Rechtsprechung

Benachteiligung einer weiblichen Lehrkraft

Auch ein hoher Jungenanteil unter den Schülern rechtfertigt es nicht, bei der Auswahlentscheidung welche Lehrkraft einen "beamtenähnlichen" Arbeitsvertrag erhält, ausschließlich auf das männliche Geschlecht abzustellen.

Die Klägerin ist angestellte Lehrerin bei dem beklagten Verein. Über 90 % der Schüler des Beklagten sind Jungen. Neben der Klägerin beschäftigt der Beklagte eine weitere Lehrerin und vier Lehrer.

Die Arbeitsverträge des Schulleiters und zweier weiterer männlicher Lehrkräfte sehen im Unterschied zu den Arbeitsverträgen der Klägerin und ihrer Kollegin sog. beamtenähnliche Leistungen wie Versorgungs- und Beihilfeleistungen, Reise- und Umzugskostenerstattungen vor. Der vierte Lehrer ist abgeordneter Landesbeamter.

Mit ihrer Klage hat die Klägerin den Abschluss eines "beamtenähnlichen" Arbeitsvertrags entsprechend den Arbeitsverträgen ihrer drei männlichen angestellten Kollegen verlangt. Der Beklagte hatte geltend gemacht, er könne aus Kostengründen neben dem Schulleiter nur zwei Lehrkräfte beamten- ähnlich behandeln.

Die Vorinstanzen haben die Klage abgewiesen. Die Revision der Klägerin hatte vor dem BAG Erfolg.

Die unterschiedliche Behandlung ist nicht durch einen sachlichen Grund gerechtfertigt. Der arbeitsrechtliche Gleichbehandlungsgrundsatz ist u.a. dann verletzt, wenn der Arbeitgeber gegen eine Norm verstößt, die eine Benachteiligung von Arbeitnehmern ausdrücklich verbietet. Ein solches Verbot enthielt § 611a BGB, der die Benachteiligung wegen des Geschlechts untersagte. Seit dem 18. 08.2006 ist dieses Verbot im Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz geregelt.

Das Vorbringen des Beklagten, er könne aus Kostengründen neben dem Schulleiter nur zwei Lehrkräfte beamten- ähnlich behandeln, erklärt nicht, weshalb er die Klägerin nicht in die dann erforderliche Auswahl einbezogen hat. Auch ein hoher Jungenanteil rechtfertigt es nicht, bei der gebotenen Auswahlentscheidung ausschließlich auf das männliche Geschlecht abzustellen.

Quelle:

BAG, Urteil vom 14.08.2007
Aktenzeichen: 9 AZR 943/06
PM des BAG Nr. 62/07 v. 14.08.2007

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