Rechtsprechung

SteuerrechtFortbildung in einer Pseudowissenschaft nicht steuerlich absetzbar

Ein Bankbetriebswirt kann eine Fortbildung in »Psycho- und Pathophysiognomik« (Methode, von Körperbau, Schädelform und Gesichtszügen auf die seelischen Eigenschaften einer Person zu schließen), nicht als Werbungskosten geltend machen, entschied das Finanzgericht (FG) Rheinland-Pfalz.

Der Fall:

Der verheiratete und bei einer Bank beschäftigte Kläger machte in seiner Einkommensteuererklärung für 2009 Kosten für die Fortbildung in „Psycho- und Pathophysiognomik“ in Höhe von rund 1.800 € (Seminargebühren, Übernachtungskosten, Fahrtkosten usw.) als Werbungskosten geltend.

Zur Begründung führte er aus, er sei seit sechs Jahren für die Auswahl der Auszubildenden verantwortlich. Auf Veranlassung seines Arbeitgebers habe er bereits eine Ausbildung zum diplomierten systemischen Coach absolviert. Da ihm diese Kenntnisse überaus hilfreich gewesen seien, habe er sein psycho- und pathophysiognomisches Wissen später weiter vertieft. Auch diese Kosten habe sein Arbeitgeber teilweise übernommen. Der Besuch der Fortbildungskurse im Streitjahr 2009 sei daher ebenfalls beruflich veranlasst und die entsprechenden Kosten abzugsfähig.

Das beklagte Finanzamt vertrat die Auffassung, dass es sich bei der Psycho- und Pathophysiognomik um eine Pseudowissenschaft handle und dass die geltend gemachten Aufwendungen überwiegend privat veranlasst seien.

Die Entscheidung:

Die dagegen erhobene Klage wies das FG Rheinland-Pfalz als unbegründet ab. Das Gericht hielt die Auffassung des beklagten Finanzamtes für zutreffend, dass es sich bei den geltend gemachten Kosten um gemischte Aufwendungen handle, bei denen die private Veranlassung die berufliche Veranlassung deutlich überwiege.

An der Grenzlinie zwischen Berufs- und Privatsphäre – so das Gericht - bestehe für den Steuerpflichtige ein Anreiz, Privataufwendungen als beruflich veranlasst darzustellen, um so den Abzug dieser Aufwendungen zu erreichen. Eine (überwiegende) berufliche Bedeutung der Seminare, die auch von der Ehefrau des Klägers besucht worden seien, habe der Kläger nicht nachweisen können.

Er habe die Veranstaltungen mit dem Titel »Selbstverwirklichungswille« und »Einfühlsames Erfragen der Anlagen, um Gesundheit und Krankheit zu erkunden¿ vor allem aus privaten Gründen besucht.

Die Revision wurde nicht zugelassen, das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Quelle:

FG Rheinland-Pfalz, Urteil vom 03.06.2013
Aktenzeichen: 5 K 1261/12
FG Rheinland-Pfalz, Pressemitteilung vom 21.06.2013

© arbeitsrecht.de - (ck)

Artikel drucken
  • Xing

Ähnliche Artikel aus Rechtsprechung

Arbeitszimmer trotz privater Mitbenutzung absetzbar

05.07.2011 | Die Kosten für ein häusliches Arbeitszimmer können auch bei erheblicher Privatnutzung im Verhältnis zum Nutzungsanteil steuerlich abgezogen werden. Dies hat das Finanzgericht Köln entschieden.  [mehr]

Arbeitszimmer oder Betriebsstätte?

04.07.2011 | Das Finanzgericht Düsseldorf hat sich mit den Kriterien für die steuerliche Absetzbarkeit von Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer befasst. Bildet es den Mittelpunkt der gesamten beruflichen Tätigkeit, können Aufwendungen dafür unbeschränkt steuerlich in Abzug gebracht werden.  [mehr]

Ermittlung der Fahrtkosten bei befristeter Fortbildungsmaßnahme

12.06.2008 | Führt ein vollbeschäftigter Arbeitnehmer eine längerfristige, jedoch vorübergehende berufliche Bildungsmaßnahme durch, so wird der Veranstaltungsort nicht zu einer weiteren regelmäßigen Arbeitsstätte. Die Fahrtkosten zu der Bildungseinrichtung sind deshalb nicht mit der Entfernungspauschale, sondern in tatsächlicher Höhe als Werbungskosten zu berücksichtigen.  [mehr]

Kursgebühren bei Sprachreisen nur anteilig absetzbar

19.05.2011 | Der Bundesfinanzhof hat entschieden, dass die Kosten für einen Sprachkurs im Ausland in der Regel nur anteilig als Werbungskosten von der Steuer abgezogen werden können. Der Anteil des Sprachunterrichts an der Dauer des Auslandsaufenthalts ist dabei unbeachtlich.  [mehr]

Steuerklassenänderung kann zu höherem Elterngeld führen

08.08.2008 | Wenn die Eltern eines nach dem 1. Januar 2007 geborenen Kindes vor dessen Geburt die Lohnsteuerklassen geändert haben und die Elterngeld beanspruchende Mutter deswegen ein höheres Nettoeinkommen bezieht als vor dem Steuerklassenwechsel, ist die Elterngeldhöhe auch nach diesem zeitweise höheren Nettoeinkommen zu bestimmen.  [mehr]

Ähnliche Artikel aus den anderen Rubriken:

Gesetzgebung

Arbeitszimmer steuerlich wieder absetzbar

29.10.2010 | Der Finanzausschuss hat am Mittwoch dem von der Bundesregierung eingebrachten Entwurf eines Jahressteuergesetzes mit der Mehrheit der Koalitionsfraktionen zugestimmt. Die Oppositionsfraktionen von SPD, Die Linke und Bündnis 90/Die Grünen lehnten den Entwurf ab.  [mehr]

Bundesrat besiegelt das Ende von ELENA

07.11.2011 | Der Bundesrat hat dem Gesetz zugestimmt, das die Regelungen zum elektronischen Entgeltnachweis aufhebt. Damit ist ELENA entgültig vom Tisch.  [mehr]

Arbeitshilfen

Rechtslexikon: Sachbezüge

29.01.2010 | Arbeitslohn i.S.d. Einkommensteuergesetz (EStG) sind Geld und Sachbezüge (§ 8 Abs. 1 EStG), die im Rahmen der Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit (§ 19 EStG) zufließen.  [mehr]

Arbeit & Politik

ELENAS kleine Schwester

02.11.2011 | Sie sollte die Steuererklärung erleichtern, sorgt momentan aber für Chaos - die elektronische Lohnsteuerkarte. Das Bundesfinanzministerium hat den Starttermin jetzt verschoben.  [mehr]

Kritik an Steuersenkungen

08.11.2011 | Der Deutsche Gewerkschaftsbund lehnt die von der Koalition am Wochenende beschlossenen Steuersenkungen ab. Die Maßnahmen werden nicht zu spürbaren Entlastungen bei unteren und mittleren Einkommen führen, lautet die Prognose. Auch die Opposition ist skeptisch.  [mehr]

Aktuelle Änderungen zur Ich-AG (25/2004)

01.12.2004 | Voraussetzung zur Förderung einer Ich-AG ist künftig die Vorlage eines Geschäftsplans. Die Bundesregierung reagierte damit auf vielfache Kritik, das viele Ich-AGs wegen ihrer zweifelhaften Geschäftsideen nicht als Existenzgrundlage taugen.  [mehr]

Einführung einer Entfernungspauschale zum 01.01.2001 (02/2001)

31.01.2001 | Der Bundesminister für Finanzen hat mitgeteilt, dass die Kilometersätze rückwirkend zum 01.01.2001 angehoben werden. Am meisten profitieren hiervon diejenigen Pendler, die öffentliche Verkehrsmittel oder Fahrräder benutzen.  [mehr]