Rechtsprechung

Formulierung eines Arbeitszeugnisses - Richtige Wortreihenfolge

Die Einhaltung der Reihenfolge "Vorgesetzte - Kollegen - Geschäftspartner" bei der Bewertung des sozialen Verhaltens eines Arbeitnehmers im qualifizierten Arbeitszeugnis ist in Deutschland als Standard einzustufen, so dass sich aus einer Abweichung von dieser Gepflogenheit eine Verletzung des Grundsatzes der wohlwollenden Beurteilung sowie ein Anspruch des Arbeitnehmers auf Umstellung der Wortreihenfolge ergeben kann.

Die Parteien streiten um eine Zeugnisberichtigung. Die Klägerin wurde nach ihrer Ausbildung bei der Beklagten als Bankkauffrau weiter beschäftigt. Einige Jahre später schied sie aus freien Stücken aus dem Arbeitsverhältnis aus. Die Beklagte bewertete daraufhin in einem qualifizierten Zeugnis das soziale Verhalten der Klägerin in folgender Weise: "Durch ihr freundliches und zuvorkommendes Wesen war Frau G. bei Kollegen und Vorgesetzten gleichermaßen beliebt. Ihr Verhalten war einwandfrei".

Die Klägerin beanstandete, dass zuerst ihr Verhältnis zu den Kollegen und erst dann das zu den Vorgesetzten angesprochen wurde. Dies könne künftig dahin gehend verstanden werden, dass das Verhältnis zu den Vorgesetzten nicht so gut gewesen sei wie das zu den Kollegen. Sie begehrte deshalb die Umstellung der Reihenfolge. Die Klage hatte Erfolg.
In der heutigen Zeugnissprache ist es üblich, dass bei der Beurteilung von im Wesentlichen unbeanstandetem Sozialverhalten die Reihenfolge Vorgesetzte / Kollegen / Geschäftspartner eingehalten wird. Abweichungen davon können zu Missverständnissen führen.

Die Qualität eines Mitarbeiters erkennt man zwar nicht an seinem Zeugnis, sondern an der Gesamtheit seiner Leistungen im Betrieb. Um aber möglichen Hintergedanken bei einer anderen Reihenfolge entgegenzuwirken, wurde hier die Standardreihenfolge Vorgesetzte / Kollegen festgelegt.
Das Arbeitsgericht hat damit diese Wortreihenfolge bei der Beurteilung des sozialen Verhaltens eines Mitarbeiters im qualifizierten Arbeitszeugnis gerichtlich als Standard festgelegt

Quelle:

ArbG Saarbrücken, Urteil vom 02.11.2001
Aktenzeichen: 6c Ca 38/01
AiB 7/2002, 444-445

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