Rechtsprechung

ALG II: Meldepflicht trotz Krankheit

Auch ein arbeitsunfähig erkrankter Arbeitslosengeld II-Bezieher muss sich bei seinem Leistungsträger melden, wenn seine Erkrankung dies zulässt.

Ein Leistungsempfänger war Aufforderungen des Leistungsträgers, sich zur Besprechung seines Bewerberangebots in der Behörde zu melden, mehrfach nicht nachgekommen. Er hatte für die Termine jeweils ärztliche Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen oder Bestätigungen über Arzttermine vorgelegt.

Der Leistungsträger forderte den Leistungsempfänger deshalb auf, künftig jeweils eine Bescheinigung darüber vorzulegen, dass er aus gesundheitlichen Gründen die Meldetermine nicht wahrnehmen könne. Nachdem der Leistungsempfänger dem nicht nachkam, senkte der Leistungsträger das Arbeitslosengeld II ab. Die hiergegen gerichtete Klage zum SG Trier blieb erfolglos.

Das LSG Rheinland-Pfalz hat die Entscheidung des SG bestätigt. Bei einer Erkrankung des Meldepflichtigen am vereinbarten Meldetermin reicht es nicht aus, wenn der Betroffene arbeitsunfähig ist. Es kommt vielmehr darauf an, ob er krankheitsbedingt gehindert war, den Meldetermin wahrzunehmen.

Der Leistungsträger darf daher auch die Vorlage einer über eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung hinausgehenden Bescheinigung über die Unfähigkeit zur Wahrnehmung des Meldetermins verlangen, wenn begründete Anhaltspunkte dafür vorliegen, dass die bescheinigte Arbeitsunfähigkeit nicht gleichzeitig die Unfähigkeit zur Wahrnehmung des Meldetermins begründet.

Auch die Wahrnehmung eines Arzttermins ist nur dann ein wichtiger Grund für die Versäumung eines Meldetermins, wenn es sich um einen notfallmäßigen oder aus sonstigen Gründen unaufschiebbaren Termin handelt.

Quelle:

LSG Rheinland-Pfalz, Urteil vom 23.07.2009
Aktenzeichen: L 5 AS 131/08
PM des LSG Rheinland-Pfalz v. 22.09.2009

© arbeitsrecht.de - (Redaktion arbeitsrecht.de)

Artikel drucken

Ähnliche Artikel aus Rechtsprechung

Unfallrente zählt bei Arbeitslosengeld II als Einkommen

06.09.2007 | Die Verletztenrente aus der gesetzlichen Unfallversicherung ist als Einkommen beim Arbeitslosengeld II (ALG II) zu berücksichtigen. Denn beide Leistungen dienen vorrangig dem täglichen Lebensunterhalt. [mehr]

ALG II: Sparguthaben muss verbraucht werden

09.03.2006 | Guthaben auf Sparbüchern sind kein geschütztes Vermögen, das Arbeitslose nicht antasten müssen, wenn sie es für die Altersvorsorge eingeplant haben. [mehr]

Sozialbehörde muss tatsächlich angefallene Heiz- und Nebenkosten erstatten - Keine Pauschalierung möglich

13.10.2006 | Bei der Grundsicherung für Arbeitsuchende darf der Leistungsträger keine Pauschalen für Heiz- und Nebenkosten ohne Prüfung des konkreten Einzelfalles zur Grundlage seiner Leistung machen. [mehr]

Arbeitslosengeld II - Mercedes Benz nicht mehr angemessen

17.03.2006 | Ein Mercedes Benz C-Klasse im Wert von 13.000 Euro ist nicht mehr angemessen, so dass ein Arbeitsloser diesen erst verkaufen muss, um Arbeitslosengeld II beanspruchen zu können. [mehr]

Behörde darf nicht pauschal "angemessene Wohnung" fordern

10.10.2006 | Behörden dürfen Empfänger von Sozialleistungen nicht pauschal und ohne Erklärung verpflichten, sich eine "angemessene Wohnung" zu suchen. [mehr]

Ähnliche Artikel aus den anderen Rubriken:

Gesetzgebung

Hartz IV - Änderungen ab Januar

16.12.2010 | Ab Januar 2011 treten im Bereich der Grundsicherung, beim so genannten "Hartz IV", gesetzliche Neuregelungen in Kraft. Für das umstrittene Bildungspaket fehlt noch die Zustimmung des Bundesrates. [mehr]

Gesetzentwurf zur Hartz-IV-Reform

28.10.2010 | Bildungsgutscheine und fünf Euro mehr im Monat - die Fraktionen von CDU/CSU und FDP haben jetzt den Gesetzentwurf für die Hartz-IV-Reform vorgelegt. [mehr]

Arbeitshilfen

Rechtslexikon: Arbeitsunfähigkeit

29.01.2010 | Arbeitsunfähigkeit liegt vor, wenn der Arbeitnehmer infolge seiner Krankheit außerstande ist, die nach dem Arbeitsvertrag obliegende Arbeitsleistung zu erbringen. [mehr]

Rechtslexikon: Medizinischer Dienst

29.01.2010 | Hat ein Arbeitgeber Zweifel an der Arbeitsunfähigkeit eines Arbeitnehmers, etwa weil dieser Arbeitnehmer auffällig oft oder auffällig häufig kurz erkrankt ist oder weil die Arbeitsunfähigkeit von einem "auffälligen Arzt" bescheinigt worden ist, so kann der Arbeitgeber den Medizinischen Dienst der Krankenkasse mit der Prüfung der Arbeitsunfähigkeit beauftragen. [mehr]

Arbeit & Politik

Mehr Rechte für Arbeitssuchende

11.10.2010 | Die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen fordert in einem Antrag an die Bundesregierung, die Rechte der Arbeitssuchenden zu stärken. Motivation und Selbstbestimmung sowie ein Wunsch- und Wahlrecht des Hilfebedürftigen müssten zukünftig zentrale Grundlage des Fallmanagements sein. [mehr]

Studie: Viele Geringverdiener stocken nicht auf

02.03.2010 | Nicht einmal jeder zweite Geringverdiener mit einer vollen Stelle nimmt nach Erkenntnissen der Hans-Böckler- Stiftung seinen Anspruch auf staatliche Hilfen wahr. [mehr]

Das neue Leistungsrecht ab 01.01.2004 (04/2004)

11.02.2004 | Der 01.01.2004 wird für viele Bundesbürger bereits jetzt schon als ein denkwürdiges Datum in die politische Geschichte eingehen. Viele Gesetzesänderungen gelten seit diesem Jahr und nicht wenige (potenziell) Betroffene ahnen wohl noch nichts davon, welche Auswirkungen dies auch auf ihr Leben haben könnte. [mehr]

Weitere Änderungen bei Hartz IV-Reform (15/2006)

19.07.2006 | Die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt hat in den letzten Monaten immer mehr die reformerischen Schwächen des "Vierten Gesetzes für moderne Dienstleistung" (Hartz IV) zu Tage gefördert und die politisch Verantwortlichen zu weiteren Nachbesserungen gezwungen. [mehr]

Aus den Zeitschriften

AiB Plus: Leiharbeit als Dumpingwerkzeug

12.11.2010 | Seit 1972 ist Leiharbeit erlaubt – lange Zeit allerdings nur innerhalb bestimmter Grenzen. Durch die Hartz-Gesetzgebung fielen viele Schranken zum Schutz der Beschäftigten. Seitdem nehmen die unsicheren und oft schlechter als regulär bezahlten Arbeitsplätze zu. [mehr]