Rechtsprechung

Teilzeitwunsch darf nicht pauschal abgelehnt werden

Der Arbeitgeber muss konkrete Umstände angeben, warum eine Teilzeitarbeit unzumutbar in die Betriebsabläufe eingreift und nicht durch eine Ersatzkraft aufgefangen werden kann. Das hat das Landesarbeitsgericht Schleswig-Holstein entschieden.

Eine Schneiderin wollte nach Ende ihrer Elternzeit für ihren Arbeitgeber nur noch in Teilzeit arbeiten. Sie wünschte sich eine Teilzeittätigkeit von Dienstag bis Donnerstag von 9 Uhr bis 14.30 Uhr, damit sie ihr Kind betreuen kann. Auf einen Ehemann und Verwandte konnte sie nicht zurückgreifen. Einen Platz in einer Kindertagesstätte hatte sie nur für drei Tage von jeweils 7 bis 16 Uhr gefunden.

Der Arbeitgeber lehnte dies ohne ein weiteres Gespräch mit dem Hinweis ab, die gewünschten Arbeitszeiten seien aus organisatorischen Gründen so nicht möglich. Üblicherweise wird in der Änderungsschneiderei im wöchentlichen Wechsel montags bis freitags von 9 Uhr bis 18.30 Uhr oder von 12.15 Uhr bis 19.30 Uhr gearbeitet.

Der Arbeitgeber verlangte, dass alle Beschäftigten die Nachmittagsschicht abdeckten.
Die Schneiderin stellte einen Eilantrag, den das Arbeitsgericht aus formalen Gründen ablehnte. Er war zu kurzfristig gestellt worden.

Das Landesarbeitsgericht (LAG) Schleswig Holstein gab der Schneiderin Recht. Ein zu kurzfristig gestelltes Teilzeitverlangen sei nicht unwirksam. Dadurch, dass die dreimonatige Ankündigungsfrist von § 8 Abs. 2 TzBfG nicht abgewartet wird, verschiebe sich nur der Beginn der Teilzeit.

Der Arbeitgeber dürfe den Wunsch nach Teilzeitbeschäftigung nicht mit dem bloßen Hinweis ablehnen, in seinem Betrieb müssten allen Beschäftigten und damit auch die Teilzeitbeschäftigten im Schichtbetrieb arbeiten und in diesem Zusammenhang die Nachmittagsschicht bis mindestens 18 Uhr abdecken.

Der Arbeitgeber müsse vielmehr konkrete Umstände anführen und beweisen, warum die gewünschte zeitliche Lage der Arbeit nicht durch eine zumutbare Änderung der Betriebsabläufe oder Einsatz einer in sein Schichtsystem integrierten Einsatzkraft möglich werden kann.

Quelle:

LAG Schleswig-Holstein, Urteil vom 15.12.2010
Aktenzeichen: 3 SaGa 14/10
PM des LAG Schleswig-Holstein vom 20.12.2010

© arbeitsrecht.de - (akr)

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