Rechtsprechung

Fristlose KündigungVerschwendung von Firmenvermögen rechtfertigt Rauswurf

Ein Heimkino und neue Betten kosteten ihn den Job: Das Landesarbeitsgericht Baden-Württemberg erklärte die fristlose Entlassung des früheren US-Chefs eines deutschen Autoherstellers für rechtens.

Der Fall:

Sein Arbeitgeber hatte den Manager 2011 nach 36 Jahren Betriebszugehörigkeit entlassen, weil er in seiner Dienstvilla in New Jersey auf Kosten des Konzerns unter anderem ein Heimkino und ein Fitnessstudio mit verspiegelten Wänden eingebaut haben soll.

Allein die Home-Entertainment-Anlage schlug mit Kosten von 90.000 US-Dollar (69.000 Euro) zu Buche. Neue Betten für die Familie schaffte der damalige US-Boss für 6100 Dollar an – und ließ sich später 9400 Dollar von seinem Arbeitgeber erstatten. Auch von einem neuen Weinkühlschrank war die Rede.

Die Entscheidung:

Das Landesarbeitsgericht (LAG) Baden-Württemberg bestätigte die für den Manager ungünstige Entscheidung des Arbeitsgerichts Stuttgart vom November 2012.

Die Anschaffungen kamen ihm letztlich teuer zu stehen – sie waren es, die die Berufungskammer als "sehr kritische Punkte" wertete. Die fristlose Kündigung sei wirksam, weil er "Leistungen in erheblichem wirtschaftlichen Wert entgegengenommen hat, auf die er – wie er wusste – keinen Anspruch hatte", erläuterte das Gericht.

Schwere Pflichtverletzungen

Der Manager hatte beteuert, einige der Einbauten gar nicht selbst in Auftrag gegeben zu haben – darunter auch der Fitnessraum. Stattdessen habe sein Fahrer, der zugleich eine Art Hausmeister gewesen sei, die entsprechenden Entscheidungen getroffen.

Das Gericht ließ das nicht gelten und bestätigte die Entscheidung der Vorinstanz. Der frühere Top-Manager muss sich nun geschlagen geben: Eine Revision ist nicht möglich.

Quelle:

LAG Baden-Württemberg, Urteil vom 11.07.2013
Aktenzeichen: 3 Sa 129/12
dpa vom 11.07.2013

© arbeitsrecht.de - (jes)

Lesetipps der Online-Redaktion:

»Jenseits des Tarifvertrags – nicht der Betriebsverfassung: Was kann der Betriebsrat für AT-Angestellte regeln?« von Marion Müller, in »Arbeitsrecht im Betrieb (AiB)« Ausgabe 5/2009, S. 292 - 295 – registrierte Nutzer lesen den Beitrag hier im Volltext.

»Die Kündigung – Rechtmäßigkeit und Reaktionsmöglichkeiten von Betroffenen und Betriebsräten« von Petra Ahlburg in »Arbeitsrecht im Betrieb (AiB)« Ausgabe 3/2013, S. 176 - 180

Artikel drucken
  • Xing

Ähnliche Artikel aus Rechtsprechung

Bei Schlägerei fristlose Kündigung auch ohne Ermittlungs-Ende

07.08.2007 | Einem Arbeitnehmer darf wegen der Beteiligung an einer Schlägerei auch dann fristlos gekündigt werden, wenn die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen noch nicht abgeschlossen sind.  [mehr]

PolizistTotenkopf-Foto auf Facebook ist kein Kündigungsgrund

19.09.2013 | Ein Polizei-Angestellter stellt das Foto eines Totenkopfes mit Polizeimütze auf seine Facebook-Seite. Aufgenommen wurde das Bild vor einer jüdischen Schule in Hamburg. Der Mann klagte vor Gericht gegen seine Kündigung - und bekam nun Recht.  [weiterlesen auf "Der Personalrat"]

DrittschadenKeine Kündigung bei Diebstahl in der Firmenkantine

26.03.2013 | Wer in seiner fremdverpachteten Firmenkantine Essen stiehlt, darf nicht ohne weiteres fristlos entlassen werden, da hierdurch nicht der Arbeitgeber direkt geschädigt wurde.  [mehr]

Dem Chef auf den Schlips getreten

01.04.2011 | Wer die Freundin des Chefs anhand von Fotos zu alt schätzt, muss mit einer fristlosen Kündigung rechnen. Ob dies tatsächlich als Grund ausreicht, konnte das ArbG Mannheim nicht mehr klären, da der Prozess nun durch Vergleich beendet wurde.  [mehr]

Scharia oder Grundgesetz?

05.10.2011 | Das Verwaltungsgericht Minden hat die Entlassung eines Zeitsoldaten aus der Bundeswehr bestätigt und dessen Klage abgewiesen. Er hatte die Scharia dem Grundgesetz vorgezogen.  [mehr]