Rechtsprechung

Kein Rechtsweg zum ArbeitsgerichtFußballtrainer war nicht weisungsabhängig beschäftigt

Ein ausgebildeter Sportlehrer, der nebenberuflich eine Amateur-Fußballmannschaft trainiert, ist jedenfalls dann kein Arbeitnehmer, wenn er nicht persönlich alle Trainingseinheiten des Vereinsteams leiten muss. Das hat das Landesarbeitsgericht Hamm entschieden.

Der klagende Sportlehrer trainierte die erste Seniorenmannschaft eines Amateurvereins und erhielt dafür monatlich 230 € netto. Im September 2010 teilte der Verein dem Sportlehrer mit, dass sie einen anderen Trainer gefunden habe und auf seine Dienste verzichte.

Der Kläger vertrat vor dem Arbeitsgericht Herne die Auffassung, dass er weisungsabhängig tätig gewesen sei und ihm noch Restvergütungsansprüche zustünden. Das ArbG hat mit Kammerbeschluss den Rechtsweg zum ArbG für unzulässig erklärt. Nach Gesamtwürdigung aller Umstände sei der Kläger als freier Dienstnehmer anzusehen. Aufgrund der Vorgabe der Trainingszeiten und des Trainingsortes könne nicht von einer Arbeitnehmereigenschaft des Klägers ausgegangen werden.

Auch die Beschwerde des Klägers gegen diesen Beschluss blieb erfolglos. Das Landesarbeitsgericht Hamm hat seine sofortige Beschwerde zurückgewiesen.

Der Kläger habe weder einen schriftlichen Vertrag abgeschlossen, der den Musterarbeitsverträgen des Deutschen Fußballbundes entspricht noch sei er weisungsabhängig tätig gewesen. Soweit der Sportlehrer sich darauf stützt, dass er auf die Organisation und die Arbeitskräfte des Vereins angewiesen gewesen sei, so liege das in der Natur der Trainertätigkeit. Das gelte ebenfalls für die örtlichen und zeitlichen Vorgaben. Denn auch im Rahmen von Dienst- und Werkverträgen können von dem Dienstberechtigten oder Besteller Termine für die Erledigung von Arbeiten bestimmt werden, ohne das daraus eine zeitliche Weisungsabhängigkeit folgt, wie sie für das Arbeitsverhältnis typisch ist.

Außerdem konnte der Kläger keine Tatsachen vorbringen, die für seine Arbeitnehmereigenschaft sprechen. Insbesondere die Tatsache; dass er seine Dienste nicht höchstpersönlich erbringen musste, sprechen gegen das Vorliegen eines Arbeitsverhältnisses.

Quelle:

LAG Hamm, Beschluss vom 13.03.2012
Aktenzeichen: 2 Ta 680/11
Rechtsprechungsdatenbank

© arbeitsrecht.de - (akr)

Artikel drucken
  • Xing

Ähnliche Artikel aus Rechtsprechung

Freiberufler sind keine arbeitnehmerähnlichen Personen

28.02.2011 | Ein Anwalt kann grundsätzlich nicht mit den "in Heimarbeit Beschäftigten" gleichgestellt und damit arbeitnehmerähnlich behandelt werden, da die freie und unabhängige Tätigkeit einer arbeitnehmerähnlichen Schutzbedürftigkeit entgegensteht.  [mehr]

ArbeitnehmereigenschaftNicht allen steht der Rechtsweg zu den Arbeitsgerichten offen

10.01.2013 | Nur weil jemand meint, Arbeitnehmer zu sein, besteht noch kein Arbeitsverhältnis im Sinne des Arbeitsgerichtsgesetzes (ArbGG). Das geht aus einer Entscheidung des Landesarbeitsgerichts (LAG) Berlin-Brandenburg hervor.  [mehr]

Antrag auf AmtsenthebungKontakte zur rechten Szene?

13.02.2012 | Die 1. Kammer des Hessischen Landesarbeitsgericht (Hess. LAG) hat einen ehrenamtlichen Richter des Arbeitsgerichts Frankfurt am Main mit sofortiger Wirkung per Beschluss von seinem Amt entbunden.  [mehr]

Seniorchef kann als freier Mitarbeiter sozialversicherungsfrei im Familienunternehmen weiterarbeiten

22.08.2006 | Wer sein Unternehmen an die Kinder übergibt, kann sich danach als freier Mitarbeiter einstellen lassen. Er gilt dann unter bestimmten Voraussetzungen als Selbstständiger, der nicht der Sozialversicherungspflicht unterliegt.  [mehr]

Arbeitnehmerähnliche Person darf mehrere Auftraggeber haben

09.05.2011 | Eine arbeitnehmerähnliche Person verliert ihren Status nicht, weil sie für mehrere Auftraggeber täig ist. Entscheidend ist, dass einer der Auftraggeber mit seinen Vergütungszahlungen die Existenzgrundlage sichert.  [mehr]

Ähnliche Artikel aus den anderen Rubriken:

Gesetzgebung

Entschädigung bei langer Verfahrensdauer auf den Weg gebracht

04.10.2011 | Der Bundestag hat mit den Stimmen von CDU/CSU, FDP und der oppositionellen SPD ein Gesetz zum verbesserten Rechtsschutz bei überlangen Gerichtsverfahren verabschiedet. Betroffene sollen eine angemessene Entschädigung erhalten, wenn ein Prozess zu lange dauert.  [mehr]

Arbeit & Politik

Bundesarbeitsgericht legt Jahresbericht vor

26.01.2011 | Rund 2.500 Verfahren sind im Jahr 2010 beim Bundesarbeitsgericht gelandet. Eine überlange Verfahrensdauer ist trotz der Arbeitsbelastung weiterhin die Ausnahme.  [mehr]

60 Jahre BAG"Ersatzgesetzgeber" Bundesrichter

29.07.2014 | Das Bundesarbeitsgericht wird dieser Tage 60 Jahre alt. Der DGB Rechtsschutz nimmt den runden Geburtstag zum Anlass, die Verdienste des obersten deutschen Gerichts für Angelegenheiten des Arbeitsrechts herauszustellen. Natürlich darf auch ein Ausblick auf bald anstehende wichtige Entscheidungen nicht fehlen.  [weiterlesen auf "Arbeitsrecht im Betrieb"]

Scheinselbständigkeit (01/2000)

15.03.2000 | Am 20.12.1999 hat der Bundestag wie angekündigt das "Gesetz zur Förderung der Selbständigkeit" beschlossen.  [mehr]

Arbeitsgerichtsbeschleunigungsgesetz (03/2000)

05.04.2000 | Am 01.05.2000 wird das Gesetz zur Vereinfachung und Beschleunigung des arbeitsgerichtlichen Verfahrens (Arbeitsgerichtsbeschleunigungsgesetz) in Kraft treten.  [mehr]

Aus den Zeitschriften

Arbeitsrecht im Betrieb: Ferienarbeiter unterstützen

08.09.2011 | Viele Schüler und Studenten nutzen ihre Ferien, um mit einem Ferienjob Geld zu verdienen. Auch für die Kurzzeitjobber gelten arbeitsrechtliche Vorgaben, die der Arbeitgeber beachten muss.  [mehr]