Rechtsprechung

Zweitwohnung wegen beruflichen Umzugs ist steuerlich absetzbar

Doppelte Mietzahlungen können als Werbungskosten abziehbar sein, wenn der Umzug beruflich veranlasst ist. Aufwendungen für Familienheimfahrten können weiterhin geltend gemacht werden. Das hat der Bundesfinanzhof entschieden.

In dem Fall vor dem Bundesfinanzhof (BFH) ging es um die Frage, ob die Mietaufwendungen für eine neue Familienwohnung, die am Beschäftigungsort von einem Ehegatten bereits genutzt wird, bis zum Nachzug der Familie unbeschränkt abzugsfähige Werbungskosten sind.

Wegen seines Arbeitsplatzwechsels hatten der Kläger und seine Ehefrau ab Dezember 2007 eine 5-Zimmer-Wohnung angemietet. Von dort ging der Kläger seiner Arbeit nach, während seine Ehefrau und das Kind des Klägers erst am 10. Februar 2008 in diese Wohnung nachzogen. Die bisherige Familienwohnung wurde aufgegeben.

In der Einkommensteuererklärung für 2008 begehrte der Kläger den Abzug des gesamten Mietaufwands für die neue Wohnung für Januar und Februar 2008 als Werbungskosten. Das damals zuständige Finanzamt erkannte den Mietaufwand jedoch – unter Hinweis auf eine doppelte Haushaltsführung – nur anteilig für 60 Quadratmeter an. Der Einspruch blieb insoweit ohne Erfolg.

Die auf vollständige Berücksichtigung dieser Mietaufwendungen gerichtete Klage wies das Finanzgericht (FG) ab. Denn der Kläger habe bis zum Nachzug der Familie einen doppelten Haushalt geführt. Folglich sei der Abzug der Mietaufwendungen auf das für eine Person Notwendige begrenzt. Das sei eine 60 Quadratmeter große Wohnung zu einem ortsüblich durchschnittlichen Mietzins. Unbeachtlich sei, dass der Kläger wegen des geplanten Familiennachzugs sofort eine größere Familienwohnung angemietet habe.

Die Revision des Klägers hatte vor dem BFH Erfolg. Zwar habe das FG zutreffend erkannt, dass die Mietaufwendungen des Klägers für die Wohnung im Rahmen der doppelten Haushaltsführung nur begrenzt abziehbar sind (§ 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 5 des Einkommensteuergesetzes, EStG). Das FG habe es aber unterlassen, die geltend gemachten Mietzahlungen für die Wohnung noch unter dem Aspekt der unbeschränkten Abzugsfähigkeit als Werbungskosten nach § 9 Abs. 1 Satz 1 EStG zu prüfen.

Werbungskosten sind danach Aufwendungen zur Erwerbung, Sicherung und Erhaltung der Einnahmen. Hierzu zählen auch beruflich veranlasste Umzugskosten, zu denen auch umzugsbedingt geleistete doppelte Mietzahlungen gehören. Allerdings setzt eine Berücksichtigung als Werbungskosten voraus, dass der Umzug nahezu ausschließlich beruflich veranlasst ist, also private Gründe eine allenfalls ganz untergeordnete Rolle spielen, was hier der Fall war.

Diese Mietaufwendungen können jedoch nur anteilig, und zwar für die bisherige Wohnung ab dem Umzugstag (der Familie) und für die neue Familienwohnung bis zum Umzugstag (der Familie) als Werbungskosten abgezogen werden. Denn Aufwendungen für das Unterhalten einer Wohnung, die den Mittelpunkt der Lebensführung eines Steuerpflichtigen und seiner Familie darstellt, gehören zu den nicht abzugsfähigen Lebensführungskosten. Darüber hinaus ist der Werbungskostenabzug umzugsbedingt geleisteter doppelter Mietzahlungen auf den Zeitlauf der ordentlichen Kündigungsfrist des bisherigen Mietverhältnisses begrenzt. Denn nur solange gründet der Aufwand für zwei Wohnungen auf dem beabsichtigten Familienumzug.

Die notwendigen Aufwendungen für Familienheimfahrten oder Verpflegungsmehraufwendungen werden dagegen durch den Umzug nicht berührt und können daneben bis zur tatsächlichen Beendigung der doppelten Haushaltsführung nach § 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 5 EStG als Werbungskosten berücksichtigt werden.

Weil Feststellungen über den zeitlichen Ablauf des Umzugs des Klägers fehlten und der BFH nicht entscheiden konnte, ob die Mietzahlungen, die der Kläger als Werbungskosten begehrt, als Umzugskosten berücksichtigungsfähig wären, muss die Vorinstanz die entsprechenden Feststellungen noch treffen.

Quelle:

BFH, Urteil vom 13.07.2011
Aktenzeichen: VI R 2/11
Rechtsprechungsdatenbank des BFH

© arbeitsrecht.de - (mst)

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