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Außerordentliche Kündigung wegen hoher Fehlzeiten nach 36 Jahren im öffentlichen Dienst

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  • Außerordentliche Kündigung wegen hoher Fehlzeiten nach 36 Jahren im öffentlichen Dienst

    Hallo zusammen,
    ich bin seit 36 Jahren im öffentlichen Dienst einer großen Stadt als Verwaltungsfachangestellt er beschäftigt. In den letzten Jahren wurde ich leider sehr oft und lange krank, so dass mir außerordentlich unter Einhaltung einer sozialen Auslauffrist von 6 Monaten gekündigt wurde. In Kürze steht ein Gütetermin vor dem Arbeitsgericht an, denn ich habe Kündigungsschutzklage eingereicht über einen Rechtsanwalt. Zur Zeit beziehe ich Arbeitslosengeld, nachdem ich "ausgesteuert" wurde und keinen Anspruch mehr auf Krankengeldzahlungen habe.

    Zwischenzeitlich habe ich mir von den behandelnden Ärzten Atteste ausstellen lassen, die mir eine positive Gesundheitsprognose bestätigen und dies auch für die Zukunft prognostizieren.

    Die Kündigung macht mich fassungslos, denn ich habe mich stets einwandfrei verhalten und mich durch hohes Engagement vom mittleren in den gehobenen Dienst ohne Abitur und Studium "hochgearbeitet". Selbst stets überdurchschnittlich gute Beurteilungen und eine Petition meine Sachbearbeiter/innen haben nicht verhindern können, das man mich als tatsächlich einzigen Vorgesetzten geringschätzend und ohne Empathie in eine andere Verwendung "presste". Das habe ich zu sehr an mich herankommen lassen und führte zu hohen Fehlzeiten. Dennoch habe ich nicht aufgegeben, eine jetzt erfolgreich auslaufende Therapie besucht und meine körperlichen Erkrankungen durch Sport und Ernährungsumstellung nahezu besiegt.

    Ich habe im Vertrauen auf einen sicheren Arbeitsplatz vor 15 Jahren ein Häuschen erworben und Kredite aufgenommen. In meinem Haushalt lebt mein inzwischen volljähriger Sohn, den ich verpflege.(Alleinerziehen d). Würde diese Kündigung wirksam, werde ich tatsächlich alles verlieren, kann die Kreditverpflichtungen nicht mehr erfüllen und muss das noch weiter abzuzahlende Haus notfalls weit unter Wert verlaufen. Meine ganze wirtschaftliche Zukunft wäre zerstört und der soziale Abstieg dann unvermeidbar. Als fast 60-jähriger bin ich auf dem freien Arbeitsmarkt nach Aussage des Arbeitsamtes nur schwer bis kaum vermittelbar. Ich bin aber inzwischen fit und möchte (nein, ich will) arbeiten!

    Wie stehen meine Chancen auf eine vernünftige Abfindung nach 36 Jahren im öffentlichen Dienst?

    Vielen Dank für eine Antwort :-)

    Übrigens: Ich habe eine Rechtschutzversicherung und empfehle dies jedem, denn es kann - wie beschrieben - jeden treffen.



  • #2
    Gab es ein BEM-Verfahren und wie ist es verlaufen?

    Wenn Du fit bist und noch in der soziales Auslauffrist bist solltest du die Arbeit möglichst wieder aufnehmen. Sinnvollerweise nach Hamburger Modell.

    Nach der bisherigen Sachverhaltsschilderung wird das Arbeitsgericht die Kündigung mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht akzeptieren.

    Es gibt drei Voraussetzungen für die Zulässigkeit der Kündigung:
    1. Negative Gesundheitsprognose (hast du erschütterst, ggf. kommt es da noch zu einem weiteren Gutachten)
    2. Erhebliche Beeinträchtigung betrieblicher Interessen. Gerade im öffentlichen Dienst sehen die Gerichte die Hürde hier sehr hoch.
    3. Interessenabwägung (auch hier ist die Hürde sehr hoch).

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    • #3
      Hallo Grünwald,
      zu den Erfolgsaussichten hat dir doch bestimmt dein Anwalt - der den Sachverhalt ja wesentlich besser kennen sollte - etwas gesagt.
      Näch deiner - bisherigen - Schiclderung schätze ich sollten sie sehr hoch sein.
      Kleine Nachfrage: Die Fehlzeiten sind alle belegt? Also alles AU Zeiten - kein unentschuldigtes Fehlen o.*.?

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      • #4
        Hallo Ohadle,
        vielen Dank für Ihre/deine Antwort.
        Ja, es gab ein BEM Verfahren (auszufüllender Vordruck) in den Jahren meiner Erkrankung. Allerdings führte dies zu keinen nennesswerten Veränderungen, wie z. B. positiven Entscheidungen zur Telearbeit. Einmal gab es ein kurzes Gespräch, worum ich auf dem Vordruck gebeten hatte. Eher widerwillig wurde mein Veränderungswunsch in ein anderes Amt wechseln zu wollen einmal in der Personalleiterrunde vorgestellt, leider erfolglos. Ich habe auch auf den Vordrucken gebeten sog. "Rückkehrgespräche", also wenn jemand aus langer Erkrankung zurückkehrt, zu führen. Gab es leider nie.

        Alle Krankheitszeiten wurden stets mit Arbeitsunfähigkeitsbesche inigungen gleich vom ersten Krankheitstag ab belegt. Ich fehlte nie unentschuldigt.

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        • #5
          Hallo LarsT.
          Auch dir vielen Dank für deine Antwort! Ich denke auch, dass das mit der Kündigung für meinen Arbeitgeber schwierig werden wird und es beim Gütetermin wohl in Richtung Abfindung gehen wird. Einer gutachterlichen Untersuchung gegenüber bin ich offen und positiv optimistisch.

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          • #6
            Hallo,

            du sprichst mehrmale von Abfindung. Hast du darüber auch mit deinem Anwalt geredet? Ist der auch
            der Meinung, dass der AG eine Abfindung anbietet?Ich glaub das eher nicht. Die AG im ÖD haben dafür
            gar kein Budget. Zumindest nicht für eine erhebliche Abfindung die dir wirklich helfen würde.

            Willst du denn dort nochmal arbeiten?

            MfG
            Matthias

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            • #7
              Das Ergebnis des Verfahrens wird mit hoher Wahrscheinlichkeit die Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses sein. Dies sollte das Gericht eigentlich beim Gütetermin verdeutlichen. Im öffentlichen Dienst wird das Gericht eher empfehlen, dass das Arbeitsverhältnis fortgesetzt wird, Das "Rauskaufen" aus dem Arbeitsverhältnis bei ungerechtfertigten Kündigungen ist im öffentlichen Dienst eher unüblich. Sehr hohe Abfindungen sind nicht wahrscheinlich. Ein realistisches Angebot sind ca. 12 Monate bezahlte Freistellung unter Beibehaltung des Arbeitsverhältnisses bis zum Ende des Zeitraum. Vielleicht auch eine Abfindung in Bereich 12-18 Monatsgehälter (dies schon weniger häufig).

              Wenn du eine Abfindung anstrebst wäre wichtig zu entscheiden was für dich dort akzeptabel wäre. Bespreche unbedingt mit deinen Anwalt die Strategie beim Gütetermin.

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              • #8
                Puuhh, du hast ja wirklich eine Herausforderung vor dir.

                Ich habe den Eindruck, dass die für dich erfolgreiche Strategie wäre, dass du deinen Job behältst und einer anderen Abteilung zugewiesen wirst. Wie es meine Vorredner bereits gesagt haben, sind Abfindungen im ÖD sehr selten und falls es doch eine gibt, eher niedrig.
                Mit einer Abfindung könntest du keinesfalls deinen Kredit weiter bezahlen.

                Berate dich mit deinem Anwalt, ob ihr wirklich eine Abfindung erreichen wollt, oder, ob du dir nicht doch vorstellen könntest, nicht doch wieder in deinen alten Job zurück zu kehren.
                Ich kann mir vorstellen, dass dein Vertrauensverhältnis zu deinem Arbeitgeber durch diese Sache massiv gestört ist und deinen Gesundheitszustand im schlimmsten fall wieder negativ beeinträchtigen könnte.

                Geh in dich, wäge ab was du möchtest und sprich auf jeden Fall mit deinem Anwalt darüber, bevor du eine vorschnelle Entscheidung triffst.

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