Rechtsprechung
DiskriminierungWegen Kopftuch nicht eingestellt – drei Monatsgehälter Schadensersatz
Ein Zahnarzt muss rund 1.500 Euro Schadensersatz an eine junge Muslima zahlen, die er nur deshalb nicht als Auszubildende einstellte, weil sie bei der Arbeit nicht auf das Tragen eines Kopftuchs verzichten wollte. So ein Urteil des Arbeitsgerichts Berlin.
Die junge Frau hatte sich im Juli 2011 um eine Lehrstelle als Zahnarzthelferin beworben. Im Rahmen des Auswahlverfahrens stellte ihr der Zahnarzt die Bedingung, dass sie bei der Arbeit auf ihr Kopftuch verzichten müsse. Dazu war die Bewerberin nicht bereit. Die Stelle blieb unbesetzt.
In der daraufhin angestrengten Klage berief sich der Zahnarzt auf die Kleiderordnung in seiner Praxis: Hose und Hemd, T-Shirt oder Bluse, alles in weiß.
Die Richter ließen sich davon nicht überzeugen. Schließlich könne ein Kopftuch mit den genannten Kleidungsstücken problemlos kombiniert werden. Auch sei ein Kopftuch nicht unhygienischer als offene Haare.
Das Arbeitsgericht sieht das seit 2006 geltende Allgemeine Gleichstellungsgesetz (AGG) verletzt. Dieses regelt unter anderem, dass private Arbeitgeber Kandidaten bei Einstellungen und Beförderungen nicht wegen ihrer Religion oder Weltanschauung benachteiligen dürfen.
Das Tragen des Kopftuchs sei hier aber ein Akt der Religionsausübung und der einzige Grund, weshalb die Bewerberin nicht eingestellt wurde.
Die Richter verurteilten den Zahnarzt zur Zahlung von Schadensersatz in Höhe von drei (potentiellen) Monatsgehältern, insgesamt 1.470 Euro. Die Entscheidung ist rechtskräftig.
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