Rechtsprechung

Privatpost über Firma rechtfertigt fristlose Kündigung

Wer private Post über die Frankiermaschine seines Arbeitgebers laufen lässt, riskiert wegen Verletzung seiner arbeitsvertraglichen Nebenpflichten die fristlose Kündigung. Die Höhe des Schadens ist dabei unerheblich.

Der Kläger war Kundenbetreuer beim beklagten Versicherungsmakler-Unternehmen. In dessen Poststelle waren mehrere mit handschriftlichen Adressen versehene Briefe des Klägers aufgefallen. Der Portobetrag belief sich auf weniger als fünf Euro. Daraufhin wurde dem Kundenbetreuer wegen Diebstahlsversuchs fristlos gekündigt. Die hiergegen gerichtete Klage blieb erfolglos.

Die Kündigung ist rechtmäßig. Der Kläger hat mit seinem Handeln seine arbeitsvertraglichen Nebenpflichten verletzt. Zu diesen gehört auch, eine private Nutzung von Betriebsmitteln des Arbeitgebers zu unterlassen.

Der relativ geringe Schadensbetrag von knapp fünf Euro ist dabei unerheblich. Mit seinem Verhalten hat der Mitarbeiter in erheblicher Weise das Vertrauen des Arbeitgebers in seine Redlichkeit gebrochen.

Quelle:

Hess. LAG, Urteil vom 22.08.2007
Aktenzeichen: 16 Sa 1865/06
dpa v. 22.08.2006

© arbeitsrecht.de - (Redaktion arbeitsrecht.de)

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