Rechtsprechung

KündigungBedrohung des Chefs rechtfertigt Entlassung

Wer seinem Chef mit den Worten »ich hau Dir vor die Fresse« Prügel androht, hat bei einer Kündigung schlechte Karten – selbst nach 25 Jahren Betriebszugehörigkeit. Das Verfahren vor dem Landesarbeitsgericht in Düsseldorf endete mit einem Vergleich. Dieser sieht auch eine Abfindung vor.

Der Fall:

Ein seit dem Jahr 1987 im städtischen Straßenmanagement eingesetzter Arbeiter äußerte sich gegenüber seinem unmittelbaren Vorgesetzten folgendermaßen:

»Ich hau dir vor die Fresse, ich nehme es in Kauf, nach einer Schlägerei gekündigt zu werden, der kriegt von mir eine Schönheitsoperation, wenn ich dann die Kündigung kriege, ist mir das egal«. Wegen dieses Vorfalls kündigte die Stadt das Arbeitsverhältnis fristlos.

Der Arbeiter behauptet, er sei an dem Tag von seinem Vorgesetzten mit wiederkehrenden Bemerkungen wie unter anderem »hau mich doch, trau Dich, ich mach Euch alle fertig, ihr seid ja so hässliche Vögel«, provoziert worden.

War der gekündigte Arbeiter fortgesetzt provoziert worden?

Wegen eines anderen Vorfalls kündigte die Stadt dem Arbeiter drei Monate später erneut fristlos. Hintergrund dieser Kündigung sind ebenfalls Verstimmungen und Streitigkeiten zwischen ihm und seinem unmittelbaren Vorgesetzten.

Das Arbeitsgericht Mönchengladbach hat die erste fristlose Kündigung für wirksam erachtet, weil der Kläger seinen Vorgesetzten in strafrechtlich relevanter Weise bedroht habe und dieser bereits ein Jahr zuvor wegen eines ähnlichen Vorfalls abgemahnt worden sei.

Eine Provokation, welche das Verhalten des Gekündigten in milderem Licht erscheinen lassen könnte, konnte das Arbeitsgericht nicht feststellen. Auch den Einwand, der Umgangston im Straßenbaugewerbe sei allgemein rau, ließ es nicht gelten.

Die Entscheidung:

Vor dem Landesarbeitsgericht (LAG) in Düsseldorf endete das Verfahren für den Arbeiter günstiger als in der Vorinstanz.

Denn die beklagte Stadt einigte sich mit ihm auf einen Vergleich. Am Ende stimmte er seiner fristgemäßen Kündigung samt 3000 Euro Abfindung zu.

Quelle:

LAG Düsseldorf, Vergleich vom 08.05.2013
Aktenzeichen: 7 Sa 1821/12
dpa vom 08.05.2013 und PM des LAG Düsseldorf vom 03.05.2013

© arbeitsrecht.de - (jes)

Buchtipps der Online-Redaktion:

»KSchR – Kündigungsschutzrecht – Kommentar für die Praxis« von Michael Kittner, Wolfgang Däubler und Bertram Zwanziger, Bund-Verlag, 8. Auflage 2011, 2300 Seiten, gebunden, ISBN: 978-3-7663-3998-0

»Rechte des Betriebsrats bei Kündigungen – Handlungshilfe für Betriebsräte« von Werner Hinrichs, Bund-Verlag, 6. Auflage 2011, 106 Seiten, kartoniert, ISBN: 978-3-7663-6114-1

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