Rechtsprechung

Keine Steuervergünstigungen für Durchgangszimmer

Wer sein Arbeitszimmer in einem Durchgangszimmer einrichtet, kann es nicht von der Steuer absetzen. Die "schädliche private Mitbenutzung" spricht laut Finanzgericht Baden-Württemberg dagegen.

In dem Rechtstreit vor dem Finanzgericht (FG) Baden-Württemberg ging es um die Frage, ob eine Außendienstmitarbeiterin, die ihre Kundenbetreuung im heimischen Arbeitszimmer erledigt, das arbeitsvertraglich vorgesehene "Home-Office" steuerlich absetzen kann. Voraussetzung dafür ist, dass der Raum so gut wie ausschließlich betrieblich oder beruflich genutzt wird. Der Raum, den die Klägerin als Arbeitszimmer nutzt, befindet sich in einem an das Haus neu angebauten Bereich, der als Wohnbereich im Bauplan bezeichnet ist. Außer dem Schreibtisch ist er mit Wohnzimmermobiliar ausgestattet. Das Zimmer ist das Durchgangszimmer zum Garten.

Das Gericht hat die überwiegende berufliche Nutzung des Raumes nicht anerkannt. Eine Abziehbarkeit der Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer setzt grundsätzlich voraus, dass das Arbeitszimmer nahezu ausschließlich für berufliche Zwecke genutzt wird. Nach der Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs (BFH) können Aufwendungen für die eigene Wohnung bei der Einkommensteuer grundsätzlich nicht abgezogen werden, weil diese Aufwendungen der privaten Lebensführung zugerechnet werden müssen, die nach § 12 Nr. 1 EStG nicht abziehbar sind.

Räumliche Trennung notwendig

Ist keine räumliche Trennung zwischen Arbeits- und Wohnbereich vorhanden, könne nicht mehr davon gesprochen werden, dass eine private Mitbenutzung von nur untergeordneter Bedeutung anzunehmen sei. Bei einem Arbeitszimmer muss laut FG von einer "schädlichen privaten Mitbenutzung" ausgegangen werden, wenn es sich bei dem Zimmer um ein Durchgangszimmer handelt. Ein solches Zimmer, das durchquert werden muss, um andere privat benutzte Räume der Wohnung zu erreichen, das also die einzige Verbindung zu diesen Räumen herstellt, spreche gegen die untergeordnete Bedeutung der Privatnutzung. Eine andere Auffassung sei nach der Rechtsprechung des BFH schon deshalb nicht vertretbar, weil sie dazu führen würde, dass auch ein Flur als häusliches Arbeitszimmer anzuerkennen wäre, wenn er nicht nur als Durchgang für andere Räume, sondern auch als Arbeitszimmer benutzt würde.

Quelle:

FG Baden-Württemberg, Urteil vom 02.02.2011
Aktenzeichen: 7 K 2005/08
Landesrechtsprechungsdatenbank Baden-Württemberg

© arbeitsrecht.de - (mst)

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