Rechtsprechung
Weniger Gehalt: keine Zulage für Schreibdienst
Nach der Kündigung des BAT besteht für Schreibdienste kein Anspruch mehr auf die Zahlung einer Funktionszulage. Der TVöD sieht eine solche Leistung nicht vor. Nach Auffassung der Erfurter Richter stellt das keine unangemessene Benachteiligung dar.

©fotolia
Die teilzeitbeschäftigte Klägerin war seit 1983 im Schreibdienst im Bereich der Wehrbereichsverwaltung Nord tätig. Im Jahre 1995 trafen die Parteien eine Nebenabrede zum Arbeitsvertrag, die eine Zahlung der Funktionszulage Schreibdienst "bis zu einer tarifvertraglichen Neuregelung" vorsah.
Aufgrund einer bis zum 31.12.1983 bestehenden Regelung des Bundes-Angestelltentarifvertrages (BAT) erhielten bestimmte Beschäftigte des öffentlichen Dienstes, die im Schreibdienst tätig waren, eine Funktionszulage in Höhe von 8 Prozent ihrer Grundvergütung. Zum 01.10.2005 trat der Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes (TVöD) in Kraft. Eine zum BAT vergleichbare Zulage sieht der TVöD nicht vor.
Nach Kündigung der Tarifregelung wurde diese Zulage an Beschäftigte, die bereits anspruchsberechtigt waren, weitergezahlt. Mit einer Vielzahl anderer Beschäftigter trafen die öffentlichen Arbeitgeber darüber hinaus einzelvertragliche Nebenabreden und zahlten diesen ebenfalls die Zulage. Diese Praxis wurde im Jahre 1997 eingestellt.
Die Arbeitgeberin der Klägerin berücksichtigte die Funktionszulage nicht beim sogenannten Vergleichsentgelt. Sie zahlte die Zulage zunächst weiter, rechnete dann aber tarifliche Gehaltssteigerungen an. Arbeitsgericht und Landesarbeitsgericht haben die auf ungekürzte Fortzahlung der Zulage gerichtete Klage abgewiesen.
Die Revision der Klägerin vor dem Bundesarbeitsgericht (BAG) hatte keinen Erfolg.
Nach Auffassung des BAG bestand im vorliegenden Fall ein Anspruch auf Zahlung der Zulage nur bis zum Inkrafttreten einer tarifvertraglichen Neuregelung. Eine solche Neuregelung erfolgte durch den TVöD. Die vertraglich vereinbarte auflösende Bedingung war rechtswirksam, insbesondere stellte sie keine unangemessene Benachteiligung der Klägerin im Sinne von § 307 BGB dar.
Die Anrechnung der tariflichen Gehaltssteigerung auf die nach dem 01.10.2005 nur noch als Besitzstand fortgezahlte Zulage war ebenfalls zulässig. Die Frage, ob die Funktionszulage Schreibdienst gemäß § 5 Abs. 2 Satz 3 TVÜ-Bund in das sogenannte Vergleichsentgelt hätte einfließen müssen, hatte das BAG nicht zu entscheiden.
Ähnliche Artikel aus Rechtsprechung
Gleichbehandlungsgrundsatz und neu einzustellende Arbeitnehmer
06.04.2001 | Besteht ein Mangel an Pflegekräften und zahlt ein Arbeitgeber deshalb in Anlehnung an die tarifliche Regelung über eine Pflegezulage eine übertarifliche Zulage in entsprechender Höhe, um Pflegekräfte zu gewinnen oder im Betrieb zu erhalten (Arbeitsmarktzulage), so ist er nicht nach dem Gleichbehandlungsgrundsatz verpflichtet, neu einzustellenden Pflegekräften diese Zulage zu gewähren, wenn nach seiner sachlich begründeten Prognose ein Mangel an Pflegekräften nicht mehr besteht. [mehr]
TarifvorbehaltBetriebliche Lohngestaltung bleibt mitbestimmungspflichtig
02.03.2012 | Der tarifgebundene Arbeitgeber ist betriebsverfassungsrechtlich verpflichtet, die tarifliche Vergütungsordnung ungeachtet der Tarifbindung der Arbeitnehmer im Betrieb anzuwenden, soweit deren Gegenstände der erzwingbaren Mitbestimmung des § 87 Abs. 1 Nr. 10 BetrVG unterliegen. [mehr]
Nachwirkung bei Tarifwechsel zur Konkurrenzgewerkschaft
04.03.2011 | Vereinbart eine Arbeitgeberverband nach Ablauf eine Tarifvertrages mit einer Konkurrenzgewerkschaft einen verschlechternden Tarifvertrag, so kann die arbeitsvertraglich vereinbarte Verweisung auf den "gültigen" Tarifvertrag nicht als Tarifwechselklausel ausgelegt werden, die den nachwirkenden Tarifvertrag als "andere Abmachung" i.S.d. § 4 Abs. 5 TVG ersetzt. [mehr]
Bundesarbeitsgericht plant Rechtsprechungsänderung zur Tarifeinheit
16.02.2010 | Der Vierte Senat des Bundesarbeitsgerichts (BAG) will seine Rechtsprechung zum Grundsatz der Tarifeinheit zu ändern. Dieser besagt, dass bei mehreren in Betracht kommenden Tarifverträgen nur derjenige angewendet wird, der den Erfordernissen und Eigenarten des jeweiligen Betriebes und seiner Beschäftigten am besten gerecht wird. [mehr]
Keine Tarifbindung einer GmbH durch Mitgliedschaft des Hauptgesellschafters
10.03.2011 | Die Mitgliedschaft eines Hauptgesellschafters einer GmbH reicht nicht aus, um eine Tarifbindung der GmbH zu begründen. [mehr]
Ähnliche Artikel aus den anderen Rubriken:
Gesetzgebung
LohndumpingBaden-Württemberg beschließt Tariftreuegesetz gegen Billiglöhne
10.05.2012 | Die grün-rote Landesregierung hat ein Tariftreuegesetz gegen Dumpinglöhne auf den Weg gebracht. Danach sollen nur noch Unternehmen Aufträge von Land und Kommunen bekommen, die Tariflöhne zahlen. [mehr]
NRW will Tariftreuegesetz beschließen
09.06.2011 | Die Landesregierung von Nordrhein-Westfalen hat in ihrer Kabinettssitzung am 7. Juni ein Tariftreue- und Vergabegesetz beschlossen. Das Gesetz geht nun in die Anhörung der kommunalen Spitzenverbände und soll voraussichtlich am 20. Juli im Landtag eingebracht werden. [mehr]
Arbeitshilfen
Rechtslexikon: Öffnungsklausel
29.01.2010 | Gemäß § 4 Abs. 3 Tarifvertragsgesetz (TVG) sind abweichende Abmachungen vom Tarifvertrag nur zulässig, soweit sie durch den Tarifvertrag selbst gestattet sind oder eine Änderung der Regelung zugunsten des Arbeitnehmers enthalten. [mehr]
29.01.2010 | Der Tarifvertrag (TV) regelt die Rechte und Pflichten der Tarifvertragsparteien (schuldrechtliche Wirkung: z.B. Friedenspflicht) und enthält Rechtsnormen, die denn Inhalt, den Abschluss und die Beendigung von Arbeitsverhältnissen sowie betriebliche und betriebsverfassungsrechtliche Fragen ordnen können. [mehr]
Arbeit & Politik
Bundesländer setzen auf Tariftreue
21.07.2011 | Acht Bundesländer koppeln die Vergabe öffentlicher Aufträge an die Einhaltung von Tarifstandards. Vier weitere wollen demnächst folgen. Darunter ist das bevölkerungsreichste Bundesland Nordrhein-Westfalen, in dem ein entsprechendes Gesetz am 22. Juli in den Landtag eingebracht wird. [mehr]
DGB: Leiharbeitsbranche muss nun mit Nachforderungen rechnen
31.05.2011 | Das Arbeitsgericht Berlin hat mit seinem aktuellen Beschluss das Equal-Pay-Prinzip gefestigt; Gewerkschaftler halten nun erhebliche Nachforderungen betroffener Leiharbeitnehmer für möglich. [mehr]
Geltendmachung tariflicher Ausschlussfristen (01/2003)
01.01.2003 | Das Bundesarbeitsgericht hatte sich in diesem Jahr mit der Problematik zu beschäftigen, ob tarifliche Ausschlussfristen auch dann gewahrt sind, wenn die Geltendmachung durch einen Bevollmächtigten - hier Rechtsanwalt - erfolgt und dieser keine entsprechende Vollmacht der Gegenpartei vorgelegt hat. [mehr]
Tarifliche Verfallfristen - Neues Urteil des Landesarbeitsgerichts Bremen (04/2001)
28.02.2001 | Mit Urteil vom 09.11.2000 (4 Sa 138/00) hat das Landesarbeitsgericht (LAG) Bremen entschieden, dass ein Arbeitgeber in einem Tarifvertrag enthaltene Verfallfristen nicht ausdrücklich in den Arbeitsvertrag aufnehmen muss, wenn auf die Geltung eines bestimmten Tarifvertrages im Arbeitsvertrag ausdrücklich hingewiesen wurde. [mehr]
Aus den Zeitschriften
Arbeit und Recht: Probleme um den Sanierungstarifvertrag
05.07.2010 | Ein Flächentarifvertrag wird nicht durch einen Haustarifvertrag verdrängt, der mit einer anderen Gewerkschaft abgeschlossen wurde. Ansonsten wäre die grundrechtlich garantierte Koalitionsfreiheit der ersten Gewerkschaft und ihrer Mitglieder beeinträchtigt. [mehr]