Rechtsprechung

Sehnenscheidenentzündung durch Computer-Arbeit ist als Berufskrankheit anzuerkennen

Sehnenscheidenentzündungen der rechten Hand nach jahrelanger Arbeit am Computer sind bei Beamten als Berufskrankheit anzuerkennen.

Die Klägerin begehrt die Anerkennung von Sehnenscheidenentzündungen der rechten Hand als dienstunfallrechtliche Berufserkrankung. Sie ist Beamtin des gehobenen Dienstes beim beklagten Bundeseisenbahnvermögen. Sie führte ihre Tätigkeiten zu 90 Prozent der Dienstzeit am Personal Computer (PC) aus, wobei als Eingabegeräte Standard-Tastaturen und -Mäuse benutzt wurden.

Anfang 2003 traten bei der Klägerin starke Schmerzen in der rechten Hand auf, in deren Folge sie dienstunfähig erkrankte. Eine Therapie erbrachte keine Besserung, ebenso wenig die von der hinzugezogenen Betriebsärztin verordnete geteilte Tastatur und ergonomische Maus.

Im Sommer 2003 lehnte die Dienststelle des Beklagten ab, die angezeigte Sehnenscheidenentzündung im rechten Handgelenk als Dienstunfall (Berufserkrankung) anzuerkennen. Der Widerspruch der Klägerin wurde zurückgewiesen. Die hiergegen gerichtete Klage hatte dagegen Erfolg.

Die Klägerin hat vorliegend einen Anspruch auf die Anerkennung der Sehnenscheidenentzündungen im rechten Handgelenk als dienstunfallrechtliche Berufserkrankung gemäß § 31 Abs. 3 BeamtVG.

Sehnenscheidenentzündungen der rechten Hand infolge langjähriger Arbeit an PC-Standardtastaturen und -mäusen können eine dienstunfallrechtliche Berufskrankheit sein, so das Gericht in seiner Begründung, wenn die konkret auszuführenden dienstlichen Verrichtungen eine besondere Gefährdung unabhängig von der individuellen Veranlagung typisch und in höherem Maße als bei der übrigen Bevölkerung bzw. den übrigen Beamten enthalten.

Quelle:

VG Göttingen, Urteil vom 22.08.2006
Aktenzeichen: 3 A 38/05
OVG Niedersachen online

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