Rechtsprechung

Hepatitis-C-Infektion als Arbeitsunfall anerkannt

Die nach einem schweren Arbeitsunfall verabreichten Bluttransfusionen waren laut Gutachten für die chronische Hepatitis-C-Infektion eines Bauarbeiters ursächlich. Das Sozialgericht Gießen verurteilte die Berufsgenossenschaft zur Anerkennung der Erkrankung und Zahlung einer höheren Verletztenrente.

Ein an Hepatitis C erkrankter Mann hat erfolgreich eine höhere Verletztenrente eingeklagt. Das Sozialgericht Gießen verurteilte die Berufsgenossenschaft (BG) dazu, die Erkrankung als Unfallfolge anzuerkennen und eine höhere Verletztenrente zu zahlen. Die Bluttransfusionen seien für die Hepatitis-C-Erkrankung ursächlich. Mit der nun erklärten Rücknahme der Berufung akzeptiert die BG diese gerichtliche Entscheidung.

Der Kläger war Bauarbeiter und erlitt im Jahre 1962 einen schweren Arbeitsunfall. Der erhebliche Blutverlust machte mehrere Bluttransfusionen erforderlich. Anfang der 80er Jahre wurden deutlich erhöhte Leberwerte und im Jahre 2003 schließlich eine chronische Hepatitis-C-Infektion festgestellt. Die Berufsgenossenschaft hielt die Bluttransfusionen nicht für ursächlich und lehnte eine Erhöhung der Verletztenrente ab. Hiergegen klagte der nunmehr 77-jährige Mann aus dem Lahn-Dill-Kreis. Das Sozialgericht Gießen verurteilte die BG zur Anerkennung der Erkrankung als weitere Unfallfolge sowie zur Zahlung einer höheren Verletztenrente. Die BG bezweifelte weiterhin den kausalen Zusammenhang und legte gegen das Urteil Berufung ein.

Die vom Landessozialgericht eingeholten Sachverständigengutachten bestätigten jedoch eine hinreichend wahrscheinliche Ursächlichkeit. Bis zur Einführung der generellen Untersuchung von Blutspenden Mitte der 90er Jahre seien Bluttransfusionen die weitaus häufigste Ursache für eine Hepatitis-C-Erkrankung gewesen. Andere Ursachen für die Erkrankung – wie zum Beispiel Drogenkonsum, Aufenthalt in Entwicklungsländern oder beruflicher Umgang mit Hepatitis-Infizierten - würden hingegen bei dem Kläger praktisch ausscheiden. Die nunmehr ebenfalls überzeugte BG nahm daraufhin die Berufung zurück. Damit ist das Urteil des Sozialgerichts Gießen rechtskräftig.

Quelle:

SG Gießen, Urteil vom 18.04.2011
Aktenzeichen: S 1 U 193/05
PM des LSG Hessen Nr. 14/11 vom 18.04.2011

© arbeitsrecht.de - (akr)

Artikel drucken
  • Xing

Ähnliche Artikel aus Rechtsprechung

BetriebssportBehörden-Skimeisterschaften sind nicht gesetzlich unfallversichert

13.01.2012 | Die Kosten der Teilnahme am Wettbewerb wurden von der Arbeitgeberin voll getragen, die Angestellten reisten im Dienstwagen an und erhielten sogar eine Dienstbefreiung – und trotzdem lehnte das Bayerische Landessozialgericht eine versicherte Tätigkeit ab.  [mehr]

Berufsspezifisches RisikoAngriff auf Arbeitsplatz macht dies nicht automatisch zu Arbeitsunfall

17.04.2013 | Der Angriff auf einen Wachmann, der verübt wurde, um es diesem aufgrund eines früheren privaten Vorfall "heimzuzahlen", ist kein Arbeitsunfall. Denn der Betroffene hätte auch bei einer privaten Begegnung angegriffen werden können.  [weiterlesen auf "Soziale Sicherheit"]

BriefträgerHundeattacke am Probearbeitstag ist Arbeitsunfall

27.11.2013 | Ein angehender Briefträger hat nach einem Sturz Anspruch auf Anerkennung als Arbeitsunfall. Denn es bedarf nicht zwingend eines Arbeitsvertrages, um am Probearbeitstag unfallversichert zu sein.  [weiterlesen auf "Soziale Sicherheit"]

ArbeitsunfallDer Weg in die Kantine ist versichert, der in die Raucherecke nicht

05.02.2013 | Wer sich auf dem Rückweg von der Raucherpause zum Arbeitsplatz verletzt, erleidet keinen Arbeitsunfall und steht damit nicht unter dem Schutz der Unfallversicherung. Das Rauchen ist eine persönliche Angelegenheit und - anders als die Nahrungsaufnahme - ohne sachlichen Bezug zur Berufstätigkeit.  [weiterlesen auf "Soziale Sicherheit"]

InteressenbekundungsverfahrenTeilnehmer eines Konditions- und Fitnesstests sind unfallversichert

22.05.2013 | Die Teilnahme einer Angestellten im Polizeidienst an einem - vom Arbeitgeber organisierten - sog. Interessenbekundungsverfahren für die Beamtenlaufbahn ist noch der versicherten Tätigkeit zuzurechnen und nicht einem zukünftigen unversicherten Bewerbungsverfahren.  [weiterlesen auf "Soziale Sicherheit"]

Ähnliche Artikel aus den anderen Rubriken:

Gesetzgebung

Reformierte Unfallverhütungsvorschrift ist in Kraft getreten

15.04.2011 | Anfang 2011 haben sich die Regelungen zur betriebsärztlichen und sicherheitstechnischen Betreuung in Betrieben geändert. Erstmals gibt es eine einheitliche Vorgabe zur Konkretisierung des Arbeitssicherheitsgesetzes (ASiG).  [mehr]

Neue Leitlinien für den Arbeitsschutz

02.09.2011 | Die Träger der Gemeinsamen Deutschen Arbeitsschutzstrategie (GDA) und die Sozialpartner haben ein Leitlinienpapier zur Neuordnung des Vorschriften- und Regelwerkes im Arbeitsschutz unterzeichnet.  [mehr]

Arbeit & Politik

Freiwillige vor!

27.06.2011 | Zivildienst und Wehrpflicht sind Vergangenheit: Am 1. Juli 2011 startet der neue Bundesfreiwilligendienst für alle, die ihre Regelschulzeit absolviert haben und gesellschaftliches Engagement zeigen wollen.  [mehr]

Morgengrauen: Sieben Uhr früh passieren die meisten Unfälle

22.03.2011 | Zwischen sieben und acht Uhr morgens ereignen sich die meisten Arbeits- und Wegeunfälle, meldet Deutschlands zweitgrößte gesetzliche Unfallversicherung. Die BGW empfiehlt, sich genug Zeit für den Weg zu nehmen und auch öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen.  [mehr]

Die neue Arbeitsstättenverordnung (21/2004)

13.10.2004 | Die Bundesregierung hat die Arbeitsstättenverordnung novelliert; Ziel soll "die Modernisierung des Arbeitsstättenrechts entsprechend der Konzeption des Arbeitsschutzgesetzes (ArbSchG) von 1996" sein.  [mehr]

Arbeits- und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz (08/11)

20.04.2011 | Jedes Jahr passieren immer wieder Unfälle am Arbeitsplatz. Um das zu verhindern, ist es wichtig zu wissen, wie sich Risiken erkennen und vermeiden lassen. Lesen Sie hier, was alles zum Arbeits- und Gesundheitsschutz gehört.  [mehr]