Rechtsprechung

Arbeitsunfall und psychische Störungen

Im Zusammenhang mit einem Arbeitsunfall auftretende psychische Störungen sind nicht als dessen Folge anzusehen, wenn der Unfall nach seiner Art und Schwere schon nicht geeignet ist, diese Störungen hervorzurufen.

Nachdem der kroatische Kläger einen Arbeitsunfall erlitten hatte, bei dem er sich durch den Schlag eines gerissenen Seilzuges eine Schulterfraktur zuzog, traten in zeitnahem Zusammenhang psychische Störungen auf. Diese setzte der Kläger in Zusammenhang mit dem Unfall. Es wurden jedoch bei Einlieferung in die Unfallchirurgische Klinik keine Kopfverletzungen diagnostiziert. Der zuständige Unfallversicherungsträger lehnte die Feststellung der psychischen Störung als Unfallfolge ab und verweigerte die Zahlung einer Verletztenrente. Die Schulterverletzung habe nicht zu einer Minderung der Erwerbsfähigkeit geführt, die eine derartige Zahlung begründet hätte.

Sowohl das SG als auch das LSG wiesen die Klage ab. 

Die Ablehnung wurde damit begründet, dass keine neurologisch zu beurteilenden Unfallfolgen einer Kopfverletzung durch einen Arzt festgestellt wurden. Der beteiligte Sachverständigte stellte fest, dass die psychischen Störungen durch das Erleben des Unfalls nicht wesentlich verursacht wurden. Die Art und Schwere des Unfalls selbst waren nicht geeignet, die genannten psychischen Störungen hervorzurufen.

Der Arbeitsunfall ist laut Aussage des Gerichts höchstens als letztes Glied einer bereits vor dem Unfall in Gang gesetzten Kausalkette anzusehen, wobei das kriegsbedingte Schicksal des Klägers und seiner Familie sicherlich eine Rolle spielt. Somit ist der Unfall ein nicht wesentlicher Faktor im Schicksal des Klägers, der aber in seiner Bedeutung weit hinter den anderen Ursachen zurücksteht.

Quelle:

LSG Baden-Württemberg, Urteil vom 13.12.2001
Aktenzeichen: L 7 U 2475/99
PM des LSG Baden-Württemberg

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