Rechtsprechung

Kartfahren ist keine versicherte Betriebssportart

Kartfahren kann nicht als Betriebssport anerkannt werden, da Spaßfaktor und Wettbewerb im Vordergrund stehen; für Unfälle bei dieser Sportart muss die gesetzliche Unfallversicherung nicht eintreten.

Die Firma Daimler-Chrysler in Kassel bezuschusst eine Sportgemeinschaft, die u.a. Kartfahren für Betriebsangehörige, Pensionäre und deren Ehepartner anbietet. Ein Mitarbeiter von Daimler-Chrysler verunglückte auf der Kartbahn und zog sich einen komplizierten Bruch der Fußwurzel zu, der zu einer viermonatigen Arbeitsunfähigkeit führte.

Sein Antrag, den Unfall als Arbeitsunfall im Rahmen des Betriebssportes anzuerkennen, lehnte die Berufsgenossenschaft Metall ab. Seine dagegen gerichtete Klage vor dem SG Kassel scheiterte.

Auch vor dem LSG unterlag der Kläger.
Betriebssport soll einen Ausgleich zu den Belastungen der betrieblichen Tätigkeit darstellen und dient nicht der Teilnahme an Wettkämpfen oder der Erzielung von Spitzenleistungen.

Diese Kriterien waren im vorliegenden Fall nicht erfüllt. Vor allem sahen es die Richter als erwiesen an, dass Kartfahren nicht dem Ausgleich betrieblicher Belastungen dient: der Kartfahrer bewegt sich nicht, ist erheblichem Lärm ausgesetzt, die Abgase der Benzinmotoren wirken in geschlossenen Hallen gesundheitsgefährdend, die ungünstige Sitzhaltung im Wagen sowie die harten Erschütterungen bei der Fahrt sind eher be- als entlastend. Beim Kartfahren stehen nicht der körperliche Trainingseffekt, sondern Spaßfaktor und Wettbewerb im Vordergrund.

Kartfahren stellt daher keine hinreichenden sportlichen Anforderungen, um als Ausgleich und Entlastung für betriebliche Belastungen geeignet zu sein, er ist vielmehr mit hohen gesundheitlichen Risiken verbunden. Insofern ist es nicht zu rechtfertigen, Unfälle beim Kartfahren als gesetzlich unfallversichert anzusehen und die Arbeitgeber als alleinige Beitragszahler in der Unfallversicherung dafür haften zu lassen.

Quelle:

Hess. LSG, Urteil vom 17.07.2006
Aktenzeichen: L 3 U 95/05
PM des Hessischen LSG Nr. 35/06 v. 17.07.2006

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