Rechtsprechung

BerufsunwürdigkeitZu viele Zähne gezogen – Approbation dauerhaft verloren

Zahnärzte, die einem Patienten ohne dessen Einwilligung 20 Zähne ziehen, müssen damit rechnen, dauerhaft ihre Approbation zu verlieren. Das OVG Sachsen-Anhalt ging in dem Verfahren auch der Frage nach, ob der Zahnheilkundige zwischenzeitlich zu einer beanstandungsfreien Lebensführung gefunden hat.

Der Fall:

Ein Zahnarzt hatte seinem Patienten 2005 ohne wirksame Einwilligung 20 Zähne gezogen. Sechs Jahre später widerrief das Landesverwaltungsamt Sachsen-Anhalt die zahnärztliche Approbation wegen Berufsunwürdigkeit. Das Amtgericht Stendal hat die Angelegenheit mit den 20 Extraktionen zwischenzeitlich strafrechtlich (vorsätzliche Körperverletzung) abgeurteilt.

Der Dentist kämpft nun gegen den Widerruf der zahnärztlichen Approbation. Da er seine Niederlage vor dem Verwaltungsgericht Magdeburg nicht einsehen mochte, wandte er sich in zweiter Instanz an das Oberverwaltungsgericht (OVG) des Landes Sachsen-Anhalt.

Die Entscheidung:

Die Richter des Berufungsgerichts haben den Widerruf der erteilten Approbation als Zahnarzt wegen Berufsunwürdigkeit rechtskräftig bestätigt.

Seit dem Vorfall seien bis zum Entzug der zahnärztlichen Approbation zwar sechs Jahre vergangen. Dies stehe der von dem Kläger erstrebten schnellen Wiedererteilung der Approbation nach § 7a des Gesetzes über die Ausübung der Zahnheilkundejedoch nicht entgegen.

Die erforderliche Wiedererlangung der Berufswürdigkeit setze über die beanstandungsfreie Lebensführung hinaus regelmäßig einen – vorliegend nicht feststellbaren – längeren inneren Reifeprozess zur Kompensation der zu Tage getretenen charakterlichen Mängel voraus.

Charakterliche Mängel nicht kompensiert

Das Gericht wies den Einwand des Zahnarztes zurück, dass der Widerruf der Approbation wegen eines einmaligen Verstoßes gegen die persönliche ärztliche Behandlungspflicht im Hinblick auf die Gefährdung seiner wirtschaftlichen Existenz unverhältnismäßig sei.

Das Verwaltungsgericht habe die Berufsunwürdigkeit des Dentisten nämlich nicht nur auf die Betrachtung einzelner Vorkommnisse, sondern auch auf eine Gesamtschau gestützt und die jeweiligen Vorfälle hinsichtlich ihrer kumulativen Auswirkungen rechtlich einwandfrei gewürdigt.

Quelle:

OVG Sachsen-Anhalt, Beschluss vom 15.07.2013
Aktenzeichen: 1 L 58/13
PM des OVG Sachsen-Anhalt Nr. 007/2013 vom 18.07.2013

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