Rechtsprechung

Allgemeines GleichstellungsgesetzArbeitgeber darf Stellenbewerber für "dynamisches Team" suchen

Die Angabe in einer Stellenanzeige, es werde in einem "dynamischen Team" gearbeitet, stellt ohne weitere Zusätze wie Altersangabe oder "jung" keinen Hinweis auf eine Altersdiskriminierung dar. Allerdings kann die Nichtbeantwortung einer Stellenbewerbung in Verbindung mit anderen Indizien eine Indiztatsache für eine Diskriminierung i. S. des § 1 AGG sein.

Der Fall:
Die 1961 in Russland geborene Klägerin hat dort eine Qualifikation als Systemtechnik-Ingenieurin erlangt.

Sie bewarb sich auf drei zeitlich aufeinander folgende Ausschreibungen der Beklagten als Softwareprogrammiererin. In der Stellenausschreibung wurden ausgezeichnete Deutsch- und Englischkenntnisse in Wort und Schrift verlangt. Des Weiteren wurden die Formulierungen "dynamisches Team", "hohe Belastbarkeit in einem sehr dynamischen Umfeld" und "arbeiten in einem hoch motivierten und dynamischen Team von Softwareentwicklern" verwandt.

Die Bewerberin erhielt lediglich auf die erste Bewerbung eine Rückmeldung in Form einer Absage. Sie macht nun eine Diskriminierung wegen der ethnischen Herkunft, des Geschlechts und des Alters geltend. Auch meint sie, dass die Nichtbeantwortung der Bewerbungen einer Absage gleichkomme und ein Indiz für Diskriminierung sei.

Die Entscheidung:
Das LAG Schleswig-Holstein hat der Frau keinen Entschädigungsanspruch zuerkannt.

Die Richter konnten der Ausschreibung keine Diskriminierung wegen der ethnischen Herkunft entnehmen. Zwar kann im Einzelfall die Anforderung "sehr gutes Deutsch" eine Indiztatsache für eine mittelbare Diskriminierung darstellen. Das von der Beklagten vorgetragene Ziel, eine gute Kommunikation mit Kunden und Kollegen zu gewährleisten, ist jedoch sachlich gerechtfertigt.

Auch eine Diskriminierung wegen des Alters scheidet aus. Soweit sich die Klägerin sich auf die mehrfache Verwendung des Begriffes  "dynamisch“ beruft, ist darauf hinzuweisen, dass diese Formulierung nicht erkennen lässt, dass sich die Ausschreibung lediglich an jüngere Bewerberinnen und Bewerber richtet. Nach dem Verständnis der Kammer ist der Begriff "dynamisch" nicht altersbezogen zu verstehen. Vielmehr besagt er, dass die Bewerberin oder der Bewerber beweglich und aktiv sein soll. Ein Altersbezug ergibt sich hieraus nicht.

Ebenso scheidet eine Diskriminierung wegen des Geschlechts aus. Aus der Tatsache, dass im weiteren Ausschreibungstext dem Begriff "Softwareentwickler" nicht noch einmal der Hinweis auf beide Geschlechter hinzugefügt ist, kann nicht gefolgert werden, dass tatsächlich lediglich Männer gesucht werden. Vielmehr ist bereits in der Überschrift der Stellenanzeige deutlich gemacht, dass sowohl männliche als auch weibliche Softwareentwickler gesucht werden. Unter diesem Obersatz steht die gesamte Anzeige, ohne dass dies jedes Mal wiederholt werden muss.

Zwar kann die Nichtbeantwortung von Stellenbewerbungen ein Indiz für eine Diskriminierung eines Bewerbers darstellen. Maßgeblich sind aber immer die Umstände des Einzelfalles, die eine nach § 1 AGG verbotene Diskriminierung vermuten lassen. Solche weiteren Gesichtspunkte sind hier aber nicht erkennbar. Insbesondere konnte das Gericht nicht feststelle, auf welche verbotene Diskriminierung das Indiz der Nichtbeantwortung hinweisen soll. Denn die Ausschreibungen selbst sind, wie bereits ausgeführt, nicht diskriminierend.

Quelle:

LAG Schleswig-Holstein, Urteil vom 13.11.2012
Aktenzeichen: 2 Sa 217/12

© arbeitsrecht.de - (ts)

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