Rechtsprechung

Raucher haften nicht automatisch für Brand im Büro

Kettenrauchende Arbeitnehmer haften nicht automatisch für einen durch ihre Kippen entstandenen Bürobrand.

Der beklagte Arbeitnehmer einer Versicherungsagentur hatte kurz vor Feierabend einen vollen Aschenbecher in einen Plastikpapierkorb geleert, in dem sich ein Feuer entzündete, das in dem Büro circa 100.000 Euro Schaden verursachte. Während die Haftpflichtversicherung 40.000 Euro übernahm, verklagte der Inhaber der Versicherungsagentur seinen Sachbearbeiter auf Zahlung der restlichen 60.000 Euro. Die Schadensersatzklage blieb vor dem Hessischen Landesarbeitsgericht ohne Erfolg.

Eine Schadenshaftung kommt nur bei grob fahrlässigem oder vorsätzlichem Verhalten des Arbeitnehmers in Betracht. Nachdem der Mitarbeiter aber nachweislich über viele Jahre den vollen Aschenbecher in den Plastikeimer ohne Folgen entleert hat, so das Gericht in seiner Begründung, und dies der Vorgesetzte auch gewusst und nicht verhindert hat, ist vorliegend allenfalls von leichter Fahrlässigkeit auszugehen.

Außerdem trifft nach Ansicht der Richter den Agenturinhaber ein weiteres Mitverschulden. Er hatte - trotz niedriger Prämie - die eigenen Räume nicht versichert.

Quelle:

Hess. LAG, Urteil vom 08.12.2005
Aktenzeichen: 11 Sa 121/04
dpa v. 06.02.2006

© arbeitsrecht.de - (Redaktion arbeitsrecht.de)

Artikel drucken
  • Xing

Ähnliche Artikel aus Rechtsprechung

Kein Schadensersatz trotz Rufschädigung des Arbeitgebers

22.07.2011 | Eine Ärztin, die im Verdacht steht Briefe an Angehörige verstorbener Patienten verschickt zu haben, macht sich gegenüber ihrem Arbeitgeber nicht schadensersatzpflichtig, wenn sie anonym angezeigt wird und die Ermittlungsbehörden dies öffentlich machen.  [mehr]

SchadensersatzKein Freibrief zum Goldschürfen im Krematorium

25.08.2014 | Nehmen Krematorien-Beschäftigte Edelmetallrückstände aus der Asche an sich, kann der Arbeitgeber die Herausgabe bzw. Schadensersatz verlangen. Zahngold und andere wertvolle Metalle kommen dann also nicht Hinterbliebenen zugute, sondern den Betreibern der Krematorien. So das Bundesarbeitsgericht.  [weiterlesen auf "Der Personalrat"]

Schadensersatz bei fristloser Eigenkündigung eines Auszubildenden

17.08.2000 | Ein Arbeitgeber hat Anspruch auf Schadensersatz gegenüber einem Auszubildenden, der seine Ausbildung ohne wichtigen Grund fristlos abbricht.  [mehr]

Soldatenrecht Schadenersatzpflicht bei schlecht gesicherter Ladung

12.12.2011 | Ein Berufssoldat, der während eines Einsatzes in Afghanistan die Ladung eines Gabelstaplers nicht richtig sichert und einen Unfall verursacht, muss der Bundesrepublik Deutschland den entstandenen Schaden ersetzen. Das zeigt ein Urteil des Verwaltungsgerichts Koblenz.  [mehr]

Haftung des Arbeitnehmers bei grober Fahrlässigkeit

25.02.2011 | Ist davon auszugehen, dass einen Arbeitnehmer bei einer Schadensverursachung ein hoher Verschuldensgrad trifft, kann er bis zur Höhe eines Jahresbruttoeinkommens haften. Eine abgeschlossene Haftpflichtversicherung erhöht die Haftungsobergrenze nicht.  [mehr]

Ähnliche Artikel aus den anderen Rubriken:

Arbeitshilfen

Rechtslexikon: Fahrlässigkeit

29.01.2010 | Fahrlässig handelt, wer die im Verkehr erforderliche Sorgfalt außer Acht lässt (§ 276 Abs. 2 BGB). Leichteste Fahrlässigkeit liegt vor, wenn es sich um geringfügige und leicht entschuldbare Pflichtverstöße handelt  [mehr]

Rechtslexikon: Mankohaftung

29.01.2010 | Unter einem Manko versteht man im Arbeitsrecht üblicherweise einen Schaden, den der Arbeitgeber dadurch erleidet, dass ein seinem Arbeitnehmer anvertrauter Warenbestand eine Fehlmenge aufweist oder sich in einer von seinem Arbeitnehmer geführten Kasse ein Fehlbetrag ergibt.  [mehr]

Arbeit & Politik

Versicherungsschutz während der betrieblichen Weihnachtsfeier

03.12.2010 | Die dunkle, kühle Jahreszeit schneit wieder herein und der Chef lädt die Mitarbeiter zur Adventsparty bei Glühwein und Punsch ein. Was ist unfallrechtlich dabei zu beachten?  [mehr]

Wann muss der Arbeitnehmer Weihnachtsgeld zurückzahlen? (03/2003)

29.01.2003 | Wenn das Arbeitsverhältnis in den ersten drei Monaten im neuen Jahr beendet wird, stellt sich für viele Arbeitnehmer die Frage, ob das "Weihnachtsgeld" zurückzuzahlen ist. Entgegen der weitverbreiteten Auffassung besteht eine solche Rückzahlungsverpflichtung nicht grundsätzlich.  [mehr]