Rechtsprechung

Keine fristlose Kündigung bei Drohung mit Anzeige gegen Vorgesetzte

Die gegen Vorgesetzte gerichtete Drohung mit einer Strafanzeige kostet einen Arbeitnehmer nicht zwangsläufig den Job wenn diese nicht etwa aus Willkür oder ohne jeden sachlichen Grund erfolgt.

Der klagende Bankmitarbeiter hatte Anstoß daran genommen, dass einer Kundin ein Kredit gewährt worden war, ohne dass die Frau seiner Meinung nach über ausreichende Sicherheiten verfügte. Gegenüber einer Mitarbeiterin der Innenrevision der Bank hatte er geäußert, sie solle sich die Unterlagen sehr genau anschauen. Falls sie etwas zu beanstanden habe, werde er gegen den Vorstandsvorsitzenden Anzeige erstatten. Die Bank kündigte dem Kläger daraufhin fristlos.

Das LAG Mainz befand das Geldinstitut habe voreilig gehandelt und gab mit seinem Urteil der Kündigungsschutzklage statt.

Nach Meinung des Gerichts ist ein solches Verhalten zwar grundsätzlich geeignet, das Vertrauensverhältnis zwischen Mitarbeiter und Arbeitgeber zu zerstören. Allerdings muss im Einzelfall geprüft werden, was den Mitarbeiter zu diesem Schritt bewogen habe.

Der Kläger hat vorliegend nicht etwa aus Willkür oder ohne jeden sachlichen Grund mit einer Anzeige gedroht, sondern weil er die Kreditvergabe für "anrüchig" hielt. Außerdem hat er die Anzeige von dem Ergebnis der Prüfungen der Innenrevision abhängig gemacht. Die typischen Voraussetzungen für eine fristlose Kündigung liegen daher nicht vor.

Quelle:

LAG Mainz, Urteil vom 17.11.2005
Aktenzeichen: 10 Sa 1329/03
dpa v. 18.11.2005

© arbeitsrecht.de - (Redaktion arbeitsrecht.de)

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