Rechtsprechung

Messerattacke außerhalb des Betriebs rechtfertigt Kündigung

Eine Messerattacke auf eine Arbeitskollegin ist auch dann geeignet eine fristlose Kündigung zu rechtfertigen, wenn die Tätlichkeit außerhalb des Betriebs und aus rein familiären Gründen erfolgte.

Die Parteien führten einen Kündigungsrechtsstreit. Der Kläger war bei der Beklagten ebenso wie seine Ex-Ehefrau beschäftigt.

Aufgrund einer Meinungsverschiedenheit lauerte der Kläger seiner Ex-Frau nachts auf der Straße auf und stach mehrfach mit einem Küchenmesser auf sie ein. Die Ex-Frau erlitt unter anderem eine 2 cm lange Schnittwunde, die bis zum Knochen des Schulterblattes reichte. Sie war für längere Zeit arbeitsunfähig.

Der Kläger wurde in einem Strafverfahren zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr auf Bewährung verurteilt. Nachdem der Arbeitgeber hiervon Kenntnis erlangte, kündigte er dem Kläger fristlos.

Das Vorinstanz wies die Kündigungsschutzklage des Klägers ab. Die hiergegen gerichtete Berufung blieb auch vor dem LAG Schleswig-Holstein erfolglos.

Eine Tätlichkeit unter Arbeitskollegen ist grundsätzlich auch dann geeignet, eine fristlose Kündigung zu rechtfertigen, wenn sie nicht im Betrieb, sondern im privaten Umfeld aus rein privaten Motiven begangen worden ist. Denn auch eine solche Tätlichkeit hat Auswirkungen auf das Arbeitsverhältnis. Durch die Arbeitsunfähigkeit des Opfers ist der Betriebsablauf gestört und der Arbeitgeber muss Entgeltfortzahlung leisten.

Zudem kann der Betriebsfrieden durch die durch den Streit und die Tätlichkeit hervorgerufenen Spannungen gestört werden. Vorliegend hatte sich die Ex-Frau aus Angst geweigert, weiterhin mit dem Kläger im Betrieb zusammen zu arbeiten. Auch die Interessenabwägung musste vorliegend trotz der sechsjährigen Beschäftigungszeit und der Unterhaltsverpflichtungen zulasten des Klägers ausfallen. Maßgeblich waren die Fürsorgepflicht des Arbeitgebers gegenüber der bei ihm noch beschäftigten Ex-Frau des Klägers und die zukünftige erhebliche Beeinträchtigung des Betriebsfriedens allein aufgrund des anhaltenden Angstzustands bei der betroffenen Ex-Frau.

Quelle:

LAG Schleswig-Holstein, Urteil vom 06.01.2009
Aktenzeichen: 5 Sa 313/08
PM des LAG Schleswig-Holstein v. 05.05.2009

© arbeitsrecht.de - (Redaktion arbeitsrecht.de)

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