Rechtsprechung

Schadensersatz wegen Veruntreuung von Geldern

Ein Autoverkäufer muss an seine ehemalige Arbeitgeberin Schadensersatz wegen veruntreuter Gelder in Höhe von 430.000 Euro leisten.

Der Arbeitnehmer war bei der Arbeitgeberin, einem Autohaus, als Gebrauchtwagenverkaufsleiter tätig. In dieser Eigenschaft hatte er zuvor verleaste Autos an verschiedene Kunden nach Ablauf der Leasingzeit veräußert. Die dafür eingenommenen Barbeträge, insgesamt in Höhe der zugesprochenen Klagehöhe hat er nicht an die Arbeitgeberin abgeführt. 34 Fälle waren vorliegend Gegenstand des Rechtsstreites.

Der Arbeitnehmer hatte die Geldzahlungen in bar erhalten. Er behauptet, das Geld dazu verwendet zu haben, bereits abgewickelte Kaufverträge über Autos zu bezahlen, die - aus ihm nicht nachvollziehbaren Gründen - in der Buchhaltung der Arbeitgeberin als noch nicht bezahlt vermerkt gewesen seien. Die Diskrepanzen zwischen dem Soll- und Ist-Bestand seien immer größer geworden, sodass er immer häufiger in bar eingenommene Beträge nicht auf dem dafür vorgesehenen Vertrag bei seiner Arbeitgeberin eingezahlt habe.

Da der Arbeitnehmer dem Kunden fingierte Rechnungen geschrieben hatte, die im System der Arbeitgeberin nicht nachzuvollziehen waren, fiel das Vorgehen des Arbeitnehmers längere Zeit nicht auf. Der Arbeitnehmer behauptet, dass er im Nachhinein nicht mehr erklären könne, wo das Geld im Einzelnen geblieben sei. Die Arbeitgeberin begehrte einen höheren Schadenersatz. Sie hielt den Wert für maßgebend, den sie im Verhältnis zur Leasing-Bank als Restkaufpreis hatte zahlen müssen, um die sicherungsübereigneten Fahrzeuge nebst der Fahrzeugbriefe zurückzuerhalten.

Das Gericht hat den Arbeitnehmer verurteilt, die in bar eingenommenen Beträge in Höhe von 430.000 Euro an die Arbeitgeberin zurückzuzahlen, weil es dem Arbeitnehmer nicht gelungen war, nachzuweisen, wo er die in bar erhaltenen Geldmittel eingezahlt hatte.

Die in der Regel höheren Restkaufpreise, die die Arbeitgeberin an die Leasing-Bank am Ende des Leasing-Vertrages zahlen musste, waren nach Auffassung des Gerichts nicht für die Berechnung der Schadenshöhe maßgeblich. Denn für den Fall, dass der Arbeitnehmer bei rechtmäßigem Verhalten einen höheren Kaufpreis vom Kunden erzielt hätte, als der im Verhältnis zur Leasing Bank zu zahlende Restkaufpreis, hätte die Arbeitgeberin keine Schadenersatzansprüche gegenüber dem ehemaligen Arbeitnehmer gehabt. Es war dem Arbeitnehmer nicht nachzuweisen, dass er in den 34 Fällen vorsätzlich niedrigere Kaufpreise mit den Kunden vereinbart hatte.

Quelle:

ArbG Mönchengladbach, Urteil vom 20.02.2008
Aktenzeichen: 5 Ca 3794/07
PM des ArbG Mönchengladbach Nr. 01/08 v. 29.02.2008

© arbeitsrecht.de - (Redaktion arbeitsrecht.de)

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