Rechtsprechung

Einen Tag zu spät aus dem Urlaub - Abmahnung rechtens

Wer am Urlaubsort das Flugzeug versäumt und einen Tag zu spät zur Arbeitsstelle kommt, riskiert eine Abmahnung und entsprechende Lohnkürzung.

Im entschiedenen Fall hatte der Arbeitnehmer seinen Urlaub extrem knapp kalkuliert. Nachdem das zunächst vorgesehene Flugzeug überbucht war und er lediglich ein verbilligtes Personalticket erworben hatte, konnte er nicht wie geplant nach Deutschland zurückkommen, sondern kam erst einen Tag später an. Obwohl er sich telefonisch beim Arbeitgeber gemeldet hatte, erhielt er eine Abmahnung sowie Lohnkürzung.

In dem - vor dem ArbG Frankfurt geschlossenen Vergleich erklärte sich der Arbeitnehmer nun bereit, die Abmahnung noch weitere sechs Monate in der Personalakte hinzunehmen sowie die Lohnkürzung zu akzeptieren.

Das Gericht wies in der Verhandlung auf das "Wegerisiko" hin, das stets beim Arbeitnehmer liegt. Auch die telefonische Abmeldung ersetzt dies nicht. Eine Ausnahme gibt es nur bei "höherer Gewalt" wie Naturereignissen oder Pilotenstreiks. Im konkreten Falle aber wäre der Arbeitnehmer schon beim Kauf eines Vollpreistickets mit Beförderungsgarantie rechtzeitig zurück in Deutschland gewesen.

Quelle:

ArbG Frankfurt/M., vom 14.08.2007
Aktenzeichen:
dpa v. 14.08.2007

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