Rechtsprechung

Nichtgrüßen von Geschäftsführer kein Kündigungsgrund

Das Nichtgrüßen des Geschäftsführers durch einen Arbeitnehmer stellt keinen Grund für eine verhaltensbedingte Kündigung dar.

Das beklagte Unternehmen, welches mit Bäckereimaschinen handelt, hatte dem Kläger, einem Außendienstmitarbeiter, nach mehr als zehnjähriger Beschäftigungszeit gekündigt und begründete das in erster Linie mit einer betrieblichen Umorganisation. Zudem warf es dem Arbeitnehmer vor, kurz vor der Kündigung bei zwei Begegnungen außerhalb des Betriebes den Geschäftsführer der Beklagten in Anwesenheit weiterer Personen nicht gegrüßt zu haben. Der klagende Arbeitnehmer verteidigte sich damit, es könne ihm nicht vorgeworfen werden, bei privaten Treffen in einem Wald nicht gegrüßt zu haben. Dieses sei entschuldbar. Schließlich habe ihm der Geschäftsführer zuvor zu verstehen gegeben, dass er ihn wegen krankheitsbedingter Fehlzeiten entlassen wolle.

Das Gericht hat der Kündigungsschutzklage stattgegeben und außerdem den Antrag des Arbeitgebers abgewiesen, das Arbeitsverhältnis gegen Zahlung einer Abfindung aufzulösen.

Nach der Urteilsbegründung stellt die mehrfache Verweigerung des Grußes gegenüber dem Geschäftsführer nach dessen vorherigem Gruß keine - grobe - Beleidigung dar, die zum Ausspruch einer verhaltensbedingten Kündigung nach § 1 Abs. 2 KSchG berechtigen kann.

Durch das Verweigern des Grußes nach einem Personalgespräch können Arbeitnehmer ihre Verärgerung oder Verstimmung anzeigen, ohne damit eine Ehrverletzung zu bezwecken. Der Arbeitgeber, den dies stört und der nicht abwarten will, ob der Arbeitnehmer bald wieder zu dem im Betrieb und außerhalb des Betriebes üblichen Grüßen zurückkehrt, kann Anlass haben, den Arbeitnehmer zu einem weiteren Personalgespräch zu bitten und ihn daran zu erinnern, dass bei allem Verständnis für die aktuellen Gefühle des Arbeitnehmers doch die üblichen Umgangsformen gewahrt werden sollten.

Darüber hinaus hat das LAG auch den Antrag des Arbeitgebers abgewiesen, das Arbeitsverhältnis wegen der Verweigerung des Grußes gegen Zahlung einer Abfindung aufzulösen. Dieses ist nach § 9 KSchG grundsätzlich möglich, wenn Gründe vorliegen, die eine den Betriebszwecken dienliche weitere Zusammenarbeit nicht erwarten lassen.

Die Frage, ob die dauerhafte Verweigerung des Grußes auch nach einer Abmahnung einen Kündigungsgrund darstellen kann, konnte das Gericht im vorliegenden Fall offen lassen.

Quelle:

LAG Köln, Urteil vom 29.11.2005
Aktenzeichen: 9 (7) Sa 657/05
PM des LAG Köln v. 31.01.2006

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