Rechtsprechung

Fristlose KündigungRauswurf wegen Verschwendung von Firmenvermögen

Wer sich auf Kosten des Arbeitgebers ein Heimkino und ein privates Fitnessstudio anschafft, muss mit seiner fristlosen Entlassung rechnen. Dies gilt auch für Top-Manager mit Firmenvilla in den USA. Das geht aus einem Urteil des Arbeitsgerichts Stuttgart hervor.

Der Fall:

Der Manager ist seit 1975 bei Daimler beschäftigt und für das Unternehmen seit Mitte der 80er Jahre in führender Position im Ausland tätig gewesen.

Für seine Tätigkeit bei der Tochtergesellschaft des Autoherstellers in den USA stellte ihm der Arbeitgeber mietfrei eine Dienstvilla zur Verfügung.

An dieser Villa ließ er auf Firmenkosten diverse teure Umbauten vornehmen, darunter auch die Installation einer Home-Entertainment-Anlage für ca. 89.800 $ und den Einbau einer kostspieligen Waschküche und eines Fitnessstudios mit verspiegelten Wänden.

Ferner stellte er seinem Arbeitgeber unter anderem auch die Anschaffung von Betten und ein anwaltliches Beratungsgespräch in Rechnung.

2011 kündigte ihm dieser fristlos. Begründung: Der Manager habe die genannten Maßnahmen veranlasst bzw. nicht unterbunden.

Die Entscheidung:

Die fristlose Entlassung ist wirksam.

Der Manager hat seine eigenen Interessen über die des Arbeitgebers gestellt und seine Arbeitnehmerpflichten in schwerwiegender Weise verletzt.

Die Vorwürfe sind so gravierend, dass dem Arbeitgeber eine Weiterbeschäftigung nicht zugemutet werden kann.

Aufgrund der Schwere der Pflichtverletzungen und der herausgehobenen Position des Klägers ist eine Abmahnung entbehrlich gewesen.

Gegen das Urteil kann Berufung eingelegt werden.

Quelle:

ArbG Stuttgart, Urteil vom 15.11.2012
Aktenzeichen: 23 Ca 8738/11
PM des ArbG Stuttgart vom 15.11.2012

© arbeitsrecht.de - (jes)

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