Rechtsprechung

Kein Schadensersatz bei Eigenkündigung wegen beleidigendem Kollegen

Kündigt ein Arbeitnehmer wegen Beleidigungen oder Nötigungen durch einen Kollegen das Arbeitsverhältnis selbst, so hat er keinen Anspruch auf Ersatz des Verdienstausfalls.

Der Kläger und der Beklagte waren Arbeitnehmer der Firma C.

Der Kläger wurde im August 2001 von einem anderen Arbeitnehmer tätlich angegriffen und verletzt. Dieser wurde dafür strafrechtlich belangt und zur Schmerzensgeldzahlung an den Kläger verurteilt.

Während der sich an den Angriff anschließenden Arbeitsunfähigkeit rief der Beklagte, der im Unternehmen für Personalangelegenheiten zuständig war, den Kläger mehrfach an. Unter Verwendung von Formulierungen wie "Schauspieler", "Simulant", "Weib", "Hure", "Drecksack" und "Arsch", die er auf den Anrufbeantworter sprach, beschimpfte er den Kläger wegen der erfolgten Krankschreibung und nötigte ihn, die Strafanzeige gegen den Kollegen zurückzuziehen.

Der Kläger kündigte deshalb schließlich sein Arbeitsverhältnis selbst auf. Mit der Klage verlangt er von dem Beklagten Ersatz seines Verdienstausfalls. Der Beklagte vertritt die Auffassung, dieser Schaden resultiere ausschließlich aus der Eigenkündigung des Klägers.

Das ArbG hat die Klage abgewiesen, das LAG hat ihr stattgegeben.
Auf die Revision des Beklagten hat das BAG das erstinstanzliche Urteil wieder hergestellt.

Kündigt der Arbeitnehmer wegen Beleidigungen oder Nötigungen durch einen Kollegen das Arbeitsverhältnis selbst, so wird von diesem Kollegen dem Arbeitnehmer gegenüber weder ein Recht an seinem Arbeitsplatz im Sinne des § 823 Abs. 1 BGB verletzt noch hat er gegenüber dem Kollegen gemäß § 823 Abs. 2 BGB einen Anspruch auf Ersatz des Verdienstausfalls, der infolge der Eigenkündigung eintritt.

Quelle:

BAG, Urteil vom 18.01.2007
Aktenzeichen: 8 AZR 234/06
PM des BAG Nr. 02/07 v. 18.01.2007

© arbeitsrecht.de - (Redaktion arbeitsrecht.de)

Artikel drucken
  • Xing

Ähnliche Artikel aus Rechtsprechung

Vorbeugende Schutzmaßnahmen gegen sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz

12.03.2001 | Die vom Arbeitgeber gem. § 2 Beschäftigungsschutzgesetz (BeschSchG) zu treffenden vorbeugenden Schutzmaßnahmen gegen sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz berechtigen diesen nicht der sexuellen Belästigung beschuldigten Arbeitnehmer zu kündigen, wenn eine entsprechende Tat nicht nachgewiesen werden kann. Der § 4 BeschSchG gewährt insoweit kein Kündigungsrecht.  [mehr]

KündigungFristlose telefonische Eigenkündigung ist wirksam

02.05.2013 | Die fristlose Kündigung eines Arbeitnehmers ist unter Umständen selbst dann wirksam, wenn er nicht die Schriftform einhält und auch gar kein wichtiger Grund für eine außerordentliche Kündigung vorliegt. Ein Urteil des LAG Rheinland-Pfalz erläutert, weshalb Arbeitnehmern widersprüchliches Verhalten zum Verhängnis werden kann.  [mehr]

EigenkündigungKündigungsschutz anders herum – Abmahnung durch Arbeitnehmer

21.02.2013 | Beschäftigte, die fristlos kündigen möchten, müssen ihren Arbeitgeber vorher vergeblich abgemahnt haben. Das gilt auch in Fällen, in denen Arbeitnehmern in ganz erheblichem Umfang Überstunden zugemutet werden - so das Arbeitsgericht Berlin.  [mehr]

KündigungEuGH beschneidet Rechte bei Massenentlassungen

15.05.2015 | Für Massenentlassungen gelten EU-Sonderregelungen. Plant ein Arbeitgeber eine Entlassung von mindestens 20 Beschäftigten, so muss er die Arbeitnehmervertreter konsultieren. Fragt sich, ob unternehmensweit dabei alle Entlassungen zusammen zählen. Der EuGH verneint dies nun – zum Entsetzen vieler.  [weiterlesen auf "Arbeitsrecht im Betrieb"]

Fristlose KündigungKündigung eines rechtsradikalen Erziehers wirksam

26.05.2015 | Die fristlose Kündigung der Stadt Mannheim gegen einen rechtsradikalen Horterzieher ist wirksam. Der Erzieher hatte auf Facebook eine gewalttätige Szene mit Kinderspielzeug aus dem Hort nachgespielt. Aufgrund fehlender Eignung, ist eine weitere Beschäftigung in der Kinderbetreuung nicht zumutbar.  [weiterlesen auf "Arbeitsrecht im Betrieb"]

Ähnliche Artikel aus den anderen Rubriken:

Arbeitshilfen

Rechtslexikon: Massenentlassung

29.01.2010 | Eine Massenentlassung unterliegt der Anzeigepflicht gemäß §§ 17ff. Kündigungsschutzgesetz (KSchG).  [mehr]

Rechtslexikon: Kündigungsfrist

29.01.2010 | Die Kündigungsfristen im Arbeitsrecht ergeben sich aus dem Gesetz, sie können aber auch im Arbeitsvertrag oder im Tarifvertrag festgelegt werden.  [mehr]

Arbeit & Politik

Studie: Jeder fünfte Arbeitnehmer hat innerlich gekündigt

09.02.2011 | Der Engagement Index 2010 attestiert deutschen Firmen eine fatal niedrige emotionale Mitarbeiterbindung. Das führe zu hohen Folgekosten aufgrund von hausgemachter Kündigungsbereitschaft und mangelhafter Motivation.  [mehr]

Ein Manager schafft sich ab

31.08.2010 | Bundesbankvorstand Thilo Sarrazin hat mit seinen Äußerungen zur Integrationsfähigkeit von Ausländern für Aufsehen gesorgt. Arbeitsrechtler spekulieren jetzt über seinen Rauswurf.  [mehr]

Kündigung bei Bagatellstraftaten (09/2009)

06.05.2009 | Schon der bloße Verdacht, dass ein Mitarbeiter Eigentum des Chefs entwendet hat, kann den Job kosten - und sei die Sache auch noch so geringwertig. Das müssen Betroffene und auch Betriebsräte nicht ohne weiteres hinnehmen.  [mehr]

Mobbing und Konfliktbewältigung am Arbeitsplatz (23/2004)

03.11.2004 | Das Thema "Mobbing und Konfliktbewältigung am Arbeitsplatz" hat auf dem Hintergrund der gesellschaftlichen Entwicklungen in den letzten Jahren an trauriger Bedeutung gewonnen. Verantwortlich dafür sind tief greifende Verunsicherungen und Zukunftsängste.  [mehr]

Rat vom Experten

Aus den Zeitschriften

AiB Plus: Nachteile durch schlechtes Deutsch

01.03.2010 | Arbeitnehmer, die nicht perfekt deutsch sprechen, stoßen im Arbeitsleben oft auf Schwierigkeiten. Im manchen Fällen rechtfertigen schlechte Sprachkenntnisse sogar eine Kündigung.  [mehr]

Arbeitsrecht im Betrieb: Kündigung per E-Postbrief unzulässig

29.03.2011 | Elektronische Briefe sollen laut Postdienstleister und E-Mail-Provider ebenso rechtsverbindlich sein wie normale Briefe. Der Job kann mit dem E-Postbrief allerdings nicht wirksam gekündigt werden. Die E-Mail-Signatur ersetzt die eigenhändige Unterschrift nicht.  [mehr]