherheitshalber der Hinweis: Ich bin kein Jurist und gebe hier nur meine persönliche Meinung wieder, basierend auf einem mehr oder weniger großen Erfahrungsschatz.

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