Rechtsprechung

Arbeitsunfall bei indirektem Weg

Ein Arbeitsunfall im Sinn der gesetzlichen Unfallversicherung kann auch vorliegen, wenn der Arbeitnehmer zunächst einen anderen Ort als seinen Wohnort ansteuert und dabei einen Unfall erleidet. Voraussetzung für den Versicherungsschutz ist lediglich, dass sich der Arbeitnehmer an diesem Zielort mindestens zwei Stunden lang aufhalten wollte.

Im Mai 1998 benutzte der Kläger, ein 53-jähriger Erzieher, wie auch sonst bei günstiger Wetterlage für die knapp 50 km lange Strecke zwischen Wohnung und Arbeitsstätte sein Sportmotorrad. Auf dem Heimweg bemerkte er nach kurzer Zeit einen Defekt und kehrte zur Arbeitsstätte zurück, die allerdings bereits geschlossen hatte. Telefonisch setzte er sich mit einer Kölner Fachwerkstatt in Verbindung. Trotz der fortgeschrittenen Stunde wurde ihm zugesichert, dass dort der Defekt - wahrscheinlich am Vergaser - noch am selben Tag behoben werden könne. Er machte sich auf den Weg, verunglückte auf der Bundesautobahn in Richtung Köln und zog sich erhebliche Verletzungen zu.

Das Gericht hat entschieden, dass es sich dabei um einen entschädigungspflichtigen Arbeitsunfall im Sinne der gesetzlichen Unfallversicherung handelte.

Versicherungsschutz besteht nicht nur für das Zurücklegen der unmittelbaren Wege zwischen Arbeitsstätte und Wohnung. Ein Wegeunfall kann auch vorliegen, wenn Ziel ein anderer Ort ist, an dem sich der Versicherte mindestens 2 Stunden aufhalten will. Allein das Zerlegen, Reinigen und Neueinstellen der Vergaseranlage hätte länger als 2 Stunden beansprucht. Bei Fortsetzung des Weges nach Hause hätte dann allerdings kein Versicherungsschutz mehr bestanden. 

Quelle:

LSG Nordrhein-Westfalen, Urteil vom 30.01.2002
Aktenzeichen: L 17 U 161/00
PM des LSG NRW v. 08.05.2002

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