Rechtsprechung

Kündigung unwirksam Arbeitnehmer beleidigte seine Kollegen bei Facebook im Affekt

Das Arbeitsgericht Duisburg hat die Kündigung eines Arbeitnehmers wegen beleidigender Äußerungen bei Facebook nur aufgrund der Besonderheiten des Einzelfalls für unwirksam erachtet. Der Mitarbeiter hatte Kollegen als "Speckrollen" und "Klugscheißer" bezeichnet, nachdem diese ihn zu Unrecht beim Chef denunziert hatten.

Der Kläger, der seit 2008 bei der Beklagten beschäftigt ist, hatte auf seiner Facebookseite Arbeitskollegen unter anderem als "Speckrollen" und "Klugscheißer" bezeichnet.

Das ArbG (ArbG) hat darauf verwiesen, dass grobe Beleidigungen des Arbeitgebers oder von Kollegen eine Kündigung auch ohne vorherige Abmahnung rechtfertigen können. Dies gilt auch für Einträge in sozialen Netzwerken wie "facebook". Ein solcher Eintrag kann nach Auffassung des ArbG nicht mit einer wörtlichen Äußerung unter Kollegen gleichgestellt werden, sondern greift nachhaltig in die Rechte der Betroffenen ein, da der Eintrag, solange er nicht gelöscht wird, immer wieder nachgelesen werden kann. Im zu entscheidenden Fall war aus Sicht des Arbeitsgerichts unerheblich, ob der Eintrag nur für die sogenannten Freunde und Freundesfreunde auf "facebook" sichtbar war, oder unter der Einstellung "öffentlich" allen "facebook"-Nutzern zugänglich war. Zwischen den Parteien war unstreitig, dass eine Vielzahl von Arbeitskollegen "facebook"-Freunde des Klägers waren und den Eintrag gelesen hatten.

Das Arbeitsgericht hielt die Kündigung ohne vorherige Abmahnung dennoch im Ergebnis für unwirksam. Der Kläger hatte den Kommentar verfasst, nachdem er erfahren hatte, dass Kollegen ihn zu Unrecht bei seinem Arbeitgeber denunziert hatten und damit aus Sicht des Arbeitsgerichts im Affekt gehandelt. Zudem sprach zugunsten des Klägers, dass er die Kollegen nicht namentlich benannte, diese daher aus dem "facebook"-Eintrag heraus nicht ohne weiteres identifizierbar waren.

Quelle:

ArbG Duisburg, Urteil vom 26.09.2012
Aktenzeichen: 5 Ca 949/12
PM des ArbG Duisburg vom 23.10.2012

© arbeitsrecht.de - (akr)

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