Rechtsprechung

Schwangerschaftsvertretung kann auch woanders eingesetzt werden

Als Schwangerschaftsvertretung befristet beschäftigte Arbeitnehmer müssen die schwangere Kollegin nicht direkt vertreten, sondern können auch an anderer Stelle im Unternehmen eingesetzt werden.

Der klagende Postarbeiter wurde als Vertretung einer Schwangeren befristet eingestellt. Im Arbeitsvertrag wurde die zu vertretende Kollegin auch namentlich aufgeführt. Er übte allerdings nicht nur deren Tätigkeit aus. Ihm wurden auch andere Aufgaben übertragen.

Aus diesem Grunde betrachtete der Arbeitnehmer die Befristung des Arbeitsverhältnisses als unzulässig. Er sei nur für eine ganz bestimmte, im Arbeitsvertrag genannte Person eingestellt worden. In Wirklichkeit habe er jedoch permanent an anderer Stelle gearbeitet. Der Befristungsgrund sei deshalb nur vorgeschoben. Die Klage des Postmitarbeiters blieb erfolglos.

Die Befristung des Arbeitsverhältnisses war vorliegend zulässig, weil sie durch einen sachlichen Grund, der Vertretung eines anderen Arbeitnehmers, gerechtfertigt war.

Ein Vertreter muss grundsätzlich nicht auf dem Arbeitsplatz des Vertretenen eingesetzt werden und dessen Aufgaben übernehmen. Im Rahmen eines "Gesamtvertretungsbedarfs" darf das Unternehmen den befristeten Arbeitnehmer stattdessen auch anderweitig beschäftigen. Das Direktionsrecht des Arbeitgebers rechtfertigt eine solche Jobrotation.

Quelle:

ArbG Frankfurt/M., Urteil vom 12.06.2008
Aktenzeichen: 7 Ca 6381/07
dpa v. 12.06.2008

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