Rechtsprechung

Arbeitnehmer ohne Auto darf nicht ohne weiteres versetzt werden

Arbeitnehmer ohne eigenes Auto dürfen nicht ohne weiteres an einen 40 Kilometer entfernten Ort versetzt werden. Das gilt auch dann, wenn im Arbeitsvertrag eine Versetzungsmöglichkeit enthalten ist.

Geklagt hatte ein Lageristen gegen ein Bauunternehmen. Der Mitarbeiter hatte die Klage gegen die Versetzung unter anderem mit dem fehlenden Fahrzeug und der langen Fahrdauer zum neuen Arbeitsplatz mit öffentlichen Verkehrsmitteln begründet. Dafür benötige er inklusive eines Fußmarsches knapp drei Stunden.

Das ArbG Frankfurt erklärte die Versetzung für unzulässig.

Die Richter stellten fest, dass die Firma  trotz der im Arbeitsvertrag vereinbarten Versetzungsmöglichkeit hätte eingehend prüfen müssen, ob statt des Klägers ein anderer Arbeitnehmer mit Privatwagen hätte versetzt werden können. Die Entscheidung, einen Mitarbeiter woanders weiter zu beschäftigen, ist «nach billigem Ermessen» und der Abwägung beiderseitiger Interessen zu treffen, urteilte das Gericht.

Quelle:

ArbG Frankfurt/M., Urteil vom 21.01.2010
Aktenzeichen: 8 Sa 124/05
dpa v. 03.04.2006

© arbeitsrecht.de - (Redaktion arbeitsrecht.de)

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