Rechtsprechung

KündigungsschutzAuch für Profi-Fußballtrainer kein wirksamer Verzicht auf Kündigungsschutz möglich

Das ArbG Aachen hat entschieden, dass sich ein überregional bekannter Sportverein aus Aachen nicht wirksam von seinem Cheftrainer, dessen Co-Trainern und dem Torwarttrainer getrennt hat. Das Gericht sah eine Vertragsklausel, in der die Trainer gegen Abfindung auf die Erhebung einer Kündigungsschutzklage verzichteten, als unzulässig an.

Der Fall

Cheftrainer, Co-Trainer und Torwarttrainer eines bekannten Aachener Sportvereins hatten in ihren Anstellungsverträgen Klauseln unterzeichnet, die im  Bereich  des Profifußballs  üblich sind: Danach kann  der  Arbeitgeber  das  Arbeitsverhältnis jederzeit kündigen und muss dem Arbeitnehmer lediglich drei Brutto-Monatsgehälter  als Abfindung  zahlen.  Im  Gegenzug  verzichtet  der  Arbeitnehmer auf  die  Erhebung  der  Kündigungsschutzklage.  Eine weitere Klausel in den  Anstellungsverträgen räumt dem Verein ein Sonderkündigungsrecht  ein,  wenn  dieser den
Aufstieg  in  die  2. Bundesliga  verpasst.

Die Entscheidung

Das  ArbG Aachen  sah zunächst den Verzicht auf die Kündigungsschutzklage als unwirksam an.  Dieser  entziehe  dem  Arbeitnehmer  in  unzulässiger  Weise das  gesetzlich  verbriefte  Recht,  sich  gegen  unberechtigte  Kündigungen  zur Wehr  zu  setzen.  Dieses  Recht  könne  nicht  einseitig  zugunsten  des  Arbeitgebers  verkürzt  werden,  auch  wenn  ihm  für  den  Fall  der  Kündigung  eine  Abfindung zugesagt war. Da auch kein anderer tragfähiger Kündigungsgrund vorlag,  
war die Kündigung nach Ansicht des Arbeitsgerichts unwirksam. 

Auch eine weitere Kündigung,  die der Cheftrainer und der Co-Trainer gestützt auf das Sonderkündigungsrecht bei verpaßtem Aufstieg erhielten, erklärte das ArbG für unwirksam. Auch diese Klausel verstoße gegen die zwingenden Regelungen des  Kündigungsschutzgesetzes.  Folge: Die Kündigungen sind unwirksam,  die  Arbeitsverhältnisse  bestehen  fort.  Der  beklagte  Verein  wurde verurteilt,  die  Kläger  in  ihren  jeweiligen  Trainerfunktionen  weiter  zu  beschäftigen.

Quelle:

ArbG Aachen, Urteil vom 22.02.2013
Aktenzeichen: 6 Ca 3662/12
ArbG Aachen, PM vom 22.02.2013

© arbeitsrecht.de - (ck)

Artikel drucken
  • Xing

Ähnliche Artikel aus Rechtsprechung

KündigungAlkoholkranke Berufskraftfahrer nicht ohne Weiteres kündbar

31.10.2014 | Einem Berufskraftfahrer, der unter Alkoholeinfluss einen schweren Verkehrsunfall verursacht, kann jedenfalls dann nicht verhaltensbedingt gekündigt werden, wenn er alkoholabhängig und zu einer Therapie bereit ist. Laut einem Urteil des LAG Berlin-Brandenburg gilt das auch dann, wenn in dem Betrieb ein absolutes Alkoholverbot herrscht.  [weiterlesen auf "Arbeitsrecht im Betrieb"]

KündigungKeine Entlassung wegen Kampf des Ehepartners mit dem Chef

03.12.2015 | Kündigungen können nicht auf das Verhalten der Ehegatten von Beschäftigten gestützt werden. Das bekräftigt eine Entscheidung des Arbeitsgerichts Aachen. Nach Angaben des Arbeitgebers hatte ihn der Ehemann einer Angestellten geschlagen, getreten und fast bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt.  [weiterlesen auf "Arbeitsrecht im Betrieb"]

Psychiatrische EinrichtungKeine fristlose Kündigung wegen Ohrfeige

08.10.2012 | Der Einsatz physischer Gewalt gegen eine Heimbewohnerin, die einen epileptischen Anfall erleidet, rechtfertigt nicht in jedem Fall eine außerordentliche Kündigung. Das geht aus einem aktuellen Urteil des Landesarbeitsgerichts (LAG) Schleswig-Holstein hervor.  [mehr]

KündigungArbeitnehmer dürfen nicht zwischen Schadensersatz- und Kündigungsschutzklage wählen

17.07.2013 | Wer gegen eine Kündigung nicht rechtzeitig Klage erhebt, muss deren Wirksamkeit gegen sich gelten lassen. Nach Ablauf der Klagefrist können gekündigte Beschäftigte auch keinen Schadensersatz mehr verlangen – so das LAG Rheinland-Pfalz.  [mehr]

ArbeitslosengeldIrrtum bei Arbeitsaufgabe schützt nicht vor Sperrzeit

28.12.2015 | Geht ein Arbeitnehmer irrtümlich davon aus, dass er sein Arbeitsverhältnis wegen eines wichtigen Grundes kündigt, muss er eine Sperrzeit für die Auszahlung von Arbeitslosengeld hinnehmen. Subjektive Gründe spielen bei der Beurteilung keine Rolle, so das Landessozialgericht Bayern.  [weiterlesen auf "Arbeitsrecht im Betrieb"]

Ähnliche Artikel aus den anderen Rubriken:

Arbeitshilfen

Rechtslexikon: Massenentlassung

29.01.2010 | Eine Massenentlassung unterliegt der Anzeigepflicht gemäß §§ 17ff. Kündigungsschutzgesetz (KSchG).  [mehr]

Rechtslexikon: Kündigungsfrist

29.01.2010 | Die Kündigungsfristen im Arbeitsrecht ergeben sich aus dem Gesetz, sie können aber auch im Arbeitsvertrag oder im Tarifvertrag festgelegt werden.  [mehr]

Arbeit & Politik

KündigungsschutzArbeitgeberverbänden wird Scheinargumentation vorgeworfen

23.07.2012 | Deutsche Führungskräfte sehen, anders als die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), keinen Änderungsbedarf beim Kündigungsschutzrecht. Die BDA hatte massive Einschränkungen vorgeschlagen.  [mehr]

Abschaffung der Verdachtskündigung ist nicht gelungen

17.12.2010 | Drei Oppositionsfraktionen sind am Mittwoch mit ihren parlamentarischen Initiativen für einen höheren Kündigungsschutz im Ausschuss Arbeit und Soziales gescheitert. Sie forderten einen besseren Schutz der Arbeitnehmer vor Bagatellkündigungen.  [mehr]

Stolperfalle arbeitsrechtliche Fristen (17/2010)

25.08.2010 | Sowohl Betriebsräte als auch Arbeitgeber haben ein Interesse daran, dass zeitnah Klarheit über die verschiedenen Positionen besteht. Für Betriebsräte besonders wichtig: Fristen zwischen den Betriebsparteien im alltäglichen Ablauf und im Zusammenhang mit laufenden Beschlussverfahren vor den Arbeitsgerichten.  [mehr]

Wann gilt das Kündigungsschutzgesetz? (13/2010)

30.06.2010 | Nicht jeder Arbeitnehmer hat das Glück, unter dem ausdrücklichen Schutz des Kündigungschutzgesetzes zu stehen. Wer davon profitiert und wer nicht, erfahren Sie hier.  [mehr]

Rat vom Experten

Aus den Zeitschriften

Arbeitsrecht im Betrieb: Kündigung per E-Postbrief unzulässig

29.03.2011 | Elektronische Briefe sollen laut Postdienstleister und E-Mail-Provider ebenso rechtsverbindlich sein wie normale Briefe. Der Job kann mit dem E-Postbrief allerdings nicht wirksam gekündigt werden. Die E-Mail-Signatur ersetzt die eigenhändige Unterschrift nicht.  [mehr]

Gute Arbeit: Eingliedern statt ausmustern - Betriebsräte können mitbestimmen

08.04.2010 | In letzter Instanz haben die Gerichte noch nicht entschieden. Aber der Trend ist erkennbar: Wenn es darum geht, Kranke oder Behinderte im Sinne des Sozialgesetzbuches weiter ins Arbeitsleben zu integrieren und ihnen die Kündigung zu ersparen, können Betriebs- und Personalräte mitbestimmen. Sie müssen dann nur sehr konkret werden.  [mehr]