Rechtsprechung

Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte Deutschland muss entlassenen Kirchenmusiker entschädigen

40.000 Euro muss Deutschland einem ehemaligen Organisten und Kirchenchorleiter zahlen, dem 1998 wegen seines Privatlebens gekündigt worden war. Das entschied der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) nun im Anschluss an sein Urteil vom 23.09.2010, in dem er bereits die Rechtswidrigkeit der Kündigung festgestellt hatte.

Der Kirchenmusiker war 1994 nach der Trennung von seiner Frau und seinen zwei Kindern mit einer neuen Lebensgefährtin zusammengezogen. Als bekannt wurde, dass diese ein Kind erwartete, wurde der Mann von seinem Arbeitgeber, einer katholischen Kirchengemeinde, ohne vorherige Abmahnung entlassen.

Die Klagen gegen die Kündigung waren von der deutschen Arbeitsgerichtsbarkeit in allen Instanzen abgewiesen worden.

Mit Urteil vom 23.09.2010 hatte der EGMR bereits entschieden, dass die deutschen Arbeitsgerichte nicht sorgfältig genug zwischen den Rechten des Klägers und seines ehemaligen Arbeitgebers abgewogen hätten. Insbesondere das Recht auf Achtung des Privat- und Familienlebens sei nicht angemessen berücksichtigt worden.

In der aktuellen Entscheidung ging es lediglich um die genaue Höhe der von Deutschland zu zahlenden Entschädigung. Der Kläger hatte ursprünglich 644.000 Euro Entschädigung für bis zur Pensionierung nicht bezogenes Gehalt verlangt.

Tipp zum Weiterlesen:

Verletzung von Loyalitätspflichten im kirchlichen Arbeitsrecht (09/11)

Quelle:

EGMR, Urteil vom 28.06.2012
Aktenzeichen: 1620/03

© arbeitsrecht.de - (jes)

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