Rechtsprechung

Keine AltersdiskriminierungArbeitgeber darf Mitarbeiter mit geringer Berufserfahrung suchen

Die Beschränkung einer Stellenausschreibung auf Bewerber mit geringer Berufserfahrung stellt keine Benachteiligung wegen des Alters dar. Denn Berufserfahrung wird nicht unbedingt entsprechend dem Lebensalter erworben.

Der Fall:
Die Beklagte suchte per Stellenanzeige auf ihrer Homepage eine(n) Bewerber(in) mit "null bis zwei Jahren Berufserfahrung". Der Kläger – der über eine neunjährige Berufserfahrung verfügt – bewarb sich. Nachdem seine Bewerbung nicht berücksichtigt wurde, erhob der Mann Klage. Er meint, die an Bewerber mit "null bis zwei Jahren Berufserfahrung" gerichtete Stellenausschreibung begründe die Vermutung gemäß § 22 AGG, dass er zumindest mittelbar wegen seines Alters benachteiligt worden sei.

Die Beklagte hält die Begrenzung durch ein legitimes Ziel gerechtfertigt. Sie verweist auf das festgelegte Vergütungssystem, das sich nach den Jahren der Berufserfahrung bemisst. Die Einspreisung des Klägers mit neun Jahren Berufserfahrung hätte das zur Verfügung stehende Budget für jede der zu besetzenden Stelle bei Weitem überschritten.

Die Entscheidung:
Der Kläger hat gegen die Beklagte keinen Anspruch auf Schadensersatz gemäß § 15 Abs. 1 AGG und auch keinen Anspruch auf Zahlung einer angemessenen Entschädigung gemäß § 15 Abs. 2 AGG.

Zwar ist der Kläger von der Beklagten unmittelbar benachteiligt worden. Dies ist in der Weise geschehen, dass er eine weniger günstige Behandlung erfahren hat als die letztlich eingestellten Bewerber; bereits durch die Nichteinladung zum Vorstellungsgespräch wurde ihm die Chance auf Einstellung versagt.

Diese Benachteiligung erfolgte jedoch nicht wegen seines Alters. Soweit die Beklagte in ihrer Stellenausschreibung Bewerber mit "null bis zwei Jahren Berufserfahrung" angesprochen hat, ergibt sich daraus nicht, dass sie in objektiver Hinsicht nach jüngeren Bewerbern gesucht hat. Berufserfahrungen können auch in einem höheren Lebensalter gesammelt worden sein. So zum Beispiel, wenn der Bewerber erst zu einem späteren Zeitpunkt seinen beruflichen Werdegang begonnen hat. Zu Recht hat die Beklagte in diesem Zusammenhang auch auf die Gruppe von Bewerbern hingewiesen, die sich aufgrund von Mutterschutz- und Elternzeitzeiten bei Wiederaufnahme der beruflichen Tätigkeit bereits in fortgeschrittenerem Lebensalter sind, aber über eine entsprechend geringere einschlägige Berufserfahrung verfügen.

Auch eine mittelbare Benachteiligung liegt nicht erfolgt. Zwar hat das BAG in seiner Entscheidung (v. 18.08.2009 -1 ABR 47/08) festgestellt, dass die Beschränkung einer innerbetrieblichen Stellenausschreibung auf Bewerber im ersten Berufs- oder Tätigkeitsjahr eine mittelbare Benachteiligung wegen des Alters darstellt, weil hiervon Arbeitnehmer mit einem höheren Lebensalter ausgeschlossen seien. Die vorliegend streitige Stellenausschreibung knüpft jedoch an die Berufserfahrung an, die nicht unbedingt entsprechend dem Lebensalter erworben wird.

Aber auch wenn man zugunsten des Klägers eine mittelbare Diskriminierung wegen seines Alters unterstellte, wäre diese nach Auffassung der Kammer jedenfalls sachlich gerechtfertigt.

Denn es liegt im betrieblichen Interesse der Beklagten, die bei ihr beschäftigten Mitarbeiter in ihr innerbetriebliches Vergütungsmodell "einzupreisen". Hierbei handelt es sich um ein legitimes Ziel. Eine "Einpreisung" des Klägers mit neunjähriger Berufserfahrung hat die Beklagte als vom vorgegebenen Budget nicht gedeckt bezeichnet.

Quelle:

ArbG Köln, Urteil vom 23.01.2013
Aktenzeichen: 3 Ca 3734/12
Rechtsprechungsdatenbank Nordrhein-Westfalen

© arbeitsrecht.de - (ts)

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