Rechtsprechung

"Jesus hat Sie lieb!" - Kündigung rechtens

Das Landesarbeitsgericht Hamm hat die Kündigung eines Call-Center-Mitarbeiters bestätigt, der Kunden mit den Worten "Jesus hat Sie lieb" verabschiedete. Anders als das Arbeitsgericht war das Berufungsgericht der Auffassung, die außerordentliche Kündigung der Beklagten sei gerechtfertigt.

Der mit sechs Stunden im Call-Center der Beklagten teilzeitbeschäftigte Mitarbeiter hatte trotz ausdrücklich erteilter Anweisung des Arbeitgebers nicht darauf verzichtet, sich am Ende jedes Verkaufsvorgangs von den Gesprächspartnern mit den Worten "Jesus hat Sie lieb, vielen Dank für Ihren Einkauf bei QVC und einen schönen Tag" zu verabschieden.

Damit habe er sich arbeitsvertragswidrig verhalten, urteilte das Landesarbeitsgericht (LAG) Hamm im Gegensatz zum Arbeitsgericht Bochum, das die Kündigung für rechtswidrig erklärt hatte (Urteil vom 08.07.2010, Az.: 4 Ca 734/10). Das Berufungsgericht hat auf das Spannungsfeld zwischen Glaubensfreiheit und unternehmerischer Betätigungsfreiheit hingewiesen und die Grundsätze aufgezählt, die im Rahmen dieses Abwägungsprozesses anzustellen sind.

Laut LAG Hamm hat der tiefgläubige Kläger nicht ausreichend dargelegt, warum er in innere Nöte gekommen wäre, wenn er darauf verzichtet hätte, die beim Arbeitgeber übliche Grußformel um die Worte "Jesus hat Sie lieb" zu ergänzen. Nach Auffassung der Berufungskammer muss ein Arbeitnehmer, der sich darauf beruft, dass die Befolgung einer Arbeitsanweisung ihn in seiner Glaubensfreiheit beeinträchtigt, nachvollziehbar darlegen, dass er ohne innere Not nicht von einer aus seiner Sicht zwingenden Verhaltensregel absehen könne.

Für das Berufungsgericht war in diesem Zusammenhang von Bedeutung, dass der Kläger dem Arbeitgeber anlässlich eines nachfolgenden Streitverfahrens sogar angeboten hatte, im Rahmen einer sogenannten Prozessbeschäftigung für die Beklagten tätig zu werden – und sich zugleich für diese Beschäftigung verpflichtet hatte, auf die Ergänzung der Grußformel zu verzichten.

Die Revision hat das Landesarbeitsgericht nicht zugelassen.

Andere Fälle, in denen Glaube und Arbeitsvertrag miteinander kollidieren:

Quelle:

LAG Hamm, Urteil vom 20.04.2011
Aktenzeichen: 4 Sa 2230/10
PM des LAG Hamm vom 20.04.2011

© arbeitsrecht.de - (mst)

Artikel drucken
  • Xing

Ähnliche Artikel aus Rechtsprechung

Leistungsfähigkeit als Kündigungsgrund

18.08.2010 | Für eine Kündigung wegen schlechter Leistungen des Arbeitnehmers ist dessen individuelles Leistungsvermögen maßgeblich. Das hat das Landesarbeitsgericht Schleswig-Holstein entschieden.  [mehr]

Verhaltensbedingte KündigungKündigung eines alkoholkranken Berufskraftfahrers ist wirksam

29.04.2014 | Führt ein Berufskraftfahrer sein Fahrzeug unter Alkoholeinfluss, kann sein Arbeitsverhältnis aus verhaltensbedingten Gründen gekündigt werden. Dies gilt auch dann, wenn der Berufskraftfahrer an einer Alkoholerkrankung leidet, so das Arbeitsgericht Berlin.  [weiterlesen auf "Arbeitsrecht im Betrieb"]

SpielsuchtBehörde darf Fahrlehrererlaubnis entziehen

17.11.2011 | Das Verwaltungsgericht Mainz hat entschieden, dass die Landeshauptstadt zu Recht einem angestellten Fahrlehrer die Fahrlehrererlaubnis wegen seiner Spielsucht entzogen hat.  [mehr]

Kündigung wegen Gebrauch von Nazi-Zitat unwirksam

26.07.2011 | Zwar stellt die Anrede "Jawohl mein Führer" gegenüber einer Kollegin an sich einen Grund für eine verhaltenbedingte Kündigung dar, dennoch setzt eine Kündigung wegen einer Vertragspflichtverletzung regelmäßig eine einschlägige Abmahnung voraus.  [mehr]

Bürostuhl als Kündigungsgrund?

17.01.2011 | Begeht ein Arbeitnehmer rechtswidrige und vorsätzliche Handlungen gegen das Vermögen seines Arbeitgebers, verletzt er damit seine Pflicht zur Rücksichtnahme. Den Vorsatz muss der Arbeitgeber laut Landesarbeitsgericht Schleswig-Holstein beweisen, wenn er verhaltensbedingt kündigen will.  [mehr]

Ähnliche Artikel aus den anderen Rubriken:

Arbeit & Politik

Arbeitgeber verzeihen Unpünktlichkeit

19.08.2010 | Nur jeder fünfte Beschäftigte bekommt Ärger mit dem Chef, wenn er zu spät zur Arbeit kommt. Das hat eine Umfrage des Karriereportals Monster.de ergeben.  [mehr]

Kommt bald ein Whistleblowerschutzgesetz?

15.09.2011 | Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat den ersten Schritt gemacht und Whistleblower geschützt. Die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen zieht jetzt nach und fordert gesetzliche Regelungen. Das geht aus einer Anfrage an die Bundesregierung hervor.  [mehr]

Kirchliches Arbeitsrecht (26/2007)

19.12.2007 | Die katholische und die evangelische Kirche gehören mit rund 1,5 Millionen Beschäftigten zu den größten Arbeitgebern in Deutschland, vor allem im Gesundheitssektor sowie in der Kinder- und Altenbetreuung. Was ihr besonderer verfassungsrechtlicher Status für die Arbeitsverhältnisse bedeutet lesen Sie hier.  [mehr]

Äußerungen von Arbeitnehmern im Internet (21/2010)

20.10.2010 | Wer als Arbeitnehmer den Betriebsfrieden stört, riskiert seinen Job. Wie weit dürfen Mitarbeiter gehen, wenn sie sich über den Arbeitgeber "Luft machen" wollen?  [mehr]