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Betriebliche Kündigung eines werdenden Vaters

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  • Betriebliche Kündigung eines werdenden Vaters

    Hallo allerseits !

    Am 16.01 wurde mir kurz vor Feierabend vom Personalchef unseres Unternehmens die Kündigung übermittelt. Das Kündigungsschreiben bestand aus der Überschrift "Kündigung" und dem lapidaren Satz "Hiermit kündigen wir Herrn Max Mustermann aus betrieblichen Gründen fristgerecht zum 15.02.2009". Außer einer Unterschrift vom Personalchef sowie der Firmenadresse enthielt das Blatt nichts.

    Eine Begründung für die Kündigung wurde mit trotz mehrmaliger Nachfrage vom Personalchef nicht genannt, er gab mir lediglich die Antwort, dass er "selbst den Grund nicht wisse". Er persönlich bedauere die Kündigung auch, diese Aussage scheint auch der Wahrheit zu entsprechen, da ich mit unserem Personalchef ein gutes Verhältnis hatte.

    Mehr wurde mir nicht gesagt, außer die Tatsache, das ich zudem ab sofort vom Dienst freigestellt wäre. Mir wurde noch die Möglichkeit gewährt, etwaige Wünsche zum Arbeitszeugnis zu äußern, und die Zusage auf ein "sehr gutes" Arbeitszeugnis gemacht, das mir in den nächsten Tagen zugehen solle.

    Soweit die Fakten. Bei der Firma handelt es sich um ein mittelständisches Einzelhandelsunternehmen. Ich bin gelernter Einzelhandelskaufmann und seit knapp einem Jahr im Unternehmen. Ich habe niemals ein Mitarbeitergespräch mit einem Vorgesetzten gehabt, geschweige den jemals eine Beurteilung meiner Leistung erhalten. Ich habe meine Arbeit immer korrekt und gewissenhaft gemacht, meine Kunden haben sich stets bei mir persönlich bedankt, und auch meine Kassentätigkeiten waren stets korrekt. Ebenso war ich immer pünktlich und zuverlässig, und im Krankheitsfall konnte ich stets immer pünktlich die AU-Bescheinigung in der Zentrale vorlegen.


    Soweit die Verhältnisse meiner Anstellung. Was mein Chef noch nicht wusste, ist die Tatsache, das ich im Mai diesen Jahres Vater werde. Zudem habe ich noch 10 Tage Resturlaub aus dem letzten Jahr offen.


    Da mit Sicherheit nächste Woche die Firmentypische Stellenanzeige erscheinen wird, ist die unbegründete Kündigung aus betrieblichen Gründen natürlich eine Farce.


    Gravierend sind die allgemeinen Umstände des Unternehmens.


    • Ich hatte keinen Arbeitsvertrag, es existiert lediglich ein Formblatt mit Gehalt, Urlaubsanspruch, und Kündigungsfrist, davon bekam ich allerdings keine Kopie, mit dem Hinweis, dies sei in diesem Unternehmen nicht nötig.
    • Nach Ablauf der Probezeit kam keine Rückmeldung vom Chef.
    • Ich war auf 40 Stunden angestellt, arbeitete im Monat aber gute 205-210 Stunden. Überstunden wurden ausbezahlt.
    • Auf den Lohnabrechnungen waren weder Stundenzahl noch Urlaubs- oder Krankheitstage vermerkt, zur Art und Weise der Stundenberechnung konnte mir von Seiten des Unternehmens keine konkreten Angaben gemacht werden.



    Noch spezieller sind folgende Tatsachen


    • Der Unternehmensleiter ist ein absoluter Choleriker, der nicht in der Lage ist. Mit Mitarbeitern vernünftige Gespräche zu führen, und stets auf seiner Meinung beharrt.
    • Die Fluktuationsquote ist übermäßig hoch, es herrscht ein kommen und gehen.
    • Teilweise werden im Unternehmen unverkäufliche Muster und B-Ware zum vollen Marktpreis verkauft, das ganze ohne Hinweis an den Kunden. Ich musste des öfteren Kennzeichnungsaufkleber von Messeware (Ausstellungstücke, mit dem Aufdruck „Sample“) von der Ware entfernen.
    • Den Mitarbeitern werden Personalrabatte gewährt, diese haben aber schon längst den Maximalbetrag von 1224 €/Jahr überschritten. Durchschnittlich werden zwischen 30% und 40% an Personalrabatt gewährt. Auch dies ist in der Lohnrechnung nicht enthalten.
    • In den Filialen werden anstatt eines Radioprogrammes gebrannte Cds abgespielt – mit Sicherheit ohne entsprechende Gemma-Genehmigung...
    • Allgemein ist die Firma bzw. der Chef als Ausbeuter und Charakterschwein bekannt – in der ganzen Umgebung. Dementsprechend ist auch das Arbeitsrecht allgemein in dieser Firma nicht gültig...



    Zurück werde ich auf keinen Fall gehen. Ich führe schon entsprechende Bewerbungsmaßnahmen durch. Sobald mir das Arbeitszeugnis zugegangen ist, werde ich aber definitiv rechtliche Schritte einleiten.


    Nun meine Frage :


    Die Kündigung müsste anfechtbar sein. Ich werde auf jeden Fall auf eine Abfindung klagen. Was steht mir genau zu, bzw. Was kann ich erwarten ? Und inwieweit bzw. wo kann ich das Unternehmen bezüglich der zahlreichen Rechtsverstöße anzeigen ?

    Ich kenne mich mittlerweile recht gut in den Gesetzen aus, da ich nebenbei noch ein Studium im Bereich Wirtschaft absolviere, und deswegen auch im Bereich Personalwesen geschult werde. Allerdings möchte ich in diesem Fall eine Hieb- und Stichfeste Anklage gegen das Unternehmen haben, da sich bisher noch keiner gegen diese Bande zur Wehr gesetzt hat.


    Für Fragen stehe ich gerne zur Verfügung. Für eure Hilfe bin ich sehr dankbar !


    Mit freundlichen Grüßen, Mjoelnir

  • #2
    AW: Betriebliche Kündigung eines werdenden Vaters

    Hallo, Dominik

    entspechen denn die angeführten "betriebsbedingten Gründe" denn Tatsachen?
    Gibt es einen Betriebsrat?
    Ein Recht auf Abfindung gibt es nicht, es sei denn der AG kündigt dich nach § 1a KschG, dementsprechend verzichtest du dann auf eine kündigungsschutzklage.

    Gruß FS
    In einem guten Wort ist Wärme für drei Winter!

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    • #3
      AW: Betriebliche Kündigung eines werdenden Vaters

      Zitat von Fussballsend Beitrag anzeigen
      Hallo, Dominik

      entspechen denn die angeführten "betriebsbedingten Gründe" denn Tatsachen?
      Gibt es einen Betriebsrat?
      Ein Recht auf Abfindung gibt es nicht, es sei denn der AG kündigt dich nach § 1a KschG, dementsprechend verzichtest du dann auf eine kündigungsschutzklage.

      Gruß FS
      Nun, es wurde ja nicht einmal ein Grund genannt. Lediglich die Formulierung "aus betrieblichen Gründen" wurde verwendet. Und das hat ja bekantermaßen nichts mit dem Arbeitnehmer zu tun, sondern mit der Situation der Firma.
      Und dem Unternehmen geht es prächtig, die machen dieses Jahr sogar eine neue Filiale auf. Handelsspannen von bis zu 200% machen es einer Firma echt schwer rote Zahlen zu schreiben...

      Sonst stand absolut nichts in dem Schreiben, auch kein Hinweis auf einen Abfindungsanspruch.

      Einen Betriebsrat gibt es nicht, wehe dem, der einen fordern würde. Der dürfte ebenso seine Koffer packen.

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      • #4
        AW: Betriebliche Kündigung eines werdenden Vaters

        dann innerhalb von 3 Wochen nach Zugang der Kündigung Kündigungsschutzklage einreichen!

        Gruß FS
        In einem guten Wort ist Wärme für drei Winter!

        Kommentar


        • #5
          AW: Betriebliche Kündigung eines werdenden Vaters

          Zitat von Fussballsend Beitrag anzeigen
          dann innerhalb von 3 Wochen nach Zugang der Kündigung Kündigungsschutzklage einreichen!

          Gruß FS
          Ok, und wie sieht das mit der Vergütung während meiner Freistellung aus, bzw. wie muss der Resturlaub abgegolten werden ? Mir wurde wörtlich gesagt "Ich muss ihnen leider die Kündigung aussprechen, und wir stellen sie ab sofort von der Arbeit frei."

          Mir ist eben wichtig, das ich schnellstmöglich mein Arbeitszeugnis bekomme, da ich im Falle einer Klage mit einer Verschlechterung meiner Beurteilung rechne, auch wenn dies ungerechtfertigt ist. Sobald ich das Zeugnis habe, bin ich wenigstens in meiner beruflichen Zukunft abgesichert, da ich schon von einer guten beurteilung ausgehe.

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          • #6
            AW: Betriebliche Kündigung eines werdenden Vaters

            Die Freistellung würde ich mir aber schriftlich bestätigen lassen.
            Bei einer unwiderruflichen Freistellung kann dein Urlaub auf die Zeit angerechnet werden, bei einer widerruflichen nicht. Der wäre dann auszuzahlen wenn er nicht gewährt wird.

            MfG
            Matthias
            Zuletzt geändert von matthias; 18.01.2009, 13:36.

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            • #7
              AW: Betriebliche Kündigung eines werdenden Vaters

              Zitat von Mjoelnir85 Beitrag anzeigen
              Ich kenne mich mittlerweile recht gut in den Gesetzen aus, da ich nebenbei noch ein Studium im Bereich Wirtschaft absolviere, und deswegen auch im Bereich Personalwesen geschult werde.
              Dann mal ein Hinweis allgemeiner Art zum Umgang mit Gesetzen, hilft vielleicht auch beim Examen.

              Ganz weit vorne steht in Gesetzen sehr oft, für welche Personen oder Angelegenheiten diese gelten. So lautet z.B. § 1 MutterschutzG:

              Dieses Gesetz gilt

              1. für Frauen, die in einem Arbeitsverhältnis stehen,
              2. für weibliche in Heimarbeit Beschäftigte und ihnen Gleichgestellte (§ 1 Abs. 1 und 2 des Heimarbeitsgesetzes vom 14. März 1951 BGBl. I S. 191), soweit sie am Stück mitarbeiten.
              Ein werdender Vater kann eigentlich unter keine der beiden Varianten fallen, also ist § 9 MuSchG auf ihn nicht anwendbar. Meines Wissens war auch noch keine Verfassungsbeschwerde von Männern gegen den Ausschluß aus dem MuSchG erfolgreich.

              Ob aus anderen Gründen die Kündigung angreifbar ist, wird sich zeigen. Unterhaltsverpflichtungen erscheinen mir eher fraglich. Lediglich das Erbrecht, nicht aber der Unterhaltsanspruch des Kindes gegenüber dem Vater kann schon vor der Geburt relevant sein. Ob irgendein Arbeitsgericht auch schon mal (seit der Neufassung des KSchG) in Zukunft zu erwartende Unterhaltspflichten in die Sozialauswahl einbezogen hat, müßte man nachschauen. Es wäre schon deshalb schwierig, weil die Vaterschaft eigentlich erst nach der Geburt festgestellt wird, z.B. durch Eintrag in die Geburtsurkunde.

              E.D.

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              • #8
                AW: Betriebliche Kündigung eines werdenden Vaters

                Gegen die Kündigung kannst du nur innerhalb von 3 Wochen klagen, also kümmere dich jetzt weniger um deine Rachegefühle gegenüber dem Chef, sondern sorge dafür, das du möglichst vor Ablauf der 3-Wochen-Frist dein gutes Zeugnis in die Finger bekommst.

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                • #9
                  AW: Betriebliche Kündigung eines werdenden Vaters

                  Hallo,
                  wenn Ihr mehr als 10 Mitarbeiter im Betrieb seit, kannst du innerhalb von drei Wochen nach erhalt der Kündigung Kündigungsschutzklage einreichen, hier gibt es eine dann ersteinmal eine Güteverhandlung, bei der sich über die Abfindung unterhalten wird.
                  Was du aber auf jeden Fall tun müßtes, ist dich beim sofort (!!!) Arbeitsamt melden, sonst könnten (werden) dir die Leistungen gekürtzt.
                  Zu den anderen Dingen, Rache ist ein schlechter Berater.

                  Gruß Thomas

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