Elternzeit: Dauer, Anspruch und was es außerdem zu beachten gilt

Autor: Fabian Konrad*

Abbildung 1: Gerade in den ersten Monaten ist es sehr wichtig, dass ein Neugeborenes seine Bezugspersonen richtig kennenlernen kann. beachten?
Abbildung 1: Gerade in den ersten Monaten ist es sehr wichtig, dass ein Neugeborenes seine Bezugspersonen richtig kennenlernen kann.
beachten?

Ein Säugling verändert das gewohnte Leben in einem Haushalt, viel Zeit ist vonnöten, um dem neuen Erdenbürger gerecht zu werden. Die ehemalige Familiensituation gibt es nicht mehr, sowohl Eltern als auch bereits vorhandene Kinder müssen sich umstellen. Hierbei ist die Elternzeit eine wichtige Hilfe, die Mütter und/oder Väter über einen bestimmten Zeitraum von den beruflichen Verpflichtungen befreit. Die gesetzlichen Bestimmungen sind im Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetz (BEEG) geregelt.

Wer hat Anspruch auf die Elternzeit?

Die Elternzeit kann – entgegen der weit verbreiteten Meinung – nicht nur von Frauen und auch nicht ausschließlich von leiblichen Müttern und Vätern beansprucht werden. Ein Recht auf die Wahrnehmung haben

• leibliche Mütter,
• leibliche Väter,
• Verwandte bis zum dritten Grad,
• Adoptiveltern sowie
• Pflegeeltern.

Die Anzahl der Beziehenden von Elterngeld lag im Jahr 2018 in Deutschland bei 1.829.032 Menschen. Es steht ausnahmslos allen Eltern zu, die innerhalb unserer Grenzen ihren gewöhnlichen Aufenthalt oder ihren Wohnsitz haben.

Elternzeitansprüche im Grundsatz

  1. Der Anspruch auf Elternzeit besteht bis zum vollendeten 3. Lebensjahr des Kindes.
  2. Gleich, ob Vater oder Mutter die Elternzeit nutzen, insgesamt können bis zu 36 Monate beansprucht werden.
  3. Auf die Elternzeit wird der Mutterschutz angerechnet, der in Deutschland acht Wochen beträgt.
  4. Es gibt die Möglichkeit, einen Teil der Elternzeit auch nach dem 3. Lebensjahr des Nachwuchses zu beanspruchen (bis zum achten Geburtstag) und so insgesamt auf 36 Monate zu kommen. Grundvoraussetzung ist, dass bis zum 3. Lebensjahr des Kindes mindestens zwölf Monate genommen wurden.
  5. Man kann die Elternzeit in bis zu drei Abschnitte aufteilen.
Abbildung 2: Ein ordentlicher Antrag sollte in jedem Fall schriftlich erfolgen.
Abbildung 2: Ein ordentlicher Antrag sollte in jedem Fall schriftlich erfolgen.

Wie wird die Elternzeit beantragt?

Derjenige, der die Elternzeit in Anspruch nehmen möchte, muss einen Antrag bei seinem Arbeitgeber stellen. Dazu können Sie ein Muster von Elterngeld.de kostenlos downloaden. Die schriftliche Form ist ebenso verpflichtend wie die eigenhändige Unterschrift. Damit ist die Beantragung per Telefax, E-Mail oder mündlich ausgeschlossen. Vorsorglich sollten Antragsteller zudem die Unterlagen entweder per Einschreiben übersenden oder persönlich beim Arbeitgeber abgeben und sich den Empfang quittieren lassen. Am besten informiert man sich auch, ob es ausreicht, den Antrag in der Personalabteilung einzureichen oder ob er direkt beim Geschäftsführer abgegeben werden muss, was manchmal der Fall ist.

Verpflichtungen eines Arbeitgebers

Laut Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetz ist der Arbeitgeber in der Pflicht, die Elternzeit zu gewähren. Dies gilt für

• Auszubildende im Bereich Umschulung, Fort- und Weiterbildung sowie Berufsausbildung;
• Arbeiter, auch wenn sie zu Hause arbeiten;
• Beschäftigte und Angestellte.

Arbeitgebern ist nicht die Möglichkeit gegeben, die Elternzeit durch einen Ausschluss im Arbeitsvertrag zu umgehen.

Anspruch auf Elternzeit für Arbeitnehmer, Selbstständige, Großeltern

Der Anspruch auf Elternzeit setzt voraus, dass ein Arbeitsverhältnis besteht. Zudem steht es auch Selbstständigen frei, diese zu nehmen, auch sie erhalten Elterngeld. Eine weitere Voraussetzung ist, dass derjenige, der die Elternzeit beansprucht, im gemeinsamen Haushalt mit dem Kind lebt. Möchten Großeltern davon Gebrauch machen, muss mindestens ein Elternteil entweder minderjährig sein oder sich noch in der Ausbildung befinden. In diesem Zeitraum dürfen nicht gleichzeitig der Vater oder die Mutter darauf Anspruch erheben.

Verlängerung der Elternlaufzeit

Viele Väter und Mütter entscheiden sich zunächst nur zur Beanspruchung eines Teiles der 36-monatigen Elternzeit. Diese ist problemlos zu verlängern, dazu muss jedoch ein erneuter Antrag beim Arbeitgeber gestellt werden. Während die erstmalige Beantragung sieben Wochen vor Beginn der Elternzeit erfolgen muss, sind für einen Antrag auf Verlängerung 13 Wochen vorgesehen. Grundsätzlich ist die Zustimmung des Arbeitgebers nicht erforderlich. Eine Ablehnung könnte allerdings erteilt werden, wenn wichtige betriebliche Gründe vorliegen.

Wie berechnet sich das Elterngeld?

Gut zu wissen:

  1. Der Mindestsatz für das Elterngeld liegt bei 300 Euro.
  2. Der Höchstsatz beträgt 1.800 Euro.
  3. Es kommt zwölf Monate das Basisgeld zur Auszahlung. Hier stehen den Eltern insgesamt zusammen 14 Monate zu, wenn ihre Beteiligung an der Betreuung gemeinsam erfolgt. Ein Elternteil allein kann dabei zwischen zwei und zwölf Monaten für sich beanspruchen.
  4. Eltern von Kindern, die am 1. Juli 2015 und danach geboren wurden beziehungsweise werden, verfügen über die Wahl zwischen Elterngeld, Elterngeld Plus oder der Kombination aus beidem.

Das Elterngeld beträgt 65 bis 100 Prozent des Nettoverdienstes des beantragenden Elternteiles. Zur Berechnung werden vom durchschnittlichen Bruttoeinkommen, das über zwölf Monate vor der Geburt verdient wurde, die Steuern und Sozialabgaben abgezogen. Ein jährlicher Pauschalbetrag von 1.000 Euro wird für die Werbungskosten angesetzt. Übrig bleibt das Nettoeinkommen, das als Berechnungsgrundlage für das Elterngeld herangezogen wird. Dieser Betrag ist nicht identisch mit dem Nettogehalt, welches sich aus dem Gehaltsnachweis ergibt. Im Übrigen zählt ausschließlich das Einkommen, das in Deutschland versteuert wurde. Beim Elterngeld Plus lässt sich der Bezug auf 28 Monate erweitern, es wird dann allerdings monatlich nur der halbe Betrag ausgezahlt.

Informationen zur Bemessungsgrenze und den Abstufungen

Arbeitnehmer, die weniger als 1.200 Euro monatlich verdienen, erhalten 67 Prozent des Nettolohnes vom Staat ausgezahlt. Bei einem höheren Gehalt sinkt diese Zahl prozentual, mindestens sind es jedoch 65 Prozent. Mit dem Höchsteinkommen von 2.770 Euro ist die Bemessungsgrenze erreicht. In diesem Fall erhält der Anspruchnehmer den Höchstsatz von 1.800 Euro = 65 Prozent. Liegt der Verdienst noch höher, bleibt er trotzdem unberücksichtigt. Für alle Menschen, die besonders niedrige Einkünfte aufweisen, das heißt, unter 1.000 Euro monatlich, gibt es eine automatische Erhöhung. Pro 20 Euro unterhalb der Summe gibt es eine Steigerung des Elterngeldes in Höhe von einem Prozentpunkt.

Rechenbeispiele:

• Verdienst 1.000 Euro monatlich, Auszahlung: 670 Euro (67 Prozent)
• Verdienst 980 Euro monatlich, Auszahlung: 666,40 Euro (68 Prozent)
• Verdienst 340 Euro monatlich, Auszahlung 340 Euro (100 Prozent)

Unser Tipp:

Es besteht die Möglichkeit, Vertretungsarbeiten oder Aushilfstätigkeiten bei dem Arbeitgeber zu übernehmen. Während der Elternzeit kann bis zu 30 Stunden die Woche gearbeitet werden. Insbesondere, wer sein Interesse und seine Anteilnahme an den Abläufen in dem Unternehmen begründen möchte, sollte sich dies überlegen. Darüber hinaus bleibt man auf dem Laufenden, was den Wiedereinstieg erleichtert

Bildquellen:
Abbildung 1: @ unsplash.com © Picsea CCO Public Domain
Abbildung 2: @ unsplash.com © Nik MacMillan CCO Public Domain

*Informationen zum Autor:
Fabian Konrad hat Personalmanagement studiert und nach seinem Studium 10 Jahre Erfahrung in verschiedenen Firmen als Human Ressource Manager gesammelt. Privat ist er vor kurzem Vater geworden und genießt zurzeit jede Minute mit dem Nachwuchs.

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