Rechtsprechung

Einkommensteuererklärung Büro in zweiter Wohnung ist häusliches Arbeitszimmer

Nutzt ein Selbständiger ein Zimmer in der zweiten Wohnung eines ausschließlich familiär bewohnten Zweifamilienhauses als Büro, so ist dieser Raum trotz räumlicher Trennung als Arbeitszimmer steuerlich absetzbar.

Der Fall:
Der Kläger erzielte Einkünfte aus selbständiger Arbeit als Erfinder. Für die Erstellung von Patenten benötigte er zahlreiche Unterlagen und umfangreiche Fachliteratur, sodass er ein ausschließlich beruflich genutztes Büro unterhielt. Dieses befand sich im Obergeschoss des von ihm und seiner Familie bewohnten Zweifamilienhauses. Eine direkte Verbindung zwischen den zum Büro gehörenden Räumlichkeiten im Obergeschoss und dem Wohnbereich der Kläger im Erdgeschoss bestand nicht. Der Zugang zum Obergeschoss war nur über einen separaten Treppenaufgang möglich, der über eine eigene Eingangstür verfügte.

Der Kläger machte in seiner Einkommensteuererklärung die auf die Büroräume entfallenden Aufwendungen in voller Höhe geltend. Das Finanzamt ließ dagegen nur die für ein häusliches Arbeitszimmer geltende Pauschale von 2.400 DM (bzw. 1.250 Euro) zum Abzug zu. Vor Gericht argumentierte der Kläger, das Arbeitszimmer sei nicht "häuslich" und unterfalle deshalb nicht der Abzugsbeschränkung. Das Finanzgericht folgte dem und hatte der Klage stattgegeben.

Die Entscheidung:
Der BFH hat das Urteil auf die Revision des Finanzamts aufgehoben und die Klage abgewiesen.

Nach Auffassung des BFH ist das Arbeitszimmer noch dem häuslichen Bereich zuzurechnen. Der für die Annahme der Häuslichkeit erforderliche Zusammenhang der beruflich und privat genutzten Räume entfällt erst, wenn das Arbeitszimmer über eine der Allgemeinheit zugängliche und auch von anderen Personen genutzte Verkehrsfläche zu erreichen ist.

Im vorliegenden Fall wird jedoch das gesamte Grundstück und Gebäude ausschließlich von dem Kläger und seiner Familie genutzt, so dass die baubedingte räumliche Trennung zwischen den beruflich und den privat genutzten Räumen nicht so stark ausgeprägt gewesen ist, dass der Zusammenhang zur häuslichen Sphäre hinreichend gelöst worden wäre.

Quelle:

BFH, Urteil vom 15.01.2013
Aktenzeichen: VIII R 7/10
BFH-online v. 10.04.2013

© arbeitsrecht.de - (ts)

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