Rechtsprechung

Heimliche Videoüberwachung nur in Ausnahmefällen

Das Arbeitsgericht Düsseldorf hat in zwei Verfahren um die Kündigung von Mitarbeitern eines Düsseldorfer Brauhauses entschieden, das die heimlich angefertigten Videoaufnahmen nicht verwertet werden dürfen. Die Kündigungen sind unwirksam.

Im Verfahren 11 Ca 7326/10 ging es um die Wirksamkeit der bereits seitens des Arbeitgebers ausgesprochenen Kündigung. Das Verfahren 9 BV 183/10 befasste sich mit der Ersetzung der Zustimmung des Betriebsrates zur Kündigung eines seiner Mitglieder. In beiden Verfahren warf der Arbeitgeber den Arbeitnehmern vor, die ausgeschenkten Biere nicht korrekt abgerechnet zu haben. Zum Beweis seiner Behauptung berief er sich auf Videoaufzeichnungen, die er heimlich im Ausschankraum gemacht hatte.

In beiden Fällen hat das Gericht den angebotenen Videobeweis nicht verwertet und der Kündigungsschutzklage stattgegeben beziehungsweise den Antrag des Arbeitgebers auf Zustimmungsersetzung zurückgewiesen. Nicht jeder pauschale Verdacht auf Unterschlagung von Getränken durch in einem Brauhaus beschäftigte Arbeitnehmer rechtfertigt eine heimliche Videoüberwachung durch den Arbeitgeber, entschieden die befassten Kammern des Arbeitsgerichts.

Erst dann, wenn der Arbeitgeber aufgrund tatsächlicher, nachprüfbarer Anhaltspunkte seinen Verdacht auf bestimmte Personen sowie eine bestimmte Tat konkretisieren kann, kommt eine heimliche Überwachung des Arbeitsplatzes in Betracht. Diese Voraussetzungen haben die Kammern des Arbeitsgerichts in beiden Fällen nicht festgestellt. Die gewonnenen Daten unterlagen damit einem Beweisverwertungsverbot und konnten als Beweismittel nicht herangezogen werden.

Quelle:

ArbG Düsseldorf, Urteil vom 09.05.2011
Aktenzeichen: 11 Ca 7326/10, 9 BV 183/10
PM des ArbG Düsseldorf vom 09.05.2011

© arbeitsrecht.de - (mst)

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