Rechtsprechung

Verletzungen wegen Flachserei keine Folgen von Arbeitsunfall

Verletzungen, die aus einer eskalierten Flachserei unter Kollegen herrühren, sind keine Folgen eines Arbeitsunfalls.

Der Kläger war zum Zeitpunkt des Unfalls 40 Jahre alt und galt als "Muttersöhnchen". Daraufhin wurde er im Betrieb öfters gehänselt. Am Tag des Unfalls beschäftigten sich der Kläger und seine Kollegen damit, Garagendächer zu reparieren. Nachdem die Mutter, wie schon häufiger, im Betrieb angerufen hatte, kam es erneut zu Flachsereien, die an diesem Tag aus nicht bekannten Gründen eskalierten. Der Kläger drohte einem Kollegen damit, ihm mit einem Besen schlagen zu wollen. Die angesprochene Person fasste dieses aber nicht als den sonst üblichen Spaß auf. Das wurde auch vom Kläger nicht bestritten.

Danach bedrohte der Kläger seinen Gegenüber erneut, indem er sagte, er wolle ihm mit einer Axt das "Hirn einschlagen". Der Kollege ließ sich davon nicht beeindrucken. Er ging nicht in "kämpferischer Art" auf den Kläger zu, auch bedrohte er ihn nicht in irgendeiner Weise. Daraufhin sprang der Kläger aus ungeklärten Gründen aus einer Höhe von 2,50 m vom Garagendach, wodurch er sich verletzte. Er ist der Ansicht, dass es sich dabei um einen Arbeitsunfall gehandelt habe.

Die Klage blieb erfolglos. 

Dieser Ablauf kann nicht als Arbeitsunfall gewertet werden. Der Streit unterliegt nicht dem Unfallversicherungsschutz, auch wenn er am Arbeitsplatz stattfand. Der Streit entstand nicht unmittelbar aus der Arbeit oder ist dem Kläger aufgedrängt worden. Die Umstände, die zum Unfall führten, liegen ausschließlich im privaten Bereich und führten im Zusammenhang mit den besonderen Charaktereigenschaften des Klägers zum beschriebenen Unfall.

Quelle:

LSG Baden-Württemberg, Urteil vom 24.01.2002
Aktenzeichen: L 7 U 645/00
PM des LSG Baden-Württemberg

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