Rechtsprechung

DirektionsrechtKeine Versetzung einer Erzieherin wegen der NPD-Nähe ihres Mannes

Eine Kindergärtnerin sollte auf Weisung ihrer Arbeitgeberin zu ihrem eigenen Schutz zukünftig nicht mehr als Erzieherin arbeiten. Grund dafür war die Mitgliedschaft ihres Ehemannes bei der NPD. Das Arbeitsgericht Lüneburg urteilte, die Fürsorgepflicht der Hansestadt führt nicht zu einer Ausweitung ihres Direktionsrechtes.

Die Klägerin ist seit dem 01.08.1992 bei der beklagten Hansestadt Lüneburg als Erzieherin tätig. Seit August 2010 ist sie in einer städtischen Kindertagesstätte eingesetzt. Die Klägerin wehrt sich gegen ihre Versetzung, die die Stadt ausgesprochen hatte, nachdem es zu Protesten von Eltern wegen der Mitgliedschaft des Ehemanns der Klägerin in der NPD gekommen war.

Das Arbeitsgericht Lüneburg gab der Klage auf Beschäftigung als Erzieherin statt. Die Versetzung, nach der die Klägerin mit anderen Tätigkeiten als denen einer Erzieherin betraut werden sollte, war vom Weisungsrecht des Arbeitgebers nicht gedeckt. Die arbeitsvertragliche Regelung, wonach die beklagte Stadt die Klägerin als Erzieherin eingestellt hatte, begrenzte das Weisungsrecht der Arbeitgeberin in inhaltlicher Hinsicht darauf, die Klägerin als Erzieherin zu beschäftigen.

Da der Arbeitsvertrag auch keine Versetzungsklausel vorsah, die die Beklagte dazu berechtigt hätte, die Klägerin auch mit anderen Tätigkeiten zu beschäftigen, war es der Hansestadt verwehrt, der Klägerin einen anderen Arbeitsbereich zuzuteilen. Die Stadt konnte sich auch nicht mit Erfolg darauf berufen, sie habe die Maßnahme auch zum Schutz der Klägerin selbst angeordnet. Die Fürsorgeverpflichtung der Stadt als Arbeitgeberin führte nicht zu einer Ausweitung ihres Direktionsrechts.

Quelle:

ArbG Lüneburg, Urteil vom 11.10.2012
Aktenzeichen: 4 Ca 239/12
Pm des ArbG Lüneburg vom 11.10.2012

© arbeitsrecht.de - (akr)

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