Rechtsprechung

Unwissenheit kann vor Entlassung wegen Beleidigung schützen

Beschimpft ein Mitarbeiter Kunden seines Arbeitgebers, kann eine sofortige fristlose Kündigung überzogen sein. Der Betreffende müsse schon wissen, dass zu der angegriffenen Person Geschäftsbeziehungen unterhalten werden, entschied das Landesarbeitsgericht in Kiel.

Der Kläger, ein LKW-Fahrer, war bei der Warenlieferung für ein Einkaufszentrum auf das Parkdeck des Geschäfts eingebogen. Dort hatte ihn ein Mann mit dem Hinweis gestoppt, er könne wegen der beengten Verhältnisse nicht einfach weiterfahren. Dies wollte der Kläger nicht einsehen und bezeichnete sein Gegenüber im darauf folgenden Wortgefecht mehrfach als "Arschloch". Im Nachhinein stellte sich heraus, dass es sich beim Angegriffenen um den Liegenschaftsverwalter der Filiale gehandelt hatte. Das hatte der Kläger nicht gewusst. Trotzdem wurde ihm wegen der Beleidigungen fristlos gekündigt.

Zu Unrecht, wie das Landesarbeitsgericht (LAG) Schleswig-Holstein entschied.

Zwar sei die Bezeichnung von Kunden des Arbeitgebers als "Arschloch" grundsätzlich geeignet, um eine fristlose Kündigung zu begründen. Allerdings müssten auch immer die Umstände des Einzelfalles berücksichtigt werden (§ 626 Abs.1 Bürgerliches Gesetzbuch). Offensichtlich habe der Kläger nicht erkannt, dass er einen Kunden seines Arbeitgebers beschimpfte. Auch habe es sich um einen einmaligen Ausrutscher gehandelt aus der konkreten Situation heraus gehandelt. Die angemessene Reaktion des Arbeitgebers wäre deshalb eine Abmahnung gewesen, so die Richter.

Das LAG hat die Revision nicht zugelassen.

Quelle:

LAG Schleswig Holstein, Urteil vom 08.04.2010
Aktenzeichen: 4 Sa 474/09

© arbeitsrecht.de - (sh)

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