Rechtsprechung

Kritik an Sado-Maso-Internetauftritt von Kollegen erlaubt

Wer sich über den privaten Internetauftritt einer Kollegin in Lack- und Lederbekleidung kritisch äußert stört nicht den Betriebsfrieden und darf daher nicht abgemahnt werden.

Die betroffene Arbeitnehmerin hatte im Kollegenkreis eine Mitarbeiterin heftig kritisiert, weil sich diese privat im Internet in einer sado-maso-typischen Bekleidung präsentierte.

Der Arbeitgeber mahnte die Arbeitnehmerin daraufhin mit der Begründung ab, sie habe sich in "unentschuldbarer Weise" in die privaten Angelegenheiten der Kollegin eingemischt und deren "Intimsphäre" verletzt. Dies stelle eine nicht zu tolerierende Störung des Betriebsfriedens dar.

Das ArbG Frankfurt a.M. hat der Klage der Arbeitnehmerin auf Streichung des entsprechenden Eintrags aus ihrer Personalakte stattgegeben.

Der Arbeitgeber muss die Kritik hinnehmen, weil die Kollegin mit ihrem öffentlichen Auftritt vor einem Millionenpublikum bereits selbst ihre Intimsphäre verlassen hat. Insofern kann von einer Störung des Betriebsfriedens keine Rede mehr sein.

Quelle:

ArbG Frankfurt/M., Urteil vom 01.01.1970
Aktenzeichen: 22 Ca 6126/08
dpa v. 07.04.2009

© arbeitsrecht.de - (Redaktion arbeitsrecht.de)

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