Rechtsprechung

Keine "Strafversetzung" nach London während der Elternzeit

Das Hessische Landesarbeitsgericht hat entschieden, dass ein Arbeitgeber nicht berechtigt ist, eine junge Mutter in ihrer Elternzeit für zwei Tage in der Woche nach London zu schicken und ihr die Reisekosten aufzubürden.

Die 39-jährige Leiterin der Rechtsabteilung eines Unternehmens und Mutter einer 13 Monate alten Tochter hatte mit ihrem Arbeitgeber vereinbart, dass sie während der Elternzeit 30 Stunden pro Woche weiter arbeitet - drei Tage von zu Hause aus und zwei Tage im Büro in der Nähe ihres Wohnorts. Einige Monate später wies die Firma sie an, nun zwei Tage pro Woche in der Konzernzentrale in London zu arbeiten. Die Kosten für Anreise und Übernachtung sollte die Frau größtenteils selbst tragen.

Aus Sicht des Hessischen Landesarbeitsgerichts (LAG) ist das unzumutbar und deshalb auch nicht zulässig. Die Richter untersagten in einem Eilverfahren dem Arbeitgeber, die Frau in London einzusetzen. Das komme einer "Strafversetzung" gleich. Allein die wöchentliche Reise von Frankfurt nach London nehme deutlich mehr als einen Arbeitstag in Anspruch, argumentierten die Richter des Landesarbeitsgerichts. Das sei unzumutbar und sprenge das vereinbarte Modell zur Vereinbarung von Kinderbetreuung und Beruf. Das Interesse des Arbeitgebers, die Frau als Leiterin der Rechtsabteilung am Sitz des Arbeitgebers in London zu sehen, müsse zurückstehen.

Quelle:

Hess. LAG, Beschluss vom 15.02.2011
Aktenzeichen: 13 SaGa 1934/10
dpa vom 09.03.2011

© arbeitsrecht.de - (mst)

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