Rechtsprechung
MitbestimmungWer kennt wen?
Ein Namensschild ist Pflicht für Berliner Polizisten – der Personalrat hat dabei kein Mitbestimmungsrecht. Das hat das Verwaltungsgericht Berlin entschieden und die Anonymität der Einsatzkräfte unterbunden.

©fotolia/Seybert
Der Gesamtpersonalrat der Berliner Polizei hatte geltend gemacht, die vom Polizeipräsidenten in Berlin verfügte Geschäftsanweisung ZSE Nr. 2/ 2009 über das Tragen von Namensschildern verletze in der Fassung, die sie durch den Beschluss der Einigungsstelle für Personalvertretungssachen erhalten hat, Mitbestimmungsrechte der Personalvertretung nach dem Berliner Personalvertretungsgesetz. Diese Geschäftsanweisung sieht vor, dass die Beschäftigten im Polizeivollzugsdienst an der Dienstkleidung grundsätzlich sichtbar ein Schild mit dem Familiennamen zu tragen haben. Nachdem der Gesamtpersonalrat hierfür seine Zustimmung verweigert hatte, ersetzte die Einigungsstelle für Personalvertretungssachen diese Zustimmung mit der Maßgabe, dass statt des Namensschildes auch ein Schild mit einer fünfstelligen Dienstnummer getragen werden kann.
Das Gericht sah Rechte der Personalvertretung bereits deshalb nicht als verletzt an, weil die Anweisung des Polizeipräsidenten nicht gemäß den einschlägigen Bestimmungen des Berliner Personalvertretungsgesetzes mitbestimmungspflichtig sei. Das Tragen der Schilder betreffe weder die Ordnung in der Dienststelle noch das Verhalten der Dienstkräfte. Es regele nicht den Umgang der Dienstkräfte untereinander, sondern sei von seiner Zielrichtung her auf das Außenverhältnis der Beamten gerichtet, also auf die Erfüllung der Dienstaufgaben. Das Tragen der Schilder stelle schließlich auch nicht den Erlass einer Trageordnung für Dienstkleidung dar. Dies sei nur mitbestimmungspflichtig, soweit die Art und Weise der Dienstkleidung betroffen sei. Die Frage, ob Dienstkleidung - und damit auch Namenschilder - überhaupt getragen werden müsse, unterliege nicht der Mitbestimmungspflicht.
Gegen den Beschluss ist die Beschwerde bei dem Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg zulässig.
Ähnliche Artikel aus Rechtsprechung
Initiativrecht des Personalrats zur Gefährdungsbeurteilung
31.10.2011 | Der Personalrat hat kein Mitbestimmungsrecht bei der Durchführung von Gefährdungsbeurteilungen, da die Durchführung schon nicht als Maßnahme im personalvertretungsrechtlichen Sinn angesehen werden kann. [mehr]
Mitbestimmung des Personalrats bei Einstufung in Erfahrungsstufe
03.12.2010 | Die mitbestimmungsbedürftige Eingruppierung von Beschäftigten anlässlich ihrer Einstellung umfasst sowohl die Eingruppierung in eine Entgeltstufe, als auch in eine Erfahrungsstufe i. S. d. § 16 TVöD (Bund), da beides für den Kernbestandteil des tariflichen Entgelts maßgeblich ist. [mehr]
Kein Mitbestimmungsrecht bei Überleitung in TVöD-Entgeltgruppen
20.04.2006 | Der Personalrat hat bei der Überleitung der Vergütungs- und Fallgruppen kommunaler Arbeitnehmer nach dem BAT in die Entgeltsgruppen nach dem Tarifvertrag öffentlicher Dienst (TVöD) kein Mitbestimmungsrecht. [mehr]
Mitbestimmung des Personalrates bei ordentlicher Kündigung
09.02.2009 | Fehler in der Beschlussfassung des Personalrates berühren grundsätzlich nicht die Wirksamkeit einer ordentlichen Kündigung. [mehr]
BundespersonalvertretungsgesetzWegnahme eines Parkplatzes nur mit Zustimmung des Personalrats
27.04.2012 | Die Bereitstellung kostenlos nutzbarer Parkplätze durch die Dienststelle stellt die Einrichtung und Verwaltung einer Sozialeinrichtung gemäß § 75 Abs. 3 Nr. 5 BPersVG dar. Der Entzug eines solchen Parkplatzes unterliegt der vorherigen Mitbestimmung des Personalrats. [mehr]
Ähnliche Artikel aus den anderen Rubriken:
Gesetzgebung
Mehr Macht für Personalräte
26.01.2011 | Die Mitbestimmung der über 600.000 Beschäftigten des öffentlichen Dienstes in Nordrhein-Westfalen soll umfangreich ausgebaut und modernisiert werden. Die Landesregierung hat einen Gesetzesentwurf zur Änderung des Landespersonalvertretungsgesetzes (LPVG) beschlossen. [mehr]
Arbeitshilfen
Rechtslexikon: Mitbestimmung des Betriebsrats
29.01.2010 | Das Mitbestimmungsrecht stellt das stärkste Beteiligungsrecht des Betriebsrats dar. [mehr]
Arbeit & Politik
Streit um NamensschilderServicekraft oder Ordnungshüter?
18.11.2011 | Sollen Polizisten im Dienst anonym bleiben oder für jedermann identifizierbar sein? Sind sie Servicekräfte oder Ordnungshüter? Das sind die Kernfragen eines Streits, der um ein paar Quadratzentimeter Blech ausgebrochen ist. [mehr]
Immer mehr Unternehmen entziehen sich der Mitbestimmung
15.02.2011 | Kleine Gruppe, starkes Wachstum: In den vergangenen fünf Jahren ist die Zahl der in Deutschland ansässigen Unternehmen gestiegen, die hierzulande mehr als 500 Beschäftigte und eine reine oder kombinierte ausländische Rechtsform haben. Durch eine Gesetzeslücke müssen die Beschäftigten dieser Unternehmen bislang auf Mitbestimmungsrechte verzichten. [mehr]
Newsletter
Unterlassungsansprüche bei Betriebsänderungen (13/2009)
01.07.2009 | Der Betriebsrat muss nicht tatenlos zusehen, wenn das Unternehmen eine Betriebsänderung plant. Diese Rechtsansicht setzt sich auch bei den Arbeitsgerichten immer mehr durch. [mehr]
Newsletter PR Extra Archiv
01.01.1970 | [mehr]
Aus den Zeitschriften
Der Personalrat: Informationsanspruch des einzelnen Personalratsmitglieds
22.02.2011 | Auf welche Informationen haben Personalratsmitglieder Anspruch? Dürfen sie notwendige Infos bereits vorab erhalten, um sich entsprechend vorzubereiten, oder erst während der Sitzung des Personalrats? [mehr]
Computer und Arbeit: Mehr Mitbestimmung bei der elektronischen Personalakte
15.06.2011 | Die fortschreitende Digitalisierung von Beschäftigtendaten bei privaten und öffentlichen Arbeitgebern stärkt die Mitbestimmung von Belegschaftsvertretungen und schafft mehr Transparenz im Umgang mit der Personalakte. [mehr]