Wie kann man den Lebenslauf optimieren, ohne dabei in rechtliche Grauzonen abzudriften?

Autor: Sven Schäfer*

Wer sich um einen neuen Job bemüht – ob nun als frischer Berufseinsteiger oder als wechselwilliger Angestellter –, steht vor allem in Bezug auf die Bewerbung von Anfang an unter großem Druck. Denn schließlich sind es genau diese Unterlagen, die über Erfolg oder Misserfolg entscheiden. Daher verwundert es auch nur wenig, dass überraschend viele Bewerber ziemlich kreativ werden können, wenn es beispielsweise um Lücken in der Vita oder die bisherigen Arbeitgeber geht. Was die meisten Bewerber allerdings nicht wissen: Wer seinen Lebenslauf aufpoliert, um besser dazustehen, riskiert nicht nur eine Absage, sondern im schlimmsten Fall sogar eine fristlose Kündigung oder sonstige rechtliche Konsequenzen – sofern dieser Betrug später ans Licht kommt. Doch was ist eigentlich erlaubt? Und auf welche Aussagen sollte man definitiv lieber verzichten?

In der heutigen Arbeitswelt zählt bekanntlich vor allem eines: der erste Eindruck. Daher denken viele Bewerber, dass es sicherlich nicht schaden kann, wenn man sich dem Personalchef von seiner besten Seite präsentiert. So werden zum Beispiel unschöne Lücken im Lebenslauf geschickt kaschiert, Kündigungen verschwiegen und fehlende Fähigkeiten schlicht und einfach verheimlicht. Dadurch sieht die Bewerbung zwar auf den ersten Blick nahezu perfekt aus, doch es stellt sich die Frage, inwieweit derartige Optimierungen überhaupt erlaubt sind.

Wo liegt die Grenze zwischen Optimierung und Betrug?

Wer seinen Lebenslauf interessant und überzeugend gestalten möchte, sollte wissen, dass auch bei Bewerbungen die sogenannte Wahrheitspflicht besteht. Das bedeutet, dass bewusst gemachte Falschangaben als betrügerische Absicht gelten und nicht nur berufliche, sondern auch rechtliche Konsequenzen nach sich ziehen können. Hier gilt es allerdings, zwischen den verschiedenen Inhalten des Lebenslaufes zu unterscheiden. Wer beispielsweise bei den persönlichen Interessen oder den eigenen Hobbys Falschangaben macht, befindet sich zwar in einer moralischen Grauzone, macht sich jedoch nicht strafbar. Anders sieht es hingegen bei Unwahrheiten in Bezug auf die beruflichen Qualifikationen, Arbeitszeugnisse und Abschlüsse aus.

Denn wer hier lügt, kann sich in besonders schweren Fällen wegen bewusster Urkundenfälschung und Betrug rechtlich angreifbar machen – mal ganz davon abgesehen, dass dieser Umstand nicht gerade zuträglich für die eigene berufliche Zukunft sein dürfte. Falls die geschönte Bewerbung wider Erwarten zum Erfolg führen sollte, ist man allerdings noch lange nicht aus dem Schneider. Denn selbst wenn die Lügen erst einige Zeit nach der Einstellung ans Licht kommen, kann der Arbeitgeber dem Delinquenten auch nachträglich jederzeit fristlos kündigen. Darüber hinaus drohen strafrechtliche Konsequenzen, beispielsweise in Bezug auf Urkundenfälschung, Betrug oder Missbrauch.

So kann der Lebenslauf auch ohne Lug und Betrug perfekt werden

Wer bei seinen Bewerbungsunterlagen nicht auf Unwahrheiten zurückgreifen möchte, sollte die folgenden Punkte auf jeden Fall beachten. Das gilt natürlich auch in Bezug auf das spätere Vorstellungsgespräch, denn wie die Experten des Online-Magazins Unicum herausgefunden haben, gibt es auch hier gleich mehrere potenzielle Fallstricke. Vorab sei gesagt, dass man seine Vita natürlich ein wenig aufpolieren kann, um das Interesse des Personalleiters zu wecken. Allerdings sollte man sich bewusst sein, dass der Recruiter jederzeit auf eine dieser Angaben zurückkommen könnte, um mehr darüber zu erfahren. Wer eventuelle zeitliche Lücken also beispielsweise mit einer Weiterbildung oder einer Sprachreise füllt, muss im Fall der Fälle auch Beweise dafür liefern können.

Zeitdruck vermeiden: Wenn der Lebenslauf schnell und unter Stress geschrieben werden muss, können sich nicht nur unschöne Struktur- oder Rechtschreibfehler einschleichen. Es besteht auch eine recht hohe Chance darauf, dass einige Angaben unbewusst verfälscht werden, zum Beispiel in Bezug auf die zeitliche Abfolge der bisherigen Arbeitgeber. Man sollte sich also immer genug Zeit nehmen, um die Bewerbungsunterlagen in Ruhe zu erstellen. Im Optimalfall lässt man vor dem Abschicken der Dokumente noch einen Freund oder Bekannten Korrektur lesen, um mögliche Fehler zu erkennen und in der Folge auszubügeln.

Lücken und (zeitliche) Ungereimtheiten: Hier lassen sich die meisten Bewerber dazu hinreißen, auf Lügen und Unwahrheiten zurückzugreifen. Ein Beispiel: Wenn man von seinem letzten Arbeitgeber gekündigt wurde, sollte man das auch so in der Vita aufführen und die Kündigung nicht einfach verheimlichen. Zudem sollte auch bei dem Kündigungsgrund mit offenen Karten gespielt werden, da einige Personalchefs nicht davor zurückschrecken, Informationen bei dem früheren Arbeitgeber einzuholen. Auch eventuelle zeitliche Lücken sollten nicht mit Falschangaben kaschiert werden. Stattdessen kann der Bewerber hier beispielsweise eine „Phase der Berufs- oder Neuorientierung“ angeben.

Optimierte Wortwahl und Umschreibungen: Wer bei seinem Lebenslauf auf Ungereimtheiten stößt beziehungsweise unschöne Begriffe, wie zum Beispiel „arbeitslos“, verhindern möchte, kann in gewissem Maße kreativ werden. Neben der bereits erwähnten Phase der Berufsorientierung könnten Lücken unter anderem auch mit privaten Fortbildungen oder Auslandsaufenthalten zur Optimierung der eigenen Sprachkenntnisse gefüllt werden. Und auch was die Hobbys und sonstige Interessen angeht, darf man diese ein wenig optimieren, damit sie besser zu dem Anforderungsprofil der ausgeschriebenen Stelle passen. Aber auch hier gilt: Nicht übertreiben! Wer zu dick aufträgt, riskiert unter Umständen nicht nur seinen neuen Traumjob, sondern auch die eigene Glaubwürdigkeit.

*Informationen zum Autor:
Sven Schäfer arbeitet bereits seit über zehn Jahren als selbstständiger Journalist und Autor für diverse Online-Portale, (Tages-)Zeitungen und Magazine. Seit nunmehr einem Jahr schreibt er unter anderem auch für Lebenslauf.de. Dort zeichnet er sich vor allem durch sein Expertenwissen in Bezug auf optimierte Bewerbungsabläufe und die strukturellen Inhalte von Lebensläufen und Anschreiben aus.

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