Rechtsprechung

Anspruch auf bessere Beurteilung im Arbeitszeugnis

Hat der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer insgesamt eine "durchschnittliche" Leistung bescheinigt, hat der Arbeitnehmer die Tatsachen vorzutragen und zu beweisen, aus denen sich eine bessere Beurteilung ergeben soll. Hat der Arbeitgeber den Arbeitnehmer als "unterdurchschnittlich" beurteilt, obliegt dem Arbeitgeber, die seiner Beurteilung zu Grunde liegenden Tatsachen darzulegen und zu beweisen.

Das Arbeitszeugnis bescheinigte dem klagenden Arbeitnehmer, er habe  "zur vollen Zufriedenheit" des beklagten Arbeitgebers gearbeitet. Der Kläger machte geltend, dieses Gesamturteil attestiere eine nur "befriedigende/durchschnittliche" Leistung, tatsächlich habe er die Note "gut" verdient. Die Beklagte müsse ihm deshalb bescheinigen, er habe "stets" zur vollen Zufriedenheit gearbeitet.

Das LAG hat die Klage abgewiesen, weil die Beklagte den Kläger als "überdurchschnittlich" beurteilt habe. Es hat deshalb die zwischen den Parteien streitigen Tatsachen über die dem Kläger erteilten Arbeitsaufgaben und der Art und Weise ihrer Erledigung durch den Kläger nicht aufgeklärt. Die Revision des Klägers hatte Erfolg, das BAG hat die Sache an das LAG zurückverwiesen.

Die Vorinstanz hätte die zwischen den Parteien streitigen Tatsachen, auf denen die Beurteilung des Arbeitgebers basierte, überprüfen müssen, so das Gericht. Erteilt der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer auf seinen Wunsch ein qualifiziertes Zeugnis, so hat der Arbeitnehmer Anspruch darauf, dass seine Leistung der Wahrheit gemäß beurteilt wird. Bei deren Einschätzung hat der Arbeitgeber einen Beurteilungsspielraum, der von den Gerichten für Arbeitssachen nur beschränkt überprüfbar ist. Voll überprüfbar sind dagegen die Tatsachen, die der Arbeitgeber seiner Leistungsbeurteilung zu Grunde gelegt hat.

Nach der im Arbeitsleben weithin üblichen "Zufriedenheitsskala" hat die Beklagte dem Kläger lediglich eine durchschnittliche und keine gute Gesamtleistung bescheinigt. Ob die Leistung des Klägers tatsächlich zusammenfassend als gut zu beurteilen ist, wird das LAG noch aufzuklären haben.

Quelle:

BAG, Urteil vom 14.10.2003
Aktenzeichen: 9 AZR 12/03
PM des BAG Nr. 66/03 v. 14.10.2003

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